Gewaltsame Auseinandersetzungen im Norden Syriens
Tote bei Unruhen in Syrien

Im Norden Syriens sind bei Unruhen möglicherweise viele Menschen erschossen worden. Offizielle Angaben über Opfer lagen zunächst nicht vor. Kurdische Exilorganisationen sprachen von bis zu 70 Toten.

HB BERLIN. In Syrien hat das Militär bei ethnisch motivierten Unruhen offenbar viele Menschen erschossen. Genaue Angaben über die Zahl der Opfer lagen zunächst nicht vor. Laut der Nachrichtenagentur AP wurden mindestens zehn Menschen getötet. Kurdische Exilorganisationen sprachen dagegen von bis zu 70 Opfern. Demnach sollen Soldaten in der nordsyrischen Stadt Kamischli das Feuer eröffnet haben, nachdem es zu Unruhen und Plünderungen gekommen war.

AP berichtet, ein Streit in einem Fußballstadion zwischen Anhängern eines überwiegend kurdischen und eines arabischen Clubs sei am Freitag eskaliert. Bei einer anschließenden Massenpanik sollen neun Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden sein.

Die Beisetzung dreier kurdischer Opfer wurde am Samstag von Ausschreitungen hunderter Kurden begleitet, mindestens eine Person sei dabei ums Leben gekommen. Die aufgebrachte Menge zog durch die Stadt Kamischli, rund 780 Kilometer nordöstlich von Damaskus, und verwüstete laut Augenzeugen Geschäfte und Behördengebäude.

Der Fernsehsender Al Arabija zeigte ein Bild von Kamischli, auf dem dichter Rauch zu sehen war, der aus dem Zentrum aufstieg. Der Brandherd war nicht zu erkennen. Journalisten wurden am Betreten der Stadt gehindert. Die Polizei feuerte Warnschüsse ab, um die Randalierer zu zerstreuen, hieß es. Ein Kommunalpolitiker berichtete, die Polizisten hätten mehrere Personen erschossen. Die Krankenhäuser der Stadt bestätigten jedoch insgesamt nur einen Toten und 17 Verletzte.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker berichtete unter Berufung auf Telefonate mit Augenzeugen, syrische Panzer seien in die Stadt gefahren. Es habe insgesamt möglicherweise bis zu 70 Tote gegeben. Zu den Auseinandersetzungen beim Fußballspiel am Freitag sei es laut Augenzeugenberichten gekommen nachdem Anhänger des arabisch-syrischen Fußballvereins Al Futuwa «Lang lebe Saddam Hussein» gerufen hatten. Fans des überwiegend syrisch-kurdischen Vereins El Dschihad hätten den Namen Massud Barsanis zurückgerufen, eines führenden kurdischen Politikers in Irak.

Anschließend hätten Al-Futuwa-Fans Steine auf Spieler und Anhänger von Al Dschihad geschleudert, berichtete ein Augenzeuge. Als die Attackierten daraufhin von der Haupttribüne flüchten wollten, brach die Panik aus.

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