Gewalt gegen Bürger
Uno droht Machthabern in Libyen

Das Regime in Libyen wankt, Gefolgsleute und Soldaten desertieren, die Zahl der Toten steigt. Die Uno erwägt bereits drastische Maßnahmen gegen die Machthaber in Tripolis.
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Tripolis/Genf

Eine internationale Kommission soll nach einer Forderung der Vereinten Nationen das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Regierungsgegner in Libyen untersuchen. Das hat die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, am Dienstag in Genf erklärt. "Ausgedehnte und systematische Angriffe auf die Zivilbevölkerung könnten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bewertet werden", sagte die UN-Hochkommissarin. Sie rief die libyschen Sicherheitskräfte dazu auf, nicht mit Maschinengewehren, Scharfschützen und Kampfflugzeugen gegen Demonstranten vorzugehen.

Gegen die Gewalt in Libyen müsse auch die internationale Gemeinschaft gemeinsam vorgehen, sagte Pillay. "Das libysche Volk ist die Korruption, das Zugutekommen des Reichtums nur an Wenige, die Arbeitslosigkeit und die Missachtung ihrer Rechte leid", sagte Pillay. Die Demonstranten seien deshalb auch nicht zum Schweigen zu bringen. Bereits am Montag hatten Dutzende von Menschenrechtsgruppen eine Sitzung des UN-Sicherheits- sowie des Menschenrechtsrates gefordert, um die Vorkommnisse bei den Aufständen in Libyen zu klären.

Nach Tagen bürgerkriegsähnlicher Zustände hat sich Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi unterdessen erstmals mit einem wirren Auftritt zu Wort gemeldet. In einer vom Staatsfernsehen verbreiteten Aufnahme trat der seit fast 42 Jahren herrschende Revolutionsführer Gerüchten entgegen, er habe sein Land verlassen.

Die Zustände im Land blieben weiter unklar. Gaddafi-treue Einheiten sollen schwere Waffen gegen die Opposition eingesetzt haben. Allein in der von Regimegegnern kontrollierten Stadt Bengasi sollen bislang etwa 400 Menschen ums Leben gekommen sein. Der Sicherheitsrat in New York kommt zu einer Sondersitzung zusammen.

Mit einer Sondermaschine will die Lufthansa im Tagesverlauf Deutsche aus Libyen zurückholen. Der Airbus A340-600 könne rund 300 Passagiere mit nach Frankfurt bringen, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Ein Transportflugzeug des österreichischen Bundesheeres hatte bereits in der Nacht 62 EU-Bürger aus Libyen ausgeflogen. Ausländische Konzerne in Libyen beklagen Übergriffe und Plünderungen.

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