Gespräch mit UN-Sondergesandten
Assad gibt sich unnachgiebig

„Allein das syrische Volk“ habe „das Recht, über Syriens Zukunft zu entscheiden“, sagte Syriens Präsident Assad im Gespräch mit dem UN-Sondergesandten Brahimi. Russland warnte vor einem Scheitern der Friedenskonferenz.
  • 0

DamaskusNach seinem ersten Treffen seit zehn Monaten mit dem Sondergesandten von Vereinten Nationen und Arabischer Liga, Lakhdar Brahimi, hat sich Syriens Staatschef Baschar al-Assad weiter unnachgiebig gezeigt. „Allein das syrische Volk“ habe „das Recht, über Syriens Zukunft zu entscheiden“, erklärte Assad mit Blick auf eine für Ende November im schweizerischen Genf geplante internationale Friedenskonferenz.

Brahimis Treffen mit dem syrischen Staatschef war das erste seit Dezember. Damals war Brahimi von der syrischen Führung scharf kritisiert worden, weil er Assad gefragt hatte, ob er zum Ende seiner Amtszeit Mitte 2014 das Präsidentenamt abgeben werde.

Das neue Treffen sollte dazu beitragen, die Friedenskonferenz vorzubereiten, die ab dem 23. November in Genf Vertreter der syrischen Führung und der Rebellen zu Gesprächen über eine politische Lösung des blutigen Konflikts zusammenbringen soll. Die Opposition ist allerdings zusehends zersplittert. Die Syrische Nationale Koalition, der Dachverband der gemäßigten Opposition, will Anfang November entscheiden, ob sie an der Konferenz teilnimmt.

Assad ließ nach dem Treffen über die staatlichen Medien mitteilen, um in einem „Dialog“ eintreten zu können, seien „ein Ende der Unterstützung für die Terroristen und Druck auf diejenigen Staaten, die sie unterstützen“, notwendig. Die syrische Führung bezeichnet die gegen sie kämpfenden Aufständischen regelmäßig als Terroristen. Assad kritisiert das westliche Ausland dafür, die Rebellen finanziell und militärisch zu unterstützen. Er lehnt Gespräche mit dieser Begründung bislang ab.

Brahimi kam bei der Unterredung laut dem syrischen Staatsfernsehen mit Assad überein, dass nur die Syrer über die Zukunft ihres Landes entscheiden könnten. „Die zur Einberufung der Genfer Konferenz unternommenen Anstrengungen haben zum Ziel, dass die Syrer zusammenkommen und sich schnellstmöglich über eine Beilegung der Krise verständigen“, wurde Brahimi zitiert.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte bei einem Besuch in Griechenland vor einem Scheitern der Genfer Konferenz. Der von den USA und Russland initiierten Konferenz stünden nicht nur Gruppierungen in Syrien, sondern auch „Hauptstädte benachbarter und nicht benachbarter Staaten“ skeptisch gegenüber, sagte Lawrow in der Hauptstadt Athen. Er warnte zugleich vor Versuchen, Assad mit militärischen Mitteln zu stürzen. Russland gilt als enger Verbündeter des syrischen Staatschefs.

Aus dem von der syrischen Armee belagerten Moadamijet al-Scham südwestlich von Damaskus wurde am Mittwoch offiziell mitgeteilt, dass am Vortag etwa 800 Zivilisten aus der Stadt gebracht worden seien. Moadamijet al-Scham zählte im August zu den Zielen von Chemiewaffenangriffen. Laut Menschenrechtsorganisationen herrscht dort ein chronischer Mangel an Lebensmitteln, weshalb es zahlreiche unterernährte Kinder geben soll.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gespräch mit UN-Sondergesandten: Assad gibt sich unnachgiebig"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%