Freitag offzielle Feierstunde für Lindh
Suche nach Lindh-Mörder ausgeweitet

Die schwedische Polizei hat bei ihrer Suche nach dem Mörder von Anna Lindh ihre Fahndung ausgeweitet. Sie sucht nun auch im Ausland nach dem Mann, der von einer Überwachungskamera in jenem Kaufhaus, in dem die Außenministerin erstochen wurde, aufgenommen wurde. Ansonsten konzentrieren sich die Hoffnungen derzeit auf eine entdeckte DNA-Spur. Die Polizei dementierte zugleich Presseberichte, wonach ihr der Name des Mannes inzwischen bekannt ist.

HB STOCKHOLM. „Es ist nicht sicher, dass er sich im Inland aufhält“, sagte der des Chef der Stockholmer Fahndungsgruppe, Leif Jennekvist, am Montag über den Täter. „Aber es ist nicht sicher, dass er das Land verlassen hat.“ Bilder eines im Zusammenhang mit dem Attentat gesuchten Mannes seien an die Internationale Polizeibehörde Interpol geschickt worden. Von einer am Tatort zurückgelassenen Kappe des mutmaßlichen Täters sei eine DNA-Probe gewonnen worden, für die jedoch keine Übereinstimmung in schwedischen Datenbanken gefunden worden sei. Nun könnten auch ausländische Datenbanken hinzugezogen werden.

Die Stockholmer Zeitung „Aftonbladet“ hatte zuvor in ihrer Internet-Ausgabe unter Berufung auf einen Beamten der Fahndungsgruppe berichtet, der mutmaßliche Mörder sei identifiziert. Es handele sich um einen polizeilich bekannten Mann, der als Messerstecher bereits mehrfach vorbestraft sei. Die Polizei sei sicher, dass er sich in stockholm aufhalte. die Zeitung zitierte einen Fahnder mit den Worten: „Ich glaube, wir werden ihn innerhalb von zwei Tagen haben.“ Doch nach Angaben von Jennekvist hat die Polizei auch nach Veröffentlichung von Fahndungsfotos mit dem Gesicht des Hauptverdächtigen dessen Namen nicht ermittelt. Er bestritt den Zeitungsbericht ausdrücklich.

Die Stockholmer Polizeichefin Carin Götblad wandte sich am Montag wegen der weiter ausgeblieben Fahndungserfolge mit einem Appell an die Bevölkerung und bat um neue Hinweise auf „auffällige Personen, die vielleicht etwas außerhalb stehen“. Sie sagte weiter: „Wir wollen uns nicht auf einen zu engen Personenkreis bei der Suche nach dem Täter festlegen.“

Auch mehrere andere offizielle Angaben zum Stand der Suche nach dem Täter vermittelten den Eindruck einer nicht sehr weit gediehenen Fahndung. So habe die Veröffentlichung der Fotos aus dem NK-Kaufhaus, in dem die 46-jährige Lindh am Mittwoch niedergestochen wurde, deutlich weniger Hinweise gebracht als erhofft. Auch verfüge die Polizei nicht, wie in Medien gemeldet, über Blutspuren des Täters von einer angeblichen Handverletzung. Das Tatmesser soll zu genauen Analysen möglicher DNA-Spuren zu britischen Spezialisten geschickt werden. Fingerabdrücke waren darauf nicht zu finden.

Jennekvist betonte, dass der Mann auf einem von der Polizei verteilten Bild einer Überwachungskamera nicht notwendigerweise der Täter sein müsse. „Wir sagen nicht, dass der Mann auf den Fotos der Mörder ist“, sagte er. „Wir wollen mit ihm sprechen ... das hat eine sehr hohe Priorität.“ Der Täter sei vielleicht kein Schwede. Der Attentäter ist als etwa 30 Jahre alter Mann mit dunklen Haaren beschrieben worden.

Jennekvist sagte dennoch vor Journalisten, die Fahndung verlaufe „gut und planmäßig“. Dem widersprachen in Medien zunehmend juristische Experten und verwiesen darauf, dass die große Mehrzahl von Morden in Schweden entweder sehr schnell oder gar nicht aufgeklärt wird. Der Anwalt Leif Silbersky erklärte im Rundfunk: „Die Bevölkerung erwartet ganz einfach, dass dieser Mord schnell aufgeklärt wird.“

Er kritisierte die nach erheblichem Zögern der Polizei erfolgte Veröffentlichung von Fotos mit dem Gesicht des Hauptverdächtigen. Dies könne seine Identifizierung durch Zeugen in einem späteren Verfahren juristisch wertlos machen, wie dies schon nach dem Attentat gegen den früheren schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme 1986 der Fall gewesen sei. Der Palme-Mörder ist bis heute nicht überführt.

Neben dem privaten Begräbnis für die ermordete Außenministerin im Kreis ihrer Familie plant die sozialdemokratische Partei Schwedens für Freitag (11.00 Uhr) eine offizielle Trauerfeier mit 1200 Gästen aus aller Welt. Über den Teilnehmerkreis wurden noch keine Angaben gemacht.

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