G7-Krisengipfel
„Russland muss für sein bisheriges Handeln bezahlen“

Erstmals seit 1998 schrumpft die Runde der acht führenden Wirtschaftsnationen der Welt auf sieben: Russland ist nicht eingeladen. Die G7 unter US-Präsident Obama kündigt „zunehmend bedeutsame“ Sanktionen an.
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Den Haag/KiewWegen der Krim-Krise haben die führenden Industrienationen erstmals seit der Aufnahme Moskaus 1998 Russland aus ihrem Kreis ausgegrenzt. Als G7 anstatt als G8 kamen die Staats- und Regierungschefs unter der Regie von US-Präsident Barack Obama am Montag in Den Haag zu einem Krisentreffen zusammen.

„Wir sind einig darin, dass Russland für sein bisheriges Handeln bezahlen muss“, sagte Obama vor Beginn eines Gipfels für nukleare Sicherheit, an dessen Rand die G7-Runde stattfand. Weitergehende Sanktionen würden enorme Folgen für die russische Wirtschaft haben. Kremlchef Wladimir Putin zeigte sich unbeeindruckt und schuf auf der Krim weiter Fakten.

In einer gemeinsamen Erklärung kündigte die G7-Gruppe zugleich an, dass die G8-Gruppe unter Einschluss Russlands bis auf weiteres nicht mehr arbeiten wird. „Diese Gruppe kam wegen gemeinsamer Überzeugungen und Verantwortlichkeiten zusammen“, heißt es. „Russlands Handeln in den vergangenen Wochen ist damit nicht in Einklang zu bringen.“

„Wir setzen unsere Teilnahme in der G8 aus, bis Russland seinen Kurs ändert und das Umfeld wieder für eine sinnvolle Diskussion der G8 bereit ist“, heißt es in der Erklärung. Man sei bereit, die Sanktionen gegen Russland „einschließlich koordinierter sektoraler Sanktionen“ zu verschärfen. Dies werde „zunehmend bedeutsame Folgen für die russische Wirtschaft“ haben. Kanzlerin Merkel sagte: „Im Augenblick gibt es G8 nicht – weder als konkreten Gipfel noch als Format.“

Folgerichtig beschloss die Gruppe deshalb, den für Juni geplanten G8-Gipfel in Sotschi abzusagen. Stattdessen werden sich die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen (G7) im Juni ohne Russland in Brüssel treffen, beschloss die Runde am Montag in Den Haag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Auch Reuters berichtete unter Berufung auf mehrere Diplomaten von der Absage des Gipfels.

Der Westen hatte die Vorbereitungen für den Sotschi-Gipfel bereits kurz nach der russischen Militäraktion auf der Krim ausgesetzt. Zu den G7 gehören die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada. Russland wurde nicht nach Den Haag eingeladen.

Auch der britische Premier Cameron schloss einen G8-Gipfel mit Russland aus. Der stellvertretende US-Sicherheitsberater Ben Rhodes sagte, für die G7-Länder gebe es keine Grundlage für die Zusammenarbeit mit Russland, solange es das Völkerrecht verletze. Nach Diplomaten-Angaben sollte es am Abend eine Erklärung der G7 geben, in der das russische Vorgehen verurteilt und Moskau vor weiteren Militäraktionen gewarnt wird. Beschlüsse über neue Sanktionen gegen Russland wurden nicht erwartet.

Kommentare zu " G7-Krisengipfel: „Russland muss für sein bisheriges Handeln bezahlen“"

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  • Man sollte die Geschichte der Sieger- bzw. Besatzer-Versionen nicht unreflektiert pausenlos wiederholen. Dadurch steigt der Wahrheitsgehalt nicht zwangsläufig an.
    Aber: Das was hier und heute und jetzt die NATO (also USA bzw. EUdSSR) veranstalten, ist IMPERIALISMUS PUR!!!
    Ich schäm' mich für meine Regierung (die ich nicht gewählt hab).

  • 19 Millionen Tote haben die Deutschen im 2. Weltkrieg auf sowjetischer Seite hinterlassen, die allermeisten davon Russen, und jetzt sind unsere schon wieder mit dabei.

  • Es wäre schön, hätte das HB mal die Meinung Chinas herausgearbeitet. Davon liest man leider nix. Stattdessen liest man nur, was die Amerikaner und ihr Anhängsel Merkel so von sich geben. Schade.

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