Friedensnobelpreis heizt Spekulationen an
Mancher sieht Gore schon im Weißen Haus

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an den ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore und den UN-Klimarat und damit erstmals an Vorkämpfer des Klimaschutzes. Das Weiße Haus äußert sich offiziell „natürlich erfreut“. Die Auszeichnung Gores befeuert aber auch die Spekulationen um seine mögliche Kandidatur bei den US-Präsidentschaftswahlen.

HB OSLO/WASHINGTON. Gore sei die Einzelperson, die weltweit wahrscheinlich am meisten Verständnis für den Kampf gegen den Klimawandel erreicht habe, erklärte das Nobelpreis-Komitee in Oslo am Freitag. Zugleich hätten die rund 2500 Wissenschaftler des Uno-Rates dafür gesorgt, dass eine immer breitere Öffentlichkeit den negativen Einfluss des Menschen auf den Klimawandel verstehe. „Es muss jetzt gehandelt werden, bevor der Klimawandel der Kontrolle des Menschen entgleitet“, hieß es in der Würdigung des Komitees. Es warnte vor der wachsenden Gefahr von Konflikten, falls die Versteppung von landwirtschaftlichen Flächen und die Überflutung von Küstengebieten nicht gestoppt werde.

Es ist das erste Mal, dass die wichtigste politische Auszeichnung des Jahres an Klimaschützer geht, wenngleich vor drei Jahren die Umweltaktivistin Wangari Maathai aus Kenia geehrt wurde. Der Demokrat Gore gilt in den USA zugleich als schärfster Kritiker der Klimapolitik des republikanischen Präsidenten George W. Bush, der sich nicht an internationalen Quoten für eine Reduzierung der klimaschädlichen Gase beteiligen will. Zu Spekulationen, Gore werde sich nun doch noch um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei für die Wahl in einem Jahr bewerben, äußerte sich der 59-Jährige am Tag der Verleihung zunächst nicht.

Für den US-Wahlkampf wird der Friedensnobelpreis für Gore nach Einschätzung von Experten und Kommentatoren jedoch kaum Folgen haben. Zwar wächst aus dem liberalen und grünen Lager der Druck auf Gore, nach der bitteren und umstrittenen Niederlage 2000 erneut um das Weiße Haus zu kämpfen. Tatsächlich scheint Gore die Präsidentschaft nicht mehr im Visier zu haben. „Wenn Gore in den Wahlkampf eintritt, fresse ich mein Taschenbuch „eine unbequeme Wahrheit““, schrieb „Time“-Kolumnist und Gore-Experte Eric Pooley. Der „Kampf für die Rettung des Planeten“ erhebe Gore in „höhere Sphären“, ein Wahlkampf würde ihn in die Niederungen der Politik zwingen, analysierte Pooley. „Außerdem würde er sein hart gewonnenes Glück gefährden.“

„Hillary Clinton schlägt sich bisher so gut, es gibt bei den Demokraten kein Bedürfnis nach einem neuen Kandidaten“, meint auch der Politologe John Fortier vom neokonservativen Politikinstitut AEI in Washington. Ohnehin spiele der Nobelpreis für Gore in den USA keine große Rolle, „nicht mal bei den Demokraten“. Bei Konservativen und der religiösen Rechten nähre der Preis „höchstens das Misstrauen gegenüber internationalen Institutionen, die oft anti-amerikanisch sind und den USA vorschreiben wollen, was politisch richtig und falsch sei“, sagte Fortier. Die republikanischen Strategen in den Wahlkampfzentralen würden im überwiegend konservativen Amerika ohnehin wohl darauf spekulieren, ein leichtes Spiel mit einem Mann zu haben, dem das in ihren Augen anrüchige Hollywood einen Oskar zusprach und nordeuropäische Juroren den Nobelpreis.

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