G20-Gipfel
Die seltsame Putin-Show

Ein Foto geht um die Welt: Der russische Staatschef Putin hat sich auf dem G20-Treffen geschickt inszeniert. Er ließ sich im Gespräch mit US-Präsident Obama ablichten. Doch wie viel Inszenierung steckt in diesem Bild?

BelekDer Mann schaut etwas beschämt in die Kamera, die offenbar in der Ecke einer Hotellobby steht. Er weiß offenbar nicht so genau wohin. Überall sind Männer und Frauen in Anzügen und Kostümen, regelmäßig laufen sie durchs Bild.

Der Mann hält ein Smartphone in der Hand und blickt ständig über seine Schulter, auf einen kleinen Tisch. Dort sitzen zwei Männer, angeregt ins Gespräch vertieft, begleitet nur von zwei Dolmetschern: Barack Obama und Wladimir Putin.

Das Video, das der russische Staatssender Russia Today am Montag ins Internet stellte, soll sicher kein Schnappschuss sein. Offenbar gezielt bereitete der Kreml die Welt auf das vor, was nun allen klar ist: Putin ist nicht mehr isoliert, Russland zurück auf der Weltbühne.

So setzten sich Obama und Putin nach Angaben von Nachrichtenagenturen auf Sesseln in einer Ecke des Tagungshotels im türkischen Luxusferienort Belek zusammen, um den Fahrplan für eine Friedenslösung in Syrien unter Vermittlung der Vereinten Nationen genauer abzustecken.

Ein Vier-Augen-Gespräch, das noch beim G20-Gipfel vor einem Jahr im australischen Brisbane unmöglich schien. Da diskutierten noch alle darüber, wie unwillkommen sich Russland im Ukraine-Krieg verhält. Jetzt ist Putin nicht mehr Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.

Die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer haben sich auf ein gemeinsames Vorgehen gegen den Terror geeinigt. Beim G20-Gipfel in Antalya hatten sie am Montag beschlossen, die Terroristen von ihren Geldquellen abzuschneiden, mehr Geheimdienstinformationen untereinander zu teilen und die Grenzen Europas schärfer zu kontrollieren. Die Gipfelteilnehmer seien sich einig, dass militärische Mittel allein nicht ausreichten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Seit 2008 standen die Staats- und Regierungschefs nicht mehr so nah beieinander wie bei dem Gipfel in der Türkei – unter dem Druck des Terrors von Paris. „Trotz ihrer Unterschiedlichkeit wissen die Mitglieder, dass sie in einer Welt, in der alle gegenseitig voneinander abhängig sind, ein gemeinsames Schicksal verbindet und dass sie zusammenarbeiten müssen“, sagte John Kirton, Chef der G20-Forschungsgruppe an der Universität von Toronto.

Putin sagte dann auch ganz offen, er hoffe weiter auf eine große internationale Koalition gegen den Terrorismus in Syrien. „Ich glaube, es ist nicht nur möglich, sondern nötig, eine solche Koalition zu schaffen“, sagte er nach Agenturberichten.

Der russische Präsident kam auch zu einem separaten Treffen mit Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi und dem britischen Premier David Cameron zusammen. Putin und Cameron betonten danach, dass die zivilisierte Welt im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an einem Strang ziehen müsse. „Die jüngsten tragischen Ereignisse in Paris zeigen, dass wir unsere Kräfte im Kampf gegen dieses Böse vereinen müssen – etwas, das wir schon vor langer Zeit hätten machen sollen“, sagte Putin.

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