Gerüchte um Xi Jinping
Chinas Vizepräsident wieder aufgetaucht

Erleichterung in China: Vizepräsident Xi Jinping ist wieder da, Staatsmedien zeigen ein vermeintlich aktuelles Foto von ihm beim Besuch einer Uni. Das Rätselraten geht jedoch weiter: Wo war er fast zwei Wochen lang?
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PekingAm Samstag gab es erstmals seit vierzehn Tagen wieder ein Lebenszeichen von dem verschwundenen Spitzenpolitiker Xi Jinping. Eine Erklärung für sein Abtauchen blieb jedoch weiterhin aus, genauso wie ein Fernsehauftritt, bei dem die Öffentlichkeit sich von seinem Gesundheitszustand hätte überzeugen können. Statt dessen veröffentlichte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua Fotos, die ihn angeblich beim Besuch einer Veranstaltung an der Universität für Landwirtschaftswissenschaften in Peking zeigen.

Xi ist nicht nur Vizepremier, sondern auch der kommende Staatsvorsitzende. Ein Parteitag soll ihn in diesem Herbst zum Chef der Kommunistischen Partei wählen. Chinas Scheinparlament würde ihn dann im kommenden März zum Präsidenten küren – also zu einem nach-Nachfolger des großen Vorsitzenden Mao Zedong.

Der potentielle Präsident hatte in den vergangenen zwei Wochen jedoch eine ganze Reihe von hochkarätigen Terminen abgesagt, darunter ein Gespräch mit US-Außenministerin Hillary Clinton und mit den Regierungschefs von Singapur und Dänemark. In der chinesischen Gerüchteküche kochten sofort allerlei Geschichten zu seinem Verbleib hoch: Von einem Anschlag politischer Gegner auf sein Leben war die Rede, von einem Schlaganfall, einem Herzanfall, von Krebs.

Die häufigste – und bisher realistischste – Version war, dass Xi sich einen fiesen Hexenschuss zugezogen hat und sich erst in Ruhe im Krankenhaus erholen musste. Das Rückenleiden kam dann jedoch zur Unzeit: In China steht ein komplizierter Führungswechsel an. Das Lager um Xi kämpft derzeit gegen die Anhänger des amtierenden Präsidenten Hu Jintao um die Besetzung von Spitzenposten für die kommenden fünf Jahre.

So ganz überzeugt ist China jedoch am frühen Samstagnachmittag (Ortszeit) noch nicht von Xis Genesung. „Das Foto und die Xinhua-Nachricht reichen nicht, um alle Zweifel und Gerüchte zu zerstreuten“, sagt Politologin Linda Li von der City University Hong der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Sie scheinen aber zu zeigen, dass es ihm nicht schlechter geht.“

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Xi, der Pragmatiker

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  • Das hebt das Ansehen des HB gewaltig, dass auch mal eine so fundierte Analyse gezeigt wird.

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