Frankreich
Macron macht glücklich

Die Franzosen glauben wieder an die Zukunft: Nach Macrons Wahl haben die notorischen Pessimisten erstmals wieder positive Erwartungen für ihr Land. Das beflügelt vor den Parlamentswahlen auch die Partei des Präsidenten.
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ParisNoch hat er keinerlei Reformen verwirklicht, doch seine bloße Präsenz scheint bereits ein kleines Wunder zu bewirken: Seit der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Staatspräsidenten sind die notorisch unglücklichen und pessimistisch in die Zukunft blickenden Franzosen mehrheitlich zu Optimisten geworden. Laut einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts ifop erwarten 53 Prozent von ihnen jetzt eine gute Zukunft für ihr Land. 77 Prozent erwarten gar, dass es sich tiefgreifend verändern wird und sieben von zehn halten Reformen für eine gute Sache.

Allerdings haben noch längst nicht alle Bürger eine rosarote Brille auf. Bei den Selbständigen und Unternehmern sind die Zuversichtlichen mit zwei Dritteln deutlich in der Überzahl, ebenso bei den Jugendlichen unter 25 Jahren und bei den Rentnern. Bei den Arbeitnehmern dagegen sind sie in der Minderheit. Nur abhängig Beschäftigte mit Hochschulbildung erwarten, dass das Land sich zum Guten verändert und sie sowie ihre Familien auch persönlich etwas davon haben werden. Geringqualifizierte sind dagegen deutlich pessimistisch. Hier zeigt sich das große Misstrauen vieler Arbeitnehmer gegenüber den Folgen der Globalisierung in Frankreich.

Speziell diese Menschen wird Macron überzeugen müssen, wenn er seine erste große Reform, die des Arbeitsrechts, erfolgreich anpacken will. Der junge Präsident schwimmt derzeit auf einer Welle der Zustimmung. Seine ersten internationalen Auftritte, die der Quereinsteiger präzise und sicher wie ein seit Jahren aktiver Politiker absolviert hat, gefallen den Franzosen.

Am Montag bewahrte er bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Wladimir Putin in Versailles geschickt die Balance zwischen inhaltlicher Härte und freundlicher Verbindlichkeit des Gastgebers. Er hielt dem russischen Präsidenten Peter den Großen vor als „Herrscher, der sein Land dem Westen geöffnet hat“ und sagte ihm klar ins Gesicht, dass die Mitarbeiter der russischen Staatsmedien Russia Today und Sputnik für ihn „keine Journalisten sind, sondern permanent Lügen verbreitende Vertreter von Propagandaorganen“.

Zwei Drittel der Franzosen sind mit Macrons ersten Aktivitäten im Amt zufrieden. Viele haben das Gefühl, erstmals wieder stolz auf ihren Präsidenten sein zu können. Sein knochenharter Händedruck mit dem rempelnden Donald Trump wurde in der französischen Öffentlichkeit so stark beachtet als handele es sich um eine politische Großtat. Die Szene wurde zum Symbol: Der Präsident packt zu, Frankreich lässt sich nicht herumschubsen. Macron überzeugt derzeit mehr Leute als ihn am 7. Mai gewählt haben. Ihnen gefällt, dass der neue Präsident nicht ständig in den Medien ist, bislang keine Fehler gemacht hat und Persönlichkeiten von links wie von rechts in seine Regierung berufen hat.

Das erweckt den Eindruck, dass er Ernst macht mit dem Ende der palaverhaften Flügelkämpfe. Zugleich beweist der Neuling eine Härte und einen Machtinstinkt, die überraschen: Den Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian, dem er im Wahlkampf viel verdankt, schob er ins Außenministerium ab, um die Netzwerke des langjährigen Ministers in der Armee zu kappen. Sie hätten seine eigene Autorität geschwächt.

Kommentare zu " Frankreich: Macron macht glücklich"

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  • "Zwei Drittel der Franzosen sind mit Macrons ersten Aktivitäten im Amt zufrieden. "
    Ein schöner Satz.
    Während in den USA die Leute entsetzt sind über Trump.
    Und in Russland? Da sind 100% zufrieden mit Putin, weil der Rest im Knast verschwindet.

  • Herr Helmut Metz@Sie sorgen wie immer für das tiefere Verständnis. Insbesonder Ihre Aufsätze, zum Gelde, sind legendär. Wenn man bedenkt, welchen Verzicht Sie leisten als Teilnehmer und Inspirator von Suppenküchen, die bekanntlich des Sozens oberste Aufgabe darstellen.

  • Herr Rainer Hake@Ihre überragende Intelligenz hat die Wahrheit an das Licht gebracht, die Leserschaft wird es Ihnen danken. Trotz meines Einsatzes haben sie mich entlarvt. Um ehrlich zu sein, Herr Putin sollte besser bezahlen, ich bin nicht gut genug, für diesen Job. Von daher Herr Hake übernehmen Sie, 450Euro gehen doch immer durch beim Aufstocken.

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