„Frühjahrsoffensive“
Kämpfe in Kabul gehen ohne Pause weiter

Die Taliban haben ihren Großangriff in der Nacht weitergeführt. Auch am Morgen waren Schüsse und Explosionen zu hören. Es scheint als hätte die angekündigte „Frühjahrsoffensive“ begonnen.
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Islamabad/Kabul/Neu DelhiIn der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Montagmorgen erneut Explosionen und Gewehrfeuer zu hören gewesen. Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums erklärte, ein Aufständischer habe sich in einem Gebäude im Stadtzentrum verschanzt.

Die Gefechte hatten am Sonntag in Kabul und drei östlich gelegenen Städten begonnen. Die Taliban hatten Botschaften, Regierungsgebäude und NATO-Stützpunkte angegriffen. Dabei waren ein Polizist und mindestens 17 Extremisten getötet worden.
„Zwei Angreifer kämpfen in der Nähe des Parlaments gegen die Sicherheitskräfte und drei Angreifer sind in einem Gebäude im Bereich Wasir Achbar Khan“, einem hoch gesicherten Diplomatenviertel. Dort befindet sich auch die deutsche Botschaft, wo es bei dem Angriff am Morgen zu leichten Schäden gekommen war.
Fünf Angreifer und zwei Polizisten wurden dem Polizeisprecher zufolge getötet. Dazu kämen zehn verwundete Polizisten. Das Innenministerium sprach von mindestens 19 getöteten Aufständischen.
Außer an sieben Stellen in Kabul griffen die Aufständischen Ziele in Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, in Pul-e-Alam, der Hauptstadt der Provinz Logar, und in Gardes, der Hauptstadt der Provinz Paktia, an. In Dschalalabad schlugen Isaf-Soldaten einen Angriff auf eine Militärbasis zurück.

Im vergangenen September war der afghanische Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani ermordet worden, als er eine Aussöhnung mit den Taliban herbeiführen wollte. Am Samstag wurde sein Sohn Salahuddin Rabbani zu seinem Nachfolger im Vorsitz des Hohen Friedensrates (HPC) bestimmt. Vize-Präsident Marshal Fahim sagte dazu, man dürfe nicht aufhören, der „bewaffneten Opposition“ die Hand zu reichen. Diese Hand schlugen die Taliban am Sonntag ein weiteres Mal aus. Sie verkündeten den Beginn ihrer Frühjahrsoffensive - und unterstrichen das mit spektakulären Kommandooperationen.

In einer offenbar koordinierten Aktion griffen Aufständische am Sonntag Regierungsgebäude, Botschaften und Militärstützpunkte in mehreren Städten des Landes an. Im Kabuler Diplomatenviertel Wasir Akbar Chan waren über zehn Explosionen und schweres Maschinengewehrfeuer zu hören. Neben einem Stützpunkt der NATO-Truppen befinden sich in dem Stadtteil zahlreiche Botschaften, darunter auch die deutsche. Rauch stieg aus einigen Gebäuden auf, Sirenen waren zu hören.

Bei den Angriffen seien mindestens fünf Menschen verletzt worden, sagte der Leiter der Kabuler Krankenhäuser, Kabir Amir. Die NATO teilte in einer Stellungnahme mit, allein in Kabul befänden sich sieben Einrichtungen unter Beschuss.

Auch die deutsche Botschaft geriet unter Beschuss. Die Diplomaten mussten Schutz im Bunker suchen, sie blieben unversehrt. „Alle Botschaftsangehörigen sind an einem sicheren Ort“, sagte Westerwelle. Der Anschlag werde keine Konsequenzen für das deutsche Vorgehen in dem Land haben, die Regierung werde an ihrer Afghanistan-Politik festhalten: „Wir werden der Gewalt der Terroristen nicht nachgeben“, sagte Westerwelle. An dem Gebäude, das schon Anfang 2009 bei einem Selbstmordanschlag vor dem Areal erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden war, entstand geringer Schaden. Einige Geschosse schlugen ein. Über die diplomatische Vertretung knatterten Maschinengewehr-Salven hinweg. Die Aufständischen setzten auch Panzerfäuste ein.

Neben zahlreichen Botschaften befindet sich in dem Stadtteil auch ein Stützpunkt der NATO-Truppen. Rauch stieg aus einigen Gebäuden auf, Sirenen waren zu hören. Unter anderem waren in der Nähe der US-Botschaft mehrere schwere Explosionen und Schüsse zu hören. Die US-Botschaft löste Alarm aus und forderte ihre Mitarbeiter auf, sich in Sicherheit zu bringen. Mehrere Kämpfer drangen nach offiziellen Angaben außerdem in das Parlament in Kabul ein, es wurde eine Rakete auf das Gebäude abgeschossen. Zudem sei die russische Botschaft angegriffen worden.

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu den Angriffen. Mehrere Selbstmordattentäter hätten NATO-Stützpunkte, Wohnsitze von Diplomaten und das Parlament angriffen, hieß es in einer Erklärung, die der AP vorlag.

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  • wäre ich dort ein Einheimischer in Afghanistan, würde ich auch mit Waffen gegen die Besatzer, vertreten durch Spastköpfe wie Westerwellen und Co, kämpfen!

    ich glaube, die eigene deutsche Bevölkerung hätte auch schon längst den Reichstag gestürmt, wenn hier nicht so ein scharfes Waffenrecht gelten würde!

  • Deutsche haben in diesen Ländern nichts zu suchen. Und wenn sie dort eindringen, dann haben sie die Klappe zu halten, wenn sie Verluste erleiden, und nicht zu jammern!

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