Frankreich verkauft Aktienpaket von Air France/KLM - 2005 viele deutsche Transaktionen von Bund und Ländern
EU-Länder geben Gas bei Privatisierung

Der französische Staat erhöht das Tempo bei der Privatisierung. Gestern kündigte Paris an, sich von 18,35 Prozent der Anteile an der Fluglinie Air France/ KLM trennen zu wollen. Die Papiere im Wert von 719 Mill. Euro sollen über den Kapitalmarkt veräußert werden. Sieben Prozent der Anteile sind für Mitarbeiter der Airline reserviert, die im Gegenzug auf Teile ihres Lohns verzichten sollen. „Die 700 Millionen Euro werden zum Abbau von Staatsschulden und nicht zur Finanzierung neuer Ausgaben eingesetzt“, sagte Finanzminister Herve Gymard .

HB FRANKFURT/M. Die Ankündigung reiht sich ein in eine lange Liste von Anteilsverkäufen durch die öffentlichen Hände in Europa. Erst vor wenigen Tagen hatte Finnland 5,3 Prozent des schwedisch-finnischen Telekommunikationskonzerns Telia Sonera an Investoren abgegeben. Der Erlös betrug gut 1,1 Mrd. Euro. Auch in anderen Ländern stehen die Telekom-Beteiligungen ganz oben auf der Verkaufsliste. So platzierte der österreichische Staat Anfang dieses Monats 17 Prozent von Telekom Austria bei institutionellen Anlegern, ebenfalls für rund 1,1 Mrd. Euro. Am 13. Dezember wird zudem die erstmals Maroc Telecom an der Börse notiert. Der makkaronische Staat wird rund 15 Prozent des Telekomdienstleisters abgeben.

Experten rechnen damit, dass sich der Privatisierungstrend beschleunigen wird. „Der Trend ist eindeutig: In ganz Europa ziehen sich die öffentlichen Hände aus den Wettbewerbsindustrien zurück“, sagt Werner Michael Waldeck, Partner der Kanzlei Waldeck Rechtsanwälte. Er hat diverse Beteiligungsverkäufe der öffentlichen Hand in Deutschland begleitet, darunter die Privatisierung der Lufthansa und der Deutschen Post.

Auch in Deutschland wird sich nach Ansicht von Waldeck einiges tun. „Ich glaube, dass das Transaktionsgeschäft im nächsten Jahr nicht unerheblich durch Privatisierungsprojekte geprägt werden wird“, sagt er. Der Beteiligungsbericht der Bundesregierung nennt potenzielle Kandidaten. Danach steht unter anderem die Trennung von den verbliebenen Papieren am Flughafenbetreiber Fraport auf der Agenda. „Auch die Länder werden sich verstärkt von Unternehmen trennen“, ist sich Waldeck sicher. So hat Hessen bereits angekündigt, das Behördenzentrum in Frankfurt abgeben zu wollen. Auch bei der Messe Frankfurt zeichnet sich früher oder später ein Wechsel der Eigentümer ab.

Dass die öffentliche Hand sich gerade in den letzten Tagen und Wochen so massiv vom Tafelsilber getrennt hat, überrascht nicht. Üblicherweise nutzen die Regierungen das Jahresende, um ihre Haushalte zu glätten. Gleichzeitig wird bereits am Budget des kommenden Jahres gearbeitet. „Der Verkauf von Beteiligungen durch die öffentliche Hand ist traditionell ein Jahresendgeschäft“, sagt Waldeck.

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