Gouverneurin von Alaska
Sarah Palins Rückzug heizt Spekulationen an

Mit ihrem überraschenden Rücktritt als Gouverneurin von Alaska hat Sarah Palin die Bevölkerung ihres Bundesstaates schockiert. Vage Andeutungen über ihr künftiges Engagement fördern zudem Spekulationen, dass die 45-jährige Politikerin die Nominierung als Präsidentschaftskandidatin der Republikaner im Jahr 2012 anstreben könnte.

OTTAWA. Sie wolle dem Kampf für das, was sie für richtig erachte, „eine neue Richtung“ geben und „außerhalb des Gouverneur-Amtes“ dafür eintreten.

Palin, erst seit Ende 2006 im Amt, war im vergangenen Jahr zu plötzlichem Ruhm gekommen, als John McCain sie im Wahlkampf gegen die Demokraten Barack Obama und Joe Biden zur Kandidatin für die Vizepräsidentschaft nominierte. Jetzt lässt der Schlusssatz ihrer Erklärung vom Freitag aufhorchen. Am Ende ihrer Pressekonferenz in ihrem Haus in Wasilla bei Anchorage griff sie ein Zitat auf, das US-General Douglas MacArthur zugeschrieben wird, der im Zweiten Weltkrieg Truppen im Pazifikraum kommandierte: „Wir ziehen uns nicht zurück. Wir rücken in eine andere Richtung vor.“

Ihr Rücktritt kommt auch für ihre Partei überraschend. Palins Amtszeit endet erst 2010. Nun entschied sie, nicht mehr zu kandidieren und das Amt am 26. Juli ihrem Stellvertreter Sean Parnell zu übergeben, da sie nicht als „lahme Ente“ an ihrem Sessel kleben wolle. Ein parteiinterner Kritiker, der Abgeordnete Mike Hawker, sagte der Zeitung „Anchorage Daily News“, Gouverneure träten nicht einfach im letzten Jahr ihrer Amtszeit zurück. „Bisher gibt es mehr Fragen als Antworten.“ Alaskas republikanische Senatorin Lisa Murkowski sagte: „Ich bin enttäuscht, dass die Gouverneurin entschieden hat, Staat und Wähler im Stich zu lassen, bevor ihre Amtszeit endet.“

Seit ihrem umstrittenen Auftritt im Wahlkampf gegen Obama hat Palin viele Anhänger in der konservativen Klientel der Republikaner und unter Evangelikalen. Sie gab McCains Kampagne zunächst Schwung, verschreckte mit strenger Religiosität, Wertekonservatismus und scharfen Attacken auf Obama aber nach Ansicht von Beobachtern moderate Wähler der Republikaner. Sie verficht traditionelle Moralvorstellungen, zu denen es schwer passte, dass im Wahlkampf bekannt wurde, dass ihre 17-jährige Tochter Bristol ein nichteheliches Kind erwartete. Ihre wenigen Interviews während des Wahlkampfs zeugten nach Ansicht ihrer Kritiker von mangelnder Eignung für das höchste Staatsamt und Unkenntnis über politische Vorgänge.

Nun will sie „für unseren Staat und unser Land“ kämpfen, aber nicht vom Schreibtisch des Gouverneurs aus. „Neben Glauben und Familie ist mir nichts wichtiger als unser geliebtes Alaska“, sagte die fünffache Mutter. Sie glaubt an „freies Unternehmertum und eine schlankere Regierung“, Obamas Schulden zur Ankurbelung der Wirtschaft nennt sie obszön. Mit ihrem Veto hat Palin verhindert, dass Alaska Geld aus dem Konjunkturpaket annimmt.

Vielleicht ist es aber auch der Frust über ständige Attacken, denen sie sich ausgesetzt fühlt. Immer wieder würden ihr Verstöße gegen Ethikstandards vorgeworfen. Ihr Mann Todd und sie hätten eine halbe Million Dollar für Anwaltskosten aufwenden müssen. Wirklich überzeugene Gründe für ihren Rücktritt konnte Palin, deren Popularität in den vergangenen Monaten gesunken ist, nach Ansicht von Beobachtern nicht vorlegen. Ob sie ihre Chancen auf eine Nominierung verbessert oder beschädigt hat, ist nicht abzusehen.

Frei von Gouverneurspflichten kann sie ihr geplantes Buch vermarkten. Zu den potenziellen Kandidaten der Republikaner für die Präsidentschaftskandidatur gehören Minnesotas Gouverneur Tim Pawlenty und die Ex-Gouverneure Mitt Romney (Massachusetts) und Mike Huckabee (Arkansas). „Ich glaube, wir sahen das Eröffnungs-Statement für das Präsidentschaftsrennen 2012“, meinte der konservative Kommentator William Kristol in Fox News, der aber auch von einem riskanten Spiel sprach.

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