George W. Bush
Der Buhmann ist zurück

Er verließ das Weiße Haus als unbeliebtester Präsident aller Zeiten. Doch inzwischen betrachten die Amerikaner George W. Bush zunehmend mit Milde. Bei der Eröffnung seiner Bibliothek gab es nun sogar Lob vom Nachfolger.
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WashingtonDie Redenschreiber von US-Präsident Barack Obama mussten schon in vielen heiklen Lagen passende Worte finden. Der Auftritt am Donnerstag in Dallas, Texas, aber dürfte eine besondere Herausforderung gewesen sein: Wie soll Obama lobende Sätze für George W. Bush finden? Für den Vorgänger, den er doch seit Jahren für alles verantwortlich macht, was in Amerika schief läuft?

Obama versuchte es so: „Er ist ein guter Mensch“. Und dies: „Präsident George W. Bush zu kennen, bedeutet ihn zu mögen“. Geht doch. Klingt auch deutlich netter als Sätze wie „Bushs Politik ist gescheitert“, oder „Bush hat die Wirtschaft zerstört“, wie sie im Wahlkampf immer wieder fielen. Und es ist noch nicht einmal gelogen: Bush gilt tatsächlich als witzig, warmherzig und charmant.

Es ist ein merkwürdiges Ritual, das alle amtierenden Präsidenten absolvieren müssen: Immer dann, wenn ein Vorgänger eine selbst gegründete Präsidentenbibliothek eröffnet, gibt es lobende Worte vom aktuellen Mann im Weißen Haus. Auch, wenn man politisch so weit voneinander entfernt ist wie der Demokrat Obama und der Republikaner Bush.

So lief das auch in Dallas. Dort eröffnete Bush am Donnerstag das George W. Bush Presidential Center, eine Art Museum mit Gegenständen und Dokumenten aus der Amtszeit des 43. Präsidenten, mit angeschlossener Bibliothek. Gekommen waren neben Obama auch alle anderen noch lebenden Ex-Staatschefs – Vater George H.W. Bush, Bill Clinton und Jimmy Carter.

Obama nun würdigte seinen Vorgänger für die „unglaubliche Stärke und Entschlossenheit“ nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Clinton und Carter lobten ihn für sein Engagement im Kampf gegen Aids in Afrika. Die Kriege im Irak und Afghanistan blieben unerwähnt.


George W.Bush selbst eröffnete seine Rede mit einem fröhlichen „Oh happy day“. Gerührt zeigte er sich besonders über die Anwesenheit seines Vaters. Der 88-Jährige Bush Senior war noch Ende vergangenen Jahres auf der Intensivstation behandelt werden. „Es ist toll, dass du heute hier bist“, sagte der Junior.

Kommentare zu " George W. Bush: Der Buhmann ist zurück"

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  • Mich wundert dasd nicht, dass Obama Bush lobt.
    Obama hat doch selbst nichts zustande gebracht von den ganzen Versprechen die er einst gab
    Auch Guantanamo gibt es noch

  • SCHWARZE KÖNNEN NUR GUT SEIN?

    Dass George Bush ein Buhman ist, ist nur verständlich und dass hat er sich redlich verdient. Alles andere als verständlich ist, dass sein afrikanischstämmiger Nachfolger im Amt, obwohl sich seine Außen- und Kriegspolitik nicht fundamental von der Bush unterscheidet.

    Die USA und die Lobbys, die sie kontrollieren, sind immer noch eine Imperial-reich, dass Kriege unterstützt.

    Präsident Obmama hat den Guantanomo-Gulag nicht geschlossen. Und in Syrien führt er die "neokonservative", auf die Interessen Israels ausgerichtete Außenpolitik fort.

    Aber vielleicht liegt es ja an seiner Hautfarbe und seinem netten Äußeren, dass so viele Medienmacher, nicht zuletzt linke Medienmacher, ihm seine Politik eher verzeihen, als der "böse weiße Mann" George Bush.

    Das erklärt dann auch Aussagen wie diese, die totale Unwissenheit über Obamas Außen-Politik und Agenda verraten:

    >>Auch, wenn man politisch so weit voneinander entfernt ist wie der Demokrat Obama und der Republikaner Bush.<<

    Der allergrößte Unterschied zwischen beiden ist nicht die Politik sondern die Hautfarbe.

  • Früher, so sagt man heute, ließen sich Pharaonen Pyramiden bauen: heute Bibliotheken.
    Nun ist der Bush-Clan alles andere als eine Dynastie jedoch eine der wenigen päsidial ambitionierten Familien in den US.
    Es gab andere, die in/von "den Zeitläuften" arg dezimiert wurden, um es mal salopp zu formulieren.

    Der Gestus gleichwohl, politische Karrieren monumental zu dokumentieren muß erstaunlich bleiben angesichts der Trümmerfelder, die es erfordert zu haben schien sich in Bronze, Beton und Stein der Geschichte stellen zu wollen.

    Mag sein, dass "die Geschichte" (wessen eigentlich?) eine Einordnung präsidialer Epochen derzeit noch nicht erlaubt.
    Auf diese jedoch schon zu Lebzeiten hinzuweisen gehört vlt. zu den Eigentümlichkeiten einer Aera, die vollkommen unhistorisch, in eine der größten Wirtschaftskrisen gemündet hat, die die bisherige Welt zu gewärtigen hatte.

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