Frankreich versus Deutschland
Hollande gibt sich versöhnlich

Nach einem Treffen mit Italiens neuem Regierungschef Enrico Letta bläst Frankreichs Staatspräsident die Angriffe auf Deutschland ab - auch, weil es von Letta eine klare Absage gegen eine Merkel-Front gibt.
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ParisAus der Traum: Sollte Frankreichs Staatspräsident François Hollande die Illusion gehegt haben, er könne gemeinsam mit Italien eine Art Front gegen Deutschland bilden, musste er sie am 1. Mai begraben. Der frisch gewählte italienische Regierungschef Enrico Letta wandte sich klipp und klar gegen Aussagen wie die, in der EU müsse die angeblich von Deutschland aufgezwungene Budgetdisziplin beendet werden: „Man kann Wachstum und die Konsolidierung der Haushalte nicht gegeneinander ausspielen, beides gehört zusammen.“

Es gehe nicht an, dass in Europa nur zwei oder drei Länder wüchsen, während die anderen untergingen. Die von Hollande jüngst aufgebrachte Maxime einer „freundschaftlichen Spannung“ im Verhältnis zu Deutschland lehnte Letta ab: „Für mich geht es ganz einfach um Freundschaft und nicht um freundschaftliche Spannung“, sagte der hoch gewachsene Italiener in perfektem Französisch neben einem säuerlich dreinblickenden Hollande.

Erstmals seit sechs Tagen nahm Hollande zu der Resolution seiner eigenen Partei Stellung, in der Bundeskanzlerin Angela Merkel „egoistische Sturheit“ und rücksichtloses Beharren auf deutschen Interessen vorgeworfen wurden. Die klare Frage, ob er grünes Licht für diesen Text gegeben habe, der mittlerweile wieder einkassiert wurde, beantwortete Hollande nicht. Die Wochenzeitung Le Canard Enchainé hatte geschrieben, Hollandes engster Politikberater Aqulino Morelle habe den Text durchgewunken, während Premier Jean-Marc Ayrault alles getan habe, ihn aufzuhalten.

Statt sich klar zu positionieren, sagte Hollande, er sei „nicht der erste Sekretär der Sozialistischen Partei“. Ihn interessiere nur der mittlerweile erstellte Text, in dem keine Person angegriffen werde. „Nur den müssen unsere Partner lesen“, sagte der Präsident beinahe beschwörend. Es gebe keinerlei Anlass, „einzelne Politiker oder Regierungen infrage zu stellen, und bestimmt nicht Deutschland.“ Frankreich und Deutschland müssten zusammenarbeiten, beide Länder verbinde eine geschichtliche Verantwortung und die Notwendigkeit, Europa voranzubringen. Allerdings bestehe die Notwendigkeit, „einer offenen Diskussion in einem Europa, das 27 Mitgliedstaaten hat.“

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„Die EU muss man wie einen Stier angreifen“

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  • Letta scheint bei seinem Besuch bei Merkel von dieser ziemlich eingeseift worden zu sein, wenn jetzt den sanften Bubi spielt
    Also ein ziemlich charakerloser Typ der offenbar seine Fähnchen nach dem Wind setzt

  • „Wir müssen die Feindseligkeiten gegen die EU eröffnen“

    Die EU und der EURO sichern den Frieden in Europa. Genau.

  • Holland ist ein Spaltpilz dessen Europapolitik eindeutig asoziale Züge ausweist.

    Solche Menschen kommen ab und an in politische Ämter aber das sollte man nicht überbewerten.

    Die Hollands kommen und gehen, das Frankenreich bleibt.

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