Gasstreit mit Russland
Nabucco-Pipeline droht endgültig zu scheitern

Mit neuen Gaslieferanten in Zentralasien will die EU ihre Abhängigkeit vom russischen Erdgas verringern. Doch Kasachstan und Aserbaidschan zeigen wenig Interesse an einer Kooperation mit dem Westen. Vor allem Russland macht Druck auf die dortigen Machthaber. Setzen die Russen sich durch, steht auch das europäische Pipelineprojekt Nabucco vor dem Aus.

BAKU / ATHEN. Mit großem Aufwand versucht die EU, durch neue Gaslieferanten in Zentralasien die Abhängigkeit von Russland zu verringern – doch mit geringem Erfolg. Bundeskanzlerin Angela Merkel versuchte am Freitag beim Besuch des turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdymuchammedow in Berlin nochmals, die wichtigen Lieferländer am Kaspischen Meer zu gewinnen. Zudem will die EU in ihrer neuen Energie-Strategie, die am Donnerstag vorgestellt wird, ein Einkäufer-Konsortium führender europäischer Energiekonzerne wie Eon, RWE, Eni und Gaz de France bilden lassen, um die Marktmacht der EU zu stärken und setzt unbeirrt auf neue Energiekorridore. Doch scheint Russland die Europäer erneut zu schlagen und das Erdgas seiner kaspischen Nachbarn selbst aufkaufen zu können – um es auf eigene Rechnung nach Europa zu liefern.

Damit stehen die Pläne des vom österreichischen Energiekonzern OMV geführten Konsortiums zum Bau der Nabucco-Pipeline vor dem Aus. Die Leitung, an der sich auch die Essener RWE beteiligen will, soll Erdgas aus Zentralasien durch die Türkei nach Europa bringen. Allerdings ist weiterhin vollkommen unklar, wer das Erdgas liefern soll. Aserbaidschan, einer der wichtigsten Öl- und Gas-Produzenten am Kaspischen Meer, will sein Erdgas an den vom Kreml kontrollierten Gasriesen Gazprom liefern. Das erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen und von westlichen Diplomaten in Baku. Gazprom habe Aserbaidschan angeboten, seine gesamte Gas-Exportmenge zum Preis von 300 Dollar je 1 000 Kubikmeter abzunehmen.

Offiziell verhandele Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew noch, heißt es. Doch Diplomaten ergänzen: Der Westen mache sich „keinerlei Vorstellungen, unter welchem Druck Alijew vom Kreml steht.“ So habe Russland mit dem Kaukasus-Krieg im August gezeigt, dass die USA in der Region ohne Einfluss seien und nur Moskau die Sicherheit der Pipelines garantieren könne. Über die bisher bestehenden und von BP geführten zwei Öl- und Gas-Pipelines (BTC und BTE) hinaus werde Baku keine weiteren Öl- und Gas-Ausfuhren an Russland vorbei abwickeln.

Seite 1:

Nabucco-Pipeline droht endgültig zu scheitern

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%