Gasmarkt
Putin: „Ära des billigen Gases ist vorbei“

Auf einem Forum der weltgrößten Gasexport-Länder hat sich Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin sichtlich gemüht, Gerüchte um die Gründung eines Gaskartells nach dem Vorbild der Opec zu zerstreuen. Zugleich stimmte er jedoch die Verbraucher in Europa auf dauerhaft hohe Gaspreise ein.

MOSKAU. „Die notwendigen Ausgaben für die Entwicklung von Gasfeldern steigen stark“, sagte der Regierungschef bei einer Rede auf dem Treffen Erdgas exportierender Länder am Dienstag in Moskau. „Das bedeutet natürlich, dass trotz aller gegenwärtigen Finanzprobleme die Ära billiger Energievorkommen, des billigen Gases, vorbei ist“, fügte er hinzu. Der russische Energieriese Gazprom liefert etwa ein Viertel des in der Europäischen Union benötigten Erdgases.

In Moskau sind die die wichtigsten Gasexportländer zusammengetroffen, um ihre Zusammenarbeit auszubauen. Im Forum Gas exportierender Länder (GECF) sind neben Russland und dem Iran zwölf weitere Staaten vertreten. Die Importeure von Erdgas befürchten, das GECF solle in Moskau zu einem Gaskartell nach dem Vorbild der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) umgebaut werden. Dies hatten die Forumsmitglieder bislang zurückgewiesen.

Russlands Regierungschef Wladimir Putin versuchte denn auch, die Zweifel der Kritiker zu zerstreuen, indem er sich gegen eine „Politisierung“ der internationalen Energiebeziehungen aussprach. „Die Interessen von Produzenten, Verbrauchern und Transitländern lassen sich nur durch klare und langfristige Beziehungen auf marktwirtschaftlicher Grundlage vereinen“, sagte Putin. Zuvor hatte Russland allerdings angesichts seiner Abhängigkeit von Gas- und Öl-Einnahmen bekräftigt, seinen politischen Einfluss auf den Energie-Märkten ausbauen zu wollen. Im Tagesverlauf wollen die Gasexportländer ein gemeinsames Statut verabschieden.

Die USA und die EU hatten bereits vor dem Treffen Bedenken geäußert, das neue Kartell könne – wie die Opec beim Öl – durch Absprachen Preise in die Höhe treiben. Energiekonzerne wie die deutsche Eon, die große Gasabnehmer sind, hatten sich gelassen zu den Plänen geäußert. Sie fürchten keine negativen Auswirkungen und verweisen auf bestehende Verträge.

Zu dem Treffen hat Russland nach früheren Angaben Algerien, Bolivien, Brunei, Ägypten, Indonesien, den Iran, Libyen, Malaysia, Nigeria, Trinidad & Tobago, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Venezuela eingeladen. Als Staaten mit Beobachter-Status sollten Norwegen und Äquatorial-Guinea dabei sein.

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