Gesundheitsreform trifft Alte und Arme
Trumpcare und das Leiden von Millionen

Das Ausmerzen von „Obamacare“ ist ein zentraler Punkt von Donald Trumps Politik. Doch sein Gegenentwurf bekommt Gegenwind: „Trumpcare“ kostet demnach Millionen Arme den Versicherungsschutz – und entlastet die Reichen.
  • 28

San Francisco„Repeal und replace“, Obamas Krankenversicherung ausmerzen und durch etwas „wundervolles“ Neues ersetzen, das war ein Kernversprechen in Donald Trumps Wahlkampf. Niemandem sollte es schlechter gehen, jeder „Zugang“ zu einer Krankenversicherung habe und „niemandem der Teppich unter den Füßen“ weggezogen werden. Dieses Versprechen bekräftigte die neue „Trumpcare“, die seit vergangener Woche als Entwurf vorliegt.

Doch nun liegt die schonungslose Analyse des unabhängigen Rechnungshofs des Kongresses, des „Congressional Budget Office“, auf dem Tisch. Und die ist nicht weniger als eine Katastrophe für den US-Präsidenten.  Sie zeigt, was „Trumpcare“ in der jetzigen Form für die amerikanischen Bürger bedeuten wird. Die Kernaussage: 2018 werden 14 Millionen Menschen weniger krankenversichert sein. Großteils werden das Bürger sein, die die Abschaffung der Versicherungspflicht nutzen und schlichtweg keine Police mehr abschließen. Sie lassen es drauf ankommen.

Bis 2026 wird die Zahl der nicht versicherten Bürger auf 52 Millionen anwachsen, das wären laut Rechnungshof 24 Millionen mehr als für „Obamacare“ prognostiziert. Die gehen wiederum nicht freiwillig. Denn die Erweiterung von „Medicaid“, einer Armenversicherung, in 31 Bundesstaaten wird ebenfalls schrittweise wieder abgeschafft. Alleine dadurch werden Millionen Menschen durch den Rost fallen und ohne Prämienzuschüsse ihre Versicherungen verlieren. Die Prämien werden demnach bis 2020 weiter steigen, um 15 bis 20 Prozent pro Jahr.

Danach werden sie voraussichtlich um zehn Prozent sinken, sagt die Analyse. Aber nicht, weil die Kosten sinken, sondern weil die Versicherungsindustrie wieder Produkte mit minimalem Leistungsumfang anbieten werden, die unter Obamacare verboten waren. Auf der positiven Seite verzeichnen die unabhängigen Experten eine Verringerung des Haushaltsdefizits von bis zu 337 Milliarden Dollar im Jahr 2026.

Doch auch dieser Pluspunkt hat einen Haken: Er resultiert überwiegend aus dem Wegfall der Subventionen für Einkommensschwache. Ein 60-jähriger mit einem Jahreseinkommen von 20.000 Dollar zum Beispiel, in ländlichen Gebieten nicht ungewöhnlich, bekommt unter Obamacare einen Prämienzuschuss von 9.000 Dollar. Dies hat der Krankenhausbetreiber Kaiser Permanente ausgerechnet. Unter Trumpcare werden es nur noch 4.000 Dollar im Jahr sein.

Wo der Geringverdiener die restlichen 5.000 Dollar herbekommen soll, lässt Trumpcare offen. Bei Neuabschlüssen unter Obamacare dürfen die Versicherer von Alten nur das Dreifache der Prämie für junge Kunden verlangen. Unter Trumpcare dürfen sie das Fünffache einfordern. „Wenn es jemals einen Krieg gegen die Senioren gegeben hat – Trumpcare – dieses Gesetz, das ist er“, wütete am Dienstag auch Chuck Schumer, Führer der demokratischen Minderheit im Kongress.

Kommentare zu " Gesundheitsreform trifft Alte und Arme: Trumpcare und das Leiden von Millionen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Herr Joachim Löwensteiner, 14.03.2017, 18:55 Uhr

    "Forschung kostet bekanntlich viel Geld, dass dann möglicherweise fehlt und ... Sie wissen schon, wieder eingespart wird."

    Für (sinnvolle) Forschungsprojekte ausgegebenes Geld "fehlt" überhaupt nicht, sondern ist da im Sinne der Allgemeinheit bestens angelegt bzw. investiert.

  • Herr Trump beschliesst, wohl aus seinem Bauchgefühl raus, Dinge, die er weder versteht noch kann er deren Tragweite in der Zukunft sehen. Dieser Mann ist leider nicht nur sehr verwöhnt (und daher verzogen) sondern auch sehr Dumm. Und so nimmt das Unglück unweigerlich seinen Lauf.

  • @ Helmut

    Durch Erschließung neuer Märkte etwa oder durch Forschung an neuen Medikamenten in Bereichen, wo es noch wenig Konkurrenz gibt.

    Forschung kostet bekanntlich viel Geld, dass dann möglicherweise fehlt und ... Sie wissen schon, wieder eingespart wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%