Fusionen in Frankreich
In Frankreich niemals ohne BB

Wollen Frankreichs Konzerne fusionieren wie heute Suez und Gaz de France, müssen sie vorher meist Bruno Bezard fragen. Der Finanzbeamte verwaltet die Industriebeteiligungen des Staates. Was er will? Rendite, Rendite, Rendite.

PARIS. Von manch großem Deal bleibt nur eine kleine Plastik-Trophäe. In Frankreichs Finanzministerium in Paris füllen die Fusions-Pokale eine ganze Glasvitrine. "Mai 2005: Sagem und Snecma fusionieren zu Safran" steht in schwarzen Lettern unter einem roten Mobiltelefon, das in Plexiglas eingefasst ist. Daneben verstaubt ein weiteres Plastik-Denkmälchen - es erinnert an den Börsengang von Gaz de France im Juli 2005. Stifter der Kunstoffklötze sind die beteiligten Banken wie Lazard, Société Générale, Calyon oder Merrill Lynch.

Die Investmentbanker haben die Deals durchgezogen. Ausgeheckt hat sie ein anderer. Die Vitrine mit den Plastikdevotionalien steht im Gebäude "Colbert" des französischen Finanzministeriums, fünfte Etage, Zimmer 5262 D. Unter dem Fenster fällt der Blick auf die stark befahrene Straße draußen, drinnen residiert Bruno Bezard, einer der unbekanntesten unter den mächtigsten Männern Frankreichs.

Der Spitzenbeamte mit der kräftigen Statur und der schmalen Metallbrille ist Frankreichs oberster Investmentbanker. Sein Chef ist Präsident Nicolas Sarkozy. Bezard leitet die "Agence des participations de l'Etat", kurz APE. Sie verwaltet die Unternehmensbeteiligungen des französischen Staates. Die Liste reicht von Air France über den Stromriesen EDF und die Pariser Verkehrsbetriebe RATP bis hin zum Rüstungsriesen Thales. Gesamtwert des Portfolios: über 160 Milliarden Euro (siehe: Die Frankreich AG). Wenn heute die Aktionäre des Versorgers Suez und die von Gaz de France (GDF) auf zwei Hauptversammlungen die vor zwei Jahren beschlossene Fusion endlich besiegeln, wird ein Deal vollzogen, den die APE bereits vor Jahren durchgerechnet hat.

Die Beteiligungen des Staats "verwalten" - das hört Bezard gar nicht so gern. Denn das war gestern. Das klingt so passiv. Bezard und seine 52 Mitarbeiter greifen aktiv in das Geschehen von Frankreichs Großkonzernen ein, wie Fondsmanager, nur mit Staatsauftrag eben. "Ich verbringe sehr viel Zeit damit, die Zukaufspläne der Unternehmen unseres Portfolios zu prüfen", sagt Bezard vielsagend. Sein Ziel: möglichst hohe Renditen für den Aktionär Staat.

Wenn damit auch zugleich noch französische Unternehmen vor übergroßem ausländischem Appetit geschützt werden können - umso besser.

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