Frankreichs Sozialisten
Ségolène Royal kämpft um Comeback

Ein strahlendes Lächeln, den Kopf triumphierend zurückgeworfen - so sieht jemand aus, der sich als Sieger fühlt. Die französische Sozialistin Ségolène Royal feiert ihr Comeback und genießt das sichtlich.

PARIS. Ihr neuer Stil – bunte Ethnoblusen statt klassischer Kostüme – lässt sie nicht nur zehn Jahre jünger wirken, er scheint auch zu überzeugen: Die 55-Jährige hat Chancen, neue Oppositionsführerin zu werden.

Die Anhänger der linken Parti Socialiste (PS) haben über sechs Leitanträge abgestimmt und sorgten dabei für eine Überraschung. Ségolène Royal lag mit ihrem Programm mit 29 Prozent vorn. Das hatte der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin niemand mehr zugetraut. Der Favorit, der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë, musste mit nur 25 Prozent eine Niederlage einstecken. Martine Aubry, Bürgermeisterin von Lille, lag gleichauf.

Die Abstimmung über den künftigen Kurs der Sozialisten in der Nacht zu Freitag war allerdings nur die erste Etappe im Rennen um die Parteispitze. Eine Mehrheit muss möglichst noch vor dem Parteitag vom 14. bis 16. November in Reims gebildet werden. Am 20. November wird dann die Parteibasis entscheiden.

Bereits im vergangenen Jahr im Präsidentschaftswahlkampf gegen Nicolas Sarkozy war Royal eine Figur, die herausstach. Ihr Image als charismatische Alleingängerin hat sie gepflegt. Ihre wenigen Auftritte, die stets an eine One-Woman-Show erinnern, bei der sich Theater und Politik mischen, locken die Massen an.

Royal steht für "Veränderung" des alten Parteiapparates. Im Laufe der Finanzkrise gewann ihre Kritik an Schärfe, als sie das alte sozialistische Modell ihre Partei als "überholt" bezeichnete. Sie will ihre Partei von Grund auf erneuern und wünscht sich auch neue Gesichter in der Führungsriege. Beides stößt viele etablierte Genossen vor den Kopf.

Seit langem ist die wichtigste französische Linkspartei in einem desolaten Zustand. Das wurde bei der Abstimmung über die Leitanträge deutlich. Der zurücktretende Parteichef François Hollande, ehemaliger Lebensgefährte von Royal und Vater ihrer vier Kinder, hatte sich für Bertrand Delanoë eingesetzt. Als Royal vorn lag, wies er darauf hin, dass sie "noch lange nicht die Mehrheit hat".

Bisher ist nicht klar, wie die Lö-sung aussehen könnte - schließlich hat keiner der Anwärter auf die Nachfolge von Hollande eine Mehrheit erzielt. Die Abstimmung hat nur bestätigt, dass es keine unbestrittene Führungsfigur gibt. Die Beteiligung bei der Befragung der 233 000 Mitglieder lag bei gerade einmal 55 Prozent.

Eine Mehrheit zu schaffen könnte schwierig werden, zumindest für Ségolène Royal. Prominente Parteimitglieder, wie Ex-Premierminister Michel Rocard kündigten sogar an, aus der Partei auszutreten, sollte sie das Rennen machen. Um nicht zu brüskieren, hat sie noch nicht einmal ihre Kandidatur für das Amt des Parteichefs angekündigt. Sie sagte nur: "Das Ergebnis der Abstimmung gibt mir Legitimität. Ich bin eine der Führerinnen der PS, aber niemand schafft es allein." Trotz der Zurückhaltung steht eines fest: Niemand zweifelt daran, dass Royal in vier Jahren beim nächsten Präsidentschaftswahlkampf wieder antreten will.

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