Gescheiterte Flucht über das Mittelmeer
Von Syrien in den Knast

Sie flüchten vor dem Krieg und landen nicht selten in der Zelle. Immer wieder wagen in Syrien lebende Palästinenser die Flucht nach Europa. Denen, die auf dem offenen Meer gefasst werden, steht oft Schreckliches bevor.
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KairoHamada Deeb hatte gehofft, seine Eltern Mustafa und Samira sowie seine kleine Schwester Malak bald wiederzusehen. Doch es kam anders. Sich selbst konnte der 27-jährige Palästinenser, der in einem Flüchtlingslager in Syrien aufwuchs, rechtzeitig in Sicherheit bringen. Seit drei Jahren schon lebt er in Stockholm. Seine Familie aber blieb im Palästinenserlager Jarmuk in Damaskus zurück – bis Dezember vergangenen Jahres, als die Luftangriffe über Syriens Hauptstadt zu gefährlich wurden.

Wie tausende andere Bewohner des Lagers floh Deebs Familie damals nach Ägypten. Doch ihr eigentliches Ziel hieß Europa. In der ägyptischen Hafenstadt Alexandria angekommen, nahmen sie Kontakt mit Schleusern auf, die sie in einem Boot nach Italien bringen sollten. „Tag für Tag versuchten sie, die Überfahrt zu organisieren“, erzählt Deeb der Nachrichtenagentur dpa.

Mitte September schließlich gelang es. Schleuser begleiteten die Familie zum Boot, das sie in die Freiheit bringen sollte. Doch aus Hoffnung wurde Angst. In dieser Nacht brach der Kontakt zwischen Deeb und seiner Familie ab. Erst viel später erfuhr der junge Palästinenser, dass sein Vater, seine Mutter und seine Schwester bei ihrem Fluchtversuch festgenommen worden waren.

Von einer Polizeizelle in Alexandria aus berichtete wenige Tage später ein anderer Mann – Abu Abdullah –, was geschehen war. Auch der 37-Jährige war im Dezember 2012 aus Jarmuk nach Ägypten geflohen, sagt er der dpa. Seinen vollen Namen nennt er nicht. Einem Schmuggler zahlte er 11.000 Dollar (gut 8.000 Euro), um ihn, seine Frau und seine drei Kinder über das Mittelmeer nach Italien zu bringen.

Kommentare zu " Gescheiterte Flucht über das Mittelmeer: Von Syrien in den Knast"

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  • Der Skandal ist, dass auf der Erde 10 Mrd. Menschen leben, die sich gegenseitig auf die Füße treten. In Europa droht eine Einwanderungsapokalyse, die uns alle ins Elend stürzen wird. Die Außengrenzen der EU müssen daher endlich durch Militär und freiwillige Bürgerwehren gesichert werden. Es ist scharf zu schießen. Nur so kann man die Katastrophe noch vermeiden.

  • @Fluchthelfer:
    ;)
    Tjaja.. warum wohl nicht.. zumal sie dort sicher auch weniger Sprach- und Kulturunterschiede hätten!

    Und wieder mal tauchen solche traurigen Geschichtchen in der Presse just in dem Moment auf, als von Deutschland mal wieder (immer noch mehr) Hilfe gefordert wird.
    Es ist inzwischen alles so durchschaubar..

  • „Wir fliehen vor dem Krieg und werden in Syrien verfolgt“
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    Und warum flieht ihr dann nicht in die arabischen Länder, die so reich sind und so nah - ihr müsst nicht einmal über das Meer einreisen -, und wo es so schön warm ist?
    Na, warum nicht?!

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