Gewalt nach den Wahlen
Im Kongo rückt Verstärkung an

Als Reaktion auf die zunehmende Gewalt in Kinshasa hat die EU-Truppe im Kongo ihre Einsatzkräfte verstärkt. Mittlerweile sind mehr als die Hälfte der 800 Bundeswehrsoldaten in der Hauptstadt des zentralafrikanischen Staates stationiert. Dort kam es am Dienstag den dritten Tag in Folge zu blutigen Kämpfen.

HB JOHANNESBURG/KINSHASA. Eine Fallschirmjäger-Kompanie der Bundeswehr mit 130 Mann wurde am Dienstag als Verstärkung aus dem Nachbarstaat Gabun eingeflogen, um strategische Punkte in der Stadt abzusichern. Sie ist Teil der knapp 2000 Mann starken EU-Truppe (EUFOR), die unter deutscher Leitung den Wahlprozess im Kongo absichern soll. Gemeinsam mit den UN-Blauhelmen der MONUC-Friedenstruppe zeigte sie bereits am Dienstag Präsenz.

Als „beunruhigend“ bezeichnete Bundesaußenminister Frank- Walter Steinmeier die jüngste Gewaltwelle. Die Bundesregierung appelliere an die Parteien und insbesondere an die beiden Kandidaten der zweiten Wahlrunde, der Gewaltwelle „sofort ein Ende zu setzen“, sagte er auf der Rückreise aus Afghanistan in der usbekischen Stadt Termez. Unterdessen beorderte Präsident Joseph Kabila alle Soldaten in die Kasernen der Hauptstadt zurück, wie der südafrikanische Rundfunk meldete.

In Kinshasa patrouillierten Schützenpanzer spanischer Fremdenlegionäre, die am Vortag den deutschen Botschafter Reinhard Buchholz und 13 seiner Kollegen aus der umkämpften Villa von Vize- Präsident Jean-Pierre Bemba geleitet hatten. „Ich denke, dass wir den Punkt für reine Vorsichtsmaßnahmen überschritten haben. Es wird jetzt notwendig, Teile der Stadt abzusichern“, erklärte der Sprecher der UN-Truppen (MONUC), Kemal Seiki, im südafrikanischen Rundfunk. Er forderte eine Trendwende bei der Eskalation der Gewalt und wertete es zugleich als positives Zeichen, dass ausländische Truppen bisher nicht gezielt unter Feuer genommen wurden.

Auch die Europäische Union und die Vereinten Nationen forderten von den rivalisierenden Politikern ein Ende der Gewalt. Der für Entwicklungshilfe zuständige EU-Kommissar Louis Michel rief zur „Mäßigung“ auf. In einer in Brüssel veröffentlichten Erklärung hieß es, der „Wahlprozess, in den die kongolesische Bevölkerung ihre Hoffnung und ihr Engagement investiert hat“, müsse „unter Respektierung der demokratischen Normen fortgesetzt werden“. Präsident Kabila und Vizepräsident Bemba forderte er auf, „sich in ihren Äußerungen zu mäßigen und an einem friedlichen und konstruktiven Dialog zu beteiligen, der der beim ersten Wahlgang ausgedrückten Hoffnung der Bevölkerung entspricht“.

Der deutsche Botschafter hatte sich am Montagabend gemeinsam mit dem internationalen Begleitkomitee für die Wahlen im Kongo mit Bemba getroffen, um die Bedeutung friedlicher und demokratischer Grundsätze für den Wahlverlauf zu unterstreichen. Die Schießereien an der Villa des Vizepräsidenten machten den ersten Einsatz der EUFOR erforderlich, die den Botschafter und andere Diplomaten in Sicherheit brachte.

Seite 1:

Im Kongo rückt Verstärkung an

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%