Frankreichs Staatspräsident in London
Blair und Chirac demonstrieren Harmonie

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac und der britische Premierminister Tony Blair haben bei einem Treffen in London trotz ihrer Differenzen wegen des Irak-Kriegs Geschlossenheit demonstriert.

HB LONDON. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz unterstrich der britische Premierminister Tony Blair die einmütige Haltung zu Themen wie der Armut in Afrika, dem Klimawandel und selbst Europa, das oftmals Anlass zu Streitigkeiten zwischen Frankreich und Großbritannien gegeben hat. Chirac sagte, Paris werde diese Prioritäten „aktiv unterstützen“. „Wo Differenzen bestehen, sollten diese im Geist der Solidarität und nicht im Konflikt beigelegt werden,“ sagte Chirac. Beobachter erklärten, selten hätten sie Chirac und Blair so gelöst erlebt.

Bei dem Treffen soll das 100-jährige Bestehen des Abkommens zur französisch-britischen Zusammenarbeit „Entente Cordiale“ einvernehmlich begangen werden, das die Grundlage für die spätere Waffenbrüderschaft im Ersten Weltkrieg legte.

In der Einschätzung der Entwicklung im Nahen Osten demonstrierten Blair und Chirac Übereinstimmung. Israelis und Palästinenser sollten nach dem Tod von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat wieder zusammengebracht werden. Blair hatte den wiedergewählten US-Präsidenten George W. Bush erst kürzlich gedrängt, das Thema zu seiner persönlichen Priorität zu machen. „Was wirklich eine Rolle spielt, ist, dass wir jetzt und in Zukunft gemeinsam handeln,“ sagte Chirac. Er fügte hinzu, Afrika und der Klimawechsel seien „zwei der wichtigsten Fragen, die wir für die Zukunft der Welt angehen müssen.“ Chirac und Blair wiesen zudem auf ihre enge Zusammenarbeit bei Themen wie Afghanistan, dem Iran und dem Balkan hin.

Chirac bekräftigte jedoch seine Einschätzung, dass der Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein die Welt nicht sicherer gemacht habe. Nach der Invasion des Irak habe es einen Anstieg des Terrorismus gegeben. „Ich bin ganz und gar nicht sicher, ob man sagen kann, dass die Welt sicherer ist“, hatte er bereits vor seinem Besuch dem britischen Sender BBC gesagt und damit für Verärgerung hinter den Kulissen im politischen Machtzentrum in London gesorgt. Blair ist Bushs wichtigster Verbündeter in dessen Kampf gegen den Terrorismus. Beide Politiker hatten immer wieder betont, die Welt sei nach dem Waffengang im Irak sicherer geworden.

Beobachter hatten vor dem Treffen die Chancen für eine Annäherung zwischen Blair und Chirac als gering eingeschätzt. „Die Chemie zwischen diesen beiden Männern ist so schlecht, dass ich nicht allzu viel erwarte“, sagte Steven Everts vom Think Tank Centre for European Reform.

Für den Abend stand ein Empfang bei Königin Elizabeth II. auf Schloss Windsor auf der Tagesordnung. Die britischen Gastgeber gaben sich alle Mühe, ihrem Gast unangenehme Erinnerungen zu ersparen. So war für eine Aufführung des Musicals „Les Miserables“ im königlichen Schloss eigens das „Waterloo Chamber“ vor Chiracs Besuch in „Musik-Zimmer“ umbenannt worden. Dem französischen Präsidenten bleibt es so erspart, an die Niederlage Napoleon Bonapartes 1815 in Waterloo erinnert zu werden.

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