Gewalt in Nahost
Sorge vor Freitagsgebet in Jerusalem

Die Serie von blutigen Angriffen auf Israelis reißt nicht ab. Die Attentäter schlagen individuell und unerwartet zu. Eine gut gemeinte Anweisung von Regierungschef Netanjahu dürfte für neuen Ärger sorgen.

Tel Aviv/JerusalemPalästinensische Attentäter haben am Donnerstag in drei separaten Zwischenfällen Israelis mit Stichwaffen angegriffen und verletzt. Im Zentrum von Tel Aviv stürzte sich ein Palästinenser mit einem Schraubenzieher auf eine Soldatin und versuchte ihr die Waffe zu entreißen. Andere Soldaten griffen ein und erschossen ihn, wie die Polizei bestätigte. Die Soldatin und drei weitere Uniformierte erlitten bei dem Vorfall in unmittelbarer Nähe des israelischen Armeekommandos leichte Verletzungen.

Wenige Stunden zuvor hatte ein palästinenischer Jugendlicher im Zentrum von Jerusalem einen Israeli mit Messerstichen schwer verletzt. Der 19-Jährige sei anschließend von Sicherheitskräften festgenommen worden, bestätigte die Polizei. Ein weiterer Israeli erlitt bei dem Angriff vor der Zentrale der israelischen Polizei leichte Verletzungen, als er den Attentäter überwältigte.

Ein weiterer Attentäter stach am Rande der Siedlung Kiriat Arba nahe Hebron mit einem Messer auf einen Israeli ein. Der Mann wurde schwer verletzt. Der Angreifer konnte entkommen. Die israelischen Streitkräfte leiteten die Suche nach ihm ein.

Die Angriffe reihen sich ein in eine neue Welle des Terrors gegen Israel und dessen Besatzung in den palästinensischen Gebieten. Allein in den letzten acht Tagen kamen dabei vier Israelis ums Leben. Vier palästinensische Angreifer und zwei Demonstranten wurden erschossen.

Um die Lage zu beruhigen, wies Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Polizei an, israelische Regierungsmitglieder und Parlamentsabgeordnete daran zu hindern, den Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem zu betreten.

Die Stätte ist Juden wie Muslimen gleichermaßen heilig. Am Fuß befindet sich die Klagemauer, der Überrest des zweiten jüdischen Tempels, an der die Juden beten. Auf dem Plateau stehen die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom, ein Ort, der in der Regel den Muslimen vorbehalten ist.

Gewalttätige Auseinandersetzungen um den Tempelberg gelten mit als Auslöser der jüngsten Angriffe. Diese hatten sich verschärft, nachdem der rechtsgerichtete Landwirtschaftsminister Uri Ariel demonstrativ das Plateau besucht hatte.

Während der darauffolgenden jüdischen Feiertage erhielten zahlreiche Juden die Erlaubnis, das Plateau zu besuchen. Palästinensische Jugendliche bewarfen sie immer wieder mit Steinen und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der israelischen Polizei.

Netanjahus nunmehriges Besuchsverbot für Politiker stieß allerdings nicht nur im rechten Lager auf Widerspruch. Nachdem sich die Anweisung - wie sein Büro am Donnerstag klarstellte - auch auf die arabischen Parlamentsabgeordneten bezieht, kündigten einige von ihnen an, an diesem Freitag mit großem Gefolge auf dem Plateau des Tempelbergs erscheinen zu wollen, um dort das Freitagsgebet zu absolvieren.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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