Gemeinsamer Ausstellungsbesuch
Merkel und Putin umschiffen Eklat

Zum Schluss waren es nur Terminprobleme, erklärt Russlands Präsident. Doch die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau sind belastet. Putins Besuch mit der Kanzlerin in der Beutekunst-Ausstellung kann das nicht verdecken.
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St. PetersburgEiszeit ist nicht, aber deutlich unterkühlt ist die Stimmung zwischen Wladimir Putin und Angela Merkel, als der russische Präsident und die deutsche Kanzlerin nach ihrem Auftritt  auf dem Petersburger Wirtschaftsforum vor die Presse treten. Mit finsterer Miene liest der Kremlchef vom Blatt ab: "Wir hatten konstruktive Gespräche."

Vorbei sind auch die Zeiten, wo man sich mit Vornamen ansprach. Beharrlich nennt Putin die angereiste Merkel „Frau Bundeskanzlerin“ und sie spricht einmal von „lieber Wladimir Putin“, sonst immer nur von „der russische Präsident“.

Immerhin der deutschen Wirtschaft ist Putin dankbar: sie zähle zu den führenden Investoren in seinem Land, Siemens baue die Schnellzüge für das Riesenreich und VW helfe beim Umbau der russischen Autoindustrie: Deutsche Technologie wird gebraucht für die Modernisierung unser Wirtschaft", lädt der russische Präsident zu mehr deutschem Engagement in seiner Heimat ein.

Die Kanzlerin spricht davon, dass sie viele Mittelständler kenne, die nach Russland wollten und dass der deutsch-russische Handel von derzeit 80 auf 100 Milliarden Euro jährlich gesteigert werden solle. Auch über den Öl- und Gassektor hinaus sollten sich ihrerseits auch russische Firmen verstärkt in Deutschland engagieren, sagt Merkel: "Wir unterstützen eine diversifiziertere Handelsstruktur und bauen russischen Firmen keine Hürden."

Belastet war das Treffen Merkels und Putins wieder einmal vom Streit um die sogenannte Beutekunst. Zwischenzeitlich sollte eine gemeinsame Ausstellungseröffnung in der berühmten Petersburger Eremitage abgesagt werden. Dort sollte Merkel nach dem Gang durch die Ausstellung von Objekten aus der Bronzezeit nicht sprechen. Sie habe auch das Thema Beutekunst ansprechen wollen, von Kunstwerken, die die Rote Armee während des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland in die Sowjetunion gebracht hatte und von der viele Stücke in den Lagern der Eremitage, des ehemaligen Zarenschlosses an der Newa, lagern.

Sie habe Putin in einem persönlichen Gespräch überzeugt, doch gemeinsam hinzugehen und danach noch einmal kurz vor die Presse zu gehen, erklärt Merkel. Sie lächelt demonstrativ, er wirkt wächsern und versteinert. Bis Putin am Ende der Pressekonferenz dann doch noch mit einem Geschenk aufwartet: Eine alte Lithographie zu einem deutsch-russischen Handelsvertrag von 1894.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Deutschland als Motor Europas, deren "Granden" sollten sich nicht auf das verlassen, was derzeit noch möglich; denn Rußland hat in Form einer Erklärung mit den Barentsseestaaten andere, ungeahntere Möglichkeiten, als dies durch den immer wieder "unsichtbaren, mit einfließenden "Partner" in solchen undurchsichtigen Gesprächen hat.

    Frau Merkel kann dies natürlich, genau wie ihre Vorgänger im Amt, öffentlich keineswegs "checken", ich meine an den Tag, legen wollen. Eine wirtschaftliche Macht, wird immer dann auf die Fehler der Vergangenheit hingewiesen werden, so die Verträge dies hergeben, wenn es um die Befindlichkeiten des einzigen, verbliebenen "Allierten" geht. Rußland scheidet als spekulativer "Parnter" definitiv aus.

  • Na, also den Deal mit Gazprom hat die unterkühlte Stimmung ja nicht betroffen. Ob der Kulturgüter ist man brüskiert, die wirklich gehaltvollen Geschäfte laufen "wie geschmiert".

  • @pool

    "Die Einladung war eine kalkulierte Frechheit von Putin."

    Kann ich nicht nachvollziehen. Nehmen wir mal an es waere so (was ich nicht so sehe), dann lag es an Frau Merkel/unserer Regierung diese Einladung anzunehmen oder nicht.

    Der gigantische Verwaltungsapparat Bruessel hat UNS - inklusive Frau Merkel - an die Leine gelegt, wofuer wir auch ordentlich bezahlen. Nicht nachvollziehbar, was ein Putin oder gar Russland damit zu tun hat.

    Vielleicht sind die Erdgaslieferungen bedrohlich - oder was? Es liegt an uns diese anzunehmen oder nicht - nicht an Russland.

    Putin hat es geschafft ein Land vom totalen Kommunismus in eine modernere Gesellschaft zu verwandeln. Die Ergebnisse sind nicht perfekt, aber das System laeuft und Putin lebt immer noch. Dies alleine ist fuer mich schon bewundernswert ;-)

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