Gewalt in Syrien
Erster hochrangiger Syrer bricht mit Regierung

Der Staatsanwalt von Hama, Adnan Mohammed al-Bakkur, verkündet seinen Rücktritt auf YouTube. Er erklärt, er habe genug von dem Massaker in seiner Stadt. Unterdessen gehen die Razzien in Hama weiter.
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HamaNach Monaten der Gewalt in Syrien hat offenbar erstmals ein hochrangiges Mitglied der Führung mit Präsident Baschar al-Assad gebrochen. Der Generalstaatsanwalt von Hama, Adnan Mohammed al-Bakkur, warf den Sicherheitskräften in einem am Donnerstag im Internet verfügbaren Video ein Massaker in der Stadt vor und gab seinen Rücktritt bekannt. Die staatlichen Medien berichteten dagegen, Bakkur sei entführt und zu der Aufnahme gezwungen worden. In Hama selbst gingen Anwohnern zufolge die Sicherheitskräfte weiter gegen Oppositionelle vor.

Eine Überprüfung der Angaben aus Syrien ist kaum möglich, da die Regierung ausländische Journalisten ausgewiesen hat. Er trete „aus Protest gegen das Vorgehen des barbarischen Regimes gegen friedfertige Demonstranten“ zurück, sagte Bakkur in dem Video, das Aktivisten über den Internet-Dienst YouTube veröffentlichten. Er warf den Sicherheitskräften vor, am Vorabend von Razzien am 31. Juli 72 inhaftierte Demonstranten getötet zu haben. Bei dem Einsatz selbst seien mindestens 420 weitere Menschen getötet und in Massengräbern in öffentlichen Parks beigesetzt worden. Bakkur wies Berichte über seine Entführung zurück. Ein unabhängiger Anwalt bestätigte seine Identität.

Der Gouverneur von Hama, Anas Naem, sagte dagegen in staatlichen Medien, Bakkur sei verschleppt worden. Wer das Video ausstrahle, mache sich zum Partner bei den „terroristischen Verbrechen gegen unschuldige syrische Bürger“. Assad hatte Naem als neuen Gouverneur eingesetzt, nachdem es in Hama zu großen Demonstrationen gegen die Regierung gekommen war. Der Ort liegt rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Damaskus und gilt als Hochburg des Widerstands. Das Militär hatte 1982 ein Massaker in Hama verübt, als es auf Befehl von Assads Vater, Präsident Hafes al-Assad, einen islamistischen Aufstand niederschlug.

Am Donnerstag gingen die Sicherheitskräfte den zweiten Tag in Folge als Teil einer neuen Offensive in Hama gegen Oppositionelle vor. Nach den gezielten Durchsuchungen am Mittwoch seien die Häuser am Donnerstag eher willkürlich ausgesucht worden, sagte ein Aktivist der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon. Die Bewohner riefen „Gott ist groß“ aus Fenstern und von den Dächern. Der Aufstand gegen Assad hält seit fünf Monaten an. Die Regierung macht bewaffnete Banden für die Revolte verantwortlich und geht mit großer Härte vor. Dabei sind nach Angaben der Vereinten Nationen 2.000 Menschen getötet worden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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