Fremdenhass
Italiens unbeliebte Gäste

Eine Welle von Fremdenhass gegen rumänische Einwanderer schwappt durch Italien: Viele Bürger machen die „Glückssucher“ für steigende Kriminalitätsraten und Gewaltverbrechen verantwortlich. Dass ihr Land längst vom Aus- zum Einwanderungsland geworden ist, wollen viele Italiener nicht wahrhaben – der EU-Erweiterungsschock.

ROM. Giovanna Reggiani ließ ihr Leben für ihre Handtasche. Die 47-jährige Ehefrau eines Offiziers der Marine war auf ihrem Heimweg von der spärlich beleuchteten Bahnstation Tor di Quinto im Norden Roms, als sie überfallen, ausgeraubt und sexuell missbraucht wurde. Wenig später erlag sie im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Italiens Staat schlug im Morgengrauen zurück. Innerhalb weniger Stunden hatten drei Bulldozer – beschützt von einer ganzen Kolonne silbernen Polizeifahrzeuge – ein Wellblech-Camp rumänischer Einwanderer in Tor di Quinto dem Erdboden gleichgemacht. Die Bewohner vegetierten hier ohne Wasser und Strom. Sie ahnten wohl, was sie erwartete: Am Abend zuvor bereits hatten sie ihr Lager verlassen.

Sie wussten: Hauptverdächtiger für den Mord an Giovanna Reggiani ist ein rumänischer Staatsbürger, der zuvor mit ihnen in jener Wellblech-Siedlung lebte. Und Rumänen sind in Italien derzeit die vielleicht unbeliebtesten Gäste. Denn Italien erlebt einen EU-Osterweiterungsschock.

Seit Beginn des Jahres ist Rumänien EU-Mitglied, und die nun geltende Freizügigkeit zieht viele Rumänen auf der Suche nach einer besseren Zukunft nach Bella Italia: Das ist nicht so weit von daheim wie Großbritannien oder Deutschland, die italienische Sprache fällt ihnen leicht – und Branchen wie Italiens Bauindustrie freuen sich über die billigen Arbeitskräfte, die sich oft schon mit einem Stundenlohn von zwei Euro zufriedengeben müssen.

Doch weil unter den Zehntausenden rumänischen Glückssuchern auch nicht wenige Kriminelle zu sein scheinen, sind die neuen Einwanderer verhasst und haben eine neue Debatte über Italiens Einwanderungspolitik entfacht. Italien wird vom Auswanderungs- immer mehr zum Einwanderungsland –, und die Italiener gewöhnen sich nur schwer an so manchen neuen Mitbürger.

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