Französischer Ex-Präsident
Sarkozy verpatzt seine Rückkehr in die Politik

Es sei die Sorge um das Land gewesen. So stellt Nicolas Sarkozy bei einem TV-Auftritt nun die Hintergründe seiner jüngsten Offensive dar. Frankreichs Ex-Präsident wirkt gealtert, konkrete Antworten bleibt er schuldig.
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ParisRund ein Jahr hat Nicolas Sarkozy sich auf diesen Tag vorbereitet: Am Sonntagabend hatte er seinen ersten großen Fernsehauftritt, um seine Rückkehr in die nationale Politik zu begründen. „Wenn ich sehe, wie das Land abdriftet, wie die Franzosen leiden, an der Politik zweifeln, dann stelle ich fest: Ich habe keine andere Wahl als mich für Frankreich einzusetzen.“ sagte der im Mai 2012 abgewählte Konservative. Diese Aussage hatte er schon mehrmals von seinen Spin Doktoren verbreiten lassen. Am Sonntag erwartete man den völlig neuen, geläuterten Sarkozy – und wurde enttäuscht: Auf dem Bildschirm erschien ein etwas müder Klon des früheren Energiebündels.

Mit Spannung wurde sein Auftritt zur besten Sendezeit in den 20 Uhr-Nachrichten des staatlichen Senders France 2 erwartet. Am Freitag hatte Sarkozy bereits auf seiner Facebook-Seite seine Rückkehr angekündigt, die Begründung, eine selbstkritische Einordnung seiner fünfjährigen Amtszeit und vor allem sein neues politisches Projekt hatte er für Sonntag in Aussicht gestellt. Doch nichts von beidem lieferte er. „Die Franzosen sind enttäuscht von der Politik, sie haben kein Vertrauen mehr in die Politiker“, dozierte der Ex-Präsident im Studio. „Aber sie haben vielleicht auch kein Vertrauen mehr in Sie, Sie waren fünf Jahre Präsident, zehn  Jahre in der Regierung, warum sollten die Franzosen nun etwas von Ihnen erwarten, was Sie in den vergangenen Jahren nicht geliefert haben?“ fragte der Moderator.

Statt an dieser Stelle sein politisches Credo vorzutragen, wich Sarkozy aus: „Ich habe nie gelogen, Franҫois Hollande hat im Wahlkampf eine ganze Litanei von Lügen verbreitet, ich nicht“. Noch kurz vor der Sendung hatte der Politiker verlauten lassen, er habe sich „völlig neu erfunden“, werde Frankreich sammeln und „den überholten Gegensatz zwischen Links und Rechts überwinden“. Statt diese Formeln in der Sendung mit Leben zu füllen, wiederholte der mit der Sängerin Carla Bruni verheiratete Politiker seine Sentenzen. „Die Franzosen sind den Gegensatz von Links und Rechts leid, der nichts mehr aussagt“, gab er zum Besten. Was aber will er an die Stelle setzen? Man erfuhr es nicht.

Konkret wurde Sarko nur an zwei Stellen. Die eine betraf das Verhältnis zu Deutschland. „Man kann vom Klassenbesten nicht verlangen, etwas weniger gut zu sein, damit es den anderen besser geht“, stellte er fest und bezog sich damit indirekt auf Kritik an den deutschen Exportüberschüssen. „Aber wir brauchen eine für ganz Europa taugliche Wirtschaftspolitik, es hat keinen Sinn, die Inflation bekämpfen zu wollen, wenn es keine Inflation mehr gibt“, kritisierte er dann indirekt die deutsche Haltung.

Konkret Stellung bezog Sarko auch, als er gefragt wurde, wie die Franzosen denn wieder Vertrauen in die Politik fassen sollen: „Ich bin überzeugt, dass wir viel mehr Referenden brauchen, auf diese Art kann das Volk direkt Stellung nehmen“. Das allerdings ist eine Idee, die schon vor 30 Jahren zu Zeiten von Präsident Franҫois Mitterrand mit allem Für und Wider erwogen wurde. Wirklich zünden dürfte sie im Jahre 2014 nicht mehr.

Doch so verblüffend es nach der wochenlangen Vorbereitung dieses Comebacks auch erscheinen mag: Viel mehr erfuhr man nicht von Sarkozys „völlig neuem Konzept“. Getroffen zeigte der Ex-Präsident sich bei der Frage nach seiner komplett überschuldeten Partei. „Die hat 76 Millionen Euro Schulden, wie wollen Sie davon runterkommen“, frage der Moderator. Sarkozy flüchtete wieder ins Ungefähre und zugleich Großsprecherische: „Wir werden eine solche Dynamik und Begeisterung entfachen, dass dieses Problem in wenigen Monaten erledigt sein wird.“ So einfach geht das im Wunderland des Mannes, der zunächst die konservative Partei und dann, 2017, das Land erobern will. Wer ihn am Sonntagabend erlebte, fragt sich jedoch, ob dieser manisch von sich selbst überzeugte, aber penetrant im politischen Irgendwo bleibende Ex-Präsident wirklich ein Rezept hat, um wieder eine führende Rolle zu spielen. Macht verschleißt die, die sie nicht haben, hat Italiens Dauer-Ministerpräsident Giulio Andreotti einmal zynisch festgestellt. Sarkozy wirkte am Sonntag wie eine Verkörperung dieser Beschreibung.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Französischer Ex-Präsident: Sarkozy verpatzt seine Rückkehr in die Politik"

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  • Naja, immerhin ist Sarkozy ein Freund Merkels- Würde der Typ zurück in die Politik kommen, könnte Merkel sich glücklich schätzen

  • Sarkozy nach Hollande? Vom Regen in die Traufe!

  • Okay.

    Bleibt die Frage, ob er die angerichtete Suppe überhaupt auslöffeln sollte. Darüber scheint noch Unklarheit zu bestehen.
    Gleichwie: darauf zu hoffen, dass die Suppe kalt ausgelöffelt besser schmecken könnte: zugegeben, das könnte Züge von Haute Cusine tragen - wäre da nicht der FN, der mit bitterem Salz aufzuwarten haben könnte.
    Hollande fällt auf die Füsse, dass er selbst ggf vom damaligen Wahlausgang überrascht gewesen sein könnte.
    Anders ließen sich die ganzen Fragezeichen jedenfalls nicht erklären, in denen die Hollande-Admin herumzuturnen scheint.

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