Zum Frankreich Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Wahlkampf in Frankreich
Zusammenstöße bei Auftritt von Le Pen

Wenige Tage vor der Wahl läuten der parteilose Macron und die Rechtspopulistin Le Pen den Endspurts des Wahlkampfs ein. In Paris liefern sie sich ein Fernduell. Bei Le Pens Auftritt kommt es zu Ausschreitungen.
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ParisAm Rande einer Wahlkampfkundgebung der Rechtspopulistin Marine Le Pen in Paris ist es zu Zusammenstößen zwischen Le-Pen-Gegnern und der Polizei gekommen. Die Polizei setzte am Montagabend Tränengas ein, um mehrere Dutzend Aktivisten zurückzudrängen. Demonstranten hätten versucht, in den Park neben der Konzerthalle vorzudringen, in der die Präsidentschaftskandidatin Le Pen am Abend auftrat. Ein Sprecher der Polizeipräfektur sagte, es habe keine Verletzten und keine Festnahmen gegeben. Den Einsatz von Tränengas bestätigte er nicht.

Wenige Tage vor der französischen Präsidentenwahl hat die Rechtsaußen-Kandidatin Marine Le Pen mit harten Worten gegen „massive Einwanderung“ Stimmung gemacht. „Meine erste Maßnahme als Präsidentin der Republik wird es sein, Frankreich die Grenzen zurückzugeben“, sagte die Chefin der rechtspopulistischen Front National (FN) am Montagabend vor tausenden Anhängern in Paris. Le Pen führt zusammen mit dem sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron die Umfragen für die erste Wahlrunde am kommenden Sonntag (23.4.) an.

Le Pen bekräftigte ihre Forderung, aus dem europäischen Schengenraum für ein Reisen ohne Grenzkontrollen auszusteigen. Falls sie gewählt werde, solle es ein Einwanderungs-Moratorium geben, bis härtere Maßnahmen in Kraft seien. Details des Moratoriums ließ die 48-Jährige offen. Sie sprach sie auch für Grenzkontrollen nach den Wahlen aus.

Zum Auftakt sei es bereits bei der Ankunft eines FN-Abgeordneten zu Spannungen gekommen. Dabei sei ein Molotow-Cocktail geworfen worden, der jedoch nicht in die Nähe des Politikers gelangt sei. Während des Auftritts von Le Pen kam eine Aktivistin mit nacktem Oberkörper auf die Bühne - sie wurde sofort weggezerrt.

Le Pen setzte ihre Rede fort, die zugleich ein Fernduell gegen ihren Konkurrenten Emmanuel Macron darstellte. Dieser stimmte mit einem Appell für ein „zuversichtliches Frankreich“ seine Anhänger auf den Wahlkampf-Endspurt eingestimmt. „Von elf Kandidaten wollen uns zehn zu einer Fantasievorstellung der Vergangenheit zurückführen“, sagte Macron am Montag vor Tausenden Menschen in einer Pariser Konzerthalle.

Der parteilose frühere Wirtschaftsminister gilt als einer der Favoriten für den ersten Wahlgang am kommenden Sonntag und die Einführung einer Stichwahl am 7. Mai. Er verteidigte erneut seine pro-europäische Linie: „Ich entscheide mich gleichzeitig für ein starkes Frankreich und ein ehrgeiziges Europa.“

Nur wenige Tage vor der Wahl wird es immer enger im Rennen um die französische Präsidentschaft. Denn der Vorsprung der beiden Favoriten Le Pen und Macron war zuletzt zusammengeschrumpft. Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Instituts Opinionway für „Les Echos“ und Raio Classique kämen Macron und Le Pen derzeit auf 22 Prozent. Der Konservative François Fillon liegt mit 21 Prozent ganz knapp dahinter, der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon kommt auf 18 Prozent.

Vor allem Mélenchon hatte in den vergangenen Wochen stark dazugewonnen, andere Institute sahen ihn zuletzt sogar noch näher bei Macron und Le Pen. Er ging am Montag mit einer Bootstour auf einem Kanal in Paris auf Stimmenfang. Der Konservative François Fillon trat in Nizza auf und warb für sein weitgehendes Spar- und Reformprogramm: „Wir müssen unseren Staat von seinen Schulden befreien, und wir müssen unsere Wirtschaft von seinen Abgaben und Normen befreien“, sagte er laut seinem Twitter-Account.

Macron, der bei seiner Kundgebung immer wieder von Rufen „On va gagner“ („Wir werden gewinnen“) unterbrochen wurde, warb erneut für eine „solide und ausgewogene Allianz“ mit Deutschland. Zuvor hatte er allerdings die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft attackiert. Deutschland müsse zu der Einsicht kommen, „dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist“, sagte der unabhängig von den traditionellen Parteien antretende Kandidat den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Deutschland profitiere vom Ungleichgewicht in der Eurozone und erziele sehr hohe Handelsüberschüsse. „Die sind weder für seine eigene Wirtschaft gut noch für die Wirtschaft der Eurozone. Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden“, sagte er, ohne konkreter zu werden.

Macron bekräftigte, Deutschland erwarte vor allem, dass Frankreich endlich strukturelle Reformen einleite. Laut Umfragen könnte der 39-Jährige die Rechtspopulistin Le Pen im entscheidenden zweiten Wahlgang klar schlagen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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