Gipfel in Bukarest
Nato formuliert Ziele für Afghanistan-Rückzug

Die Nato hat bei ihrem Gipfel in Bukarest zum ersten Mal die Bedingungen für einen Rückzug aus Afghanistan festgelegt. Ein wichtiges Ziel sei es, dass die Afghanen künftig für ihre Sicherheit sorgen könnten. Die Nato will dafür bis 2010 80 000 afghanische Soldaten ausbilden. Und auch Deutschland wird sein Engagement erhöhen.

HB BUKAREST. Die Nato hat bei ihrem Gipfel in Bukarest erstmals konkrete Ziele und damit indirekt auch eine Ausstiegsstrategie für den Afghanistan-Einsatz formuliert. Die Allianz legte sich am Donnerstag unter anderem darauf fest, bis 2010 80 000 afghanische Soldaten auszubilden. Weitere detaillierte Vorgaben finden sich nach Angaben aus Nato-Kreisen in einem internen Zusatzdokument. Es handle sich um zivile und militärische Zielmarken, die vor Beginn eines Truppenabzuges erreicht sein müssten, hieß es. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung begrüßte die Festlegung. Klare Ziele der Nato seien die Voraussetzung dafür, dass irgendwann die Afghanen selbst für ihre Sicherheit sorgen könnten, sagte er am Rande des Gipfels in der rumänischen Hauptstadt. Der Minister wollte sich nicht festlegen, wann dies der Fall sein könnte. Er sprach aber von einem überschaubaren Zeitraum. „Alles, was ich bisher sehe, was auch andere Nationen zusätzlich erbringen, bin ich ganz hoffnungsvoll, dass das in einer überschaubaren Zeit erreicht werden kann“, sagte er.

Deutschland selbst werde die Anstrengungen bei der Militärausbildung verdreifachen und künftig in sieben Einheiten insgesamt 7 000 Soldaten trainieren, kündigte Jung an. Auch andere Nationen hätten ein stärkeres Engagement zugesagt. Für den Aufbau der afghanischen Polizei gebe es zwar noch keine feste Zielgröße, im Gespräch seien bisher aber rund 82 000 Beamte. In den vergangenen Jahren war umstritten gewesen, auf wieviele Soldaten die afghanische Armee ausgebaut werden soll und wie lange dies dauern darf.

In ihrem offiziellen Strategiepapier kündigte die Nato zudem an, Militäreinsatz und zivilen Wiederaufbau künftig stärker verzahnen zu wollen. Besonders Deutschland, das im Norden Afghanistans seit langem mehrere gemischte Aufbauteams betreibt, hatte sich hierfür stark gemacht. Außerdem sagten die Verbündeten zu, den Mangel an Truppen und Ausbildern bei der Isaf-Mission am Hindukusch zu beseitigen. Zugleich wurde in den Nato-Kreisen deutlich gemacht, dass die Allianz nicht an einen raschen Ausstieg aus dem Afghanistan-Einsatz denke. Die Verbündeten hätten ihren Willen zu einem langfristigen Engagement am Hindukusch bekräftigt, hieß es. In dem internen Papier sei festgelegt, dass es vor der Übergabe einzelner Regionen an die afghanischen Sicherheitskräfte einen gesonderten militärischen Beschluss der Nato geben müsse.

Entspannung zeichnete sich unterdessen im Streit über Entsendung zusätzlicher Truppen in die umkämpften Gebiete im Süden und Osten Afghanistans ab. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy machte seine Ankündigung wahr und sagte 700 zusätzliche Soldaten für den Osten zu. Damit können die USA Truppen von dort in den Süden verlegen, um die Kanadier zu entlasten. Kanada hatte mit dem Abzug gedroht, falls die Verbündeten ihm im Süden nicht zur Hilfe kämen.

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