Georgien-Konflikt lässt Kurse baumeln
Der Ritt auf dem Bären

Die Drähte laufen heiß: Dmitrij Medwedjew telefoniert mit Angela Merkel, bestellt die BBC in die Präsidenten-Residenz in Sotschi und gibt Interviews am laufenden Band. Russlands Außenminister Sergej Lawrow lässt sich in eine Telefonkonferenz schalten. Täglich gibt es „Briefings“ in Moskau. Anders als in so mancher Krise in der Vergangenheit bemüht sich die russische Führung zwar redlich, der Weltöffentlichkeit ihre Politik zu erklären und die Folgen zu begrenzen, nur – der Markt hört nicht.

MOSKAU. Am Mittwich sackte der auf Dollar basierte russische Aktienindex RTS am Morgen weiter ab, bevor er sich ähnlich wie der in Rubel handelnde Micex leicht erholte. Inzwischen haben die Börsen in Moskau Einbußen von mehr als einem Drittel zu verkraften – zuletzt gab es einen solchen Einbruch bei der Enteignung des Yukos-Eigentümers Michail Chodorkowskij vor vier Jahren. Die Spannungen mit dem Westen zeigen deutliche wirtschaftliche Folgen, und zwar nicht erst seit der Kaukasuskrise. Seit Juni sind die Risikoprämien deutlich gestiegen: Die Anleihe-Rendite legte von 7,3 auf 8,5 Prozent zu.

Denn trotz der positiven Fundamentaldaten – Russland verdient täglich eine Mrd. Dollar durch Öl- und Gasexporte – trübt sich die Stimmung unter Investoren merklich ein. Selbst aus dem in Russland boomenden Autosektor kamen am Mittwoch nachdenkliche Töne: Der koreanische Autobauer Hyundai befürchtet wegen der Kaukasuskrise einen Gewinneinbruch in Russland. Die ersten Auswirkungen habe Hyundai bereits zu spüren bekommen, sagt der Russland-Chef des Konzerns, Denis Petrunin. „Mit diesem Stressfaktor im Hintergrund könnten sich die Konsumenten im nächsten halben Jahr beim Autokauf zurückhalten“, befürchtet er.

In ein ähnlich negativ gestimmtes Horn stoßen die Analysten mehrerer Investmentbanken: Unicredit schreibt, der diplomatische Streit mit dem Westen könnte gar wirtschaftliche oder andere Sanktionen nach sich ziehen – aktuell sei zwar nicht damit zu rechnen, die Wahrscheinlichkeit steige aber. Die Schweizer Bank UBS senkte am Mittwoch die Kursziele für russische Aktien im Schnitt um 20 Prozent. Da eine kurzfristige Lösung des Konflikts nicht in Sicht sei, dürfte die Risikoprämie für Russland weiter steigen. Damit wird ein altes russisches Problem wieder virulent: Allein in der ersten Augusthälfte floss netto Kapital in Höhe von neun Mrd. Dollar aus dem Land. „Das ist eine hohe Summe“, sagt Anton Strutschenewskij, Makroökonom bei der russischen Bank Troika Dialog. Falls sich der Trend fortsetze, werde Troika seine Wachstumsprognosen anpassen müssen.

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