Greueltaten in Syrien
Westerwelle gibt Assad Schuld an Massaker in Tremse

Beim Massaker im syrischen Dorf Tremse sollen über 200 Zivilisten getötet worden sein. Bundesaußenminister Westerwelle machte Syriens Präsident Assad dafür verantwortlich. Der UN-Sicherheitsrat berät schärfere Sanktionen
  • 7

Beirut/WashingtonBundesaußenminister Guido Westerwelle hat Syriens Präsident Baschar al-Assad die Schuld an dem Massaker in dem Dorf Tremse gegeben. "Das Assad-Regime setzt schwere Waffen wie Hubschrauber, Geschütze und Panzer für grausame Gewalt, für einen regelrechten Krieg gegen das eigene Volk ein", sagte der deutsche Chef-Diplomat der Zeitung "Bild am Sonntag". "Das ist unsere klare Erkenntnis aus den Berichten über die Geschehnisse von Tremse." US-Außenministerin Hillary Clinton bezeichnete die syrische Führung offen als Mörder. Der Sondergesandte Kofi Annan forderte den wegen einer Blockade durch Russland und China gelähmten UN-Sicherheitsrat zu einem härteren Vorgehen auf.
Beobachter der Vereinten Nationen fanden in dem Dorf Blutspuren, zerstörte Häuser und eine niedergebrannte Schule vor. Der Angriff unter Einsatz von Artilleriegeschützen, Granaten und kleineren Waffen habe sich offenbar gezielt gegen Überläufer der Armee und Oppositionelle gerichtet, sagte ein Sprecher des UN-Einsatzes. Regierungsgegner sprachen von bis zu 220 getöteten Zivilisten.

Die syrische Führung wies die Darstellungen entschieden zurück und warf insbesondere Annan vor, sich voreilig geäußert zu haben. "Was passiert ist, war kein Massaker, es war ein Militäreinsatz", sagte der Sprecher des syrischen Außenministeriums, Dschihad Makdissi, am Sonntag in Damaskus. "Das waren Kämpfe zwischen Sicherheitskräften, deren Pflicht es ist, Zivilisten zu verteidigen, und schwer bewaffneten Kräften, die nicht an eine politische Lösung glauben."

Der Sprecher bestritt den Einsatz schwerer Waffen. Der Vorwurf sei schon allein deshalb nicht logisch, weil Tremse nur einen Quadratkilometer groß sei. "Wir befinden uns in einem Selbstverteidigungszustand, nicht in einem Angriffszustand." Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete unter Berufung auf Militärkreise, die Dorfbewohner hätten den Behörden anschließend für die Wiederherstellung der Sicherheit gedankt.

Regierungsgegner kritisierten dagegen wie schon im Falle früherer Massaker, etwa in Hula, das Vorgehen syrischer Soldaten und der Assad-loyalen Schabbiha-Milizen als extrem brutal. "Wir waren von vier Seiten umzingelt, mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, und über uns schwebten Hubschrauber", sagte ein Mann in einem Video, das am Samstag ins Internet gestellt wurde, und den Angaben zufolge in Tremse gefilmt worden war. "Sie verbrannten Menschen vor unseren Augen." Andere Oppositionelle berichteten über eine sieben Stunden lange Schlacht, nachdem Rebellen von außerhalb sich in die Kämpfe eingeschaltet hätten.

Auch UN-Beobachter hatten Kampfhubschrauber aus der Ferne beobachtet. Nach zwei Tagen Wartezeit erhielten sie am Samstag schließlich Zugang zu dem Dorf in der zentral-syrischen Provinz Hama. Am Sonntag wollten sie die Prüfung der Vorgänge fortsetzen. Die syrische Regierung erklärte, Sicherheitskräfte hätten 37 Kämpfer und zwei Zivilisten getötet.

Seite 1:

Westerwelle gibt Assad Schuld an Massaker in Tremse

Seite 2:

Annan am Dienstag bei Putin

Kommentare zu " Greueltaten in Syrien: Westerwelle gibt Assad Schuld an Massaker in Tremse "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Na, habt ihr jetzt totales Schreibverbot, sooft wie hier editiert wird? Kranke Meinungsfreiheit, Zwang des Schweigens … – Krank bitte editieren, ist ein sehr verwerfliches Wort nämlich.

    Dies wird natürlich mein Kaufverhalten der Papierausgabe beeinflussen, weil man davon ausgehen kann, dass auch dort gewaltig zugunsten irgendwelcher Protagonisten zensuriert wird. Eine Weile dürften euch die Gönner ja über Wasser halten, aber wie lange, ohne Leser, wenn dadurch die Werbeeinnahmen dahin schmelzen? – Mal sehn, vielleicht reicht Lobbyismus für Presseförderung, um über die Krise zu kommen. Hoffentlich kommt dann keiner an die Macht, der so denkt wie ich, weil dann Lobbyismus bekämpft und die Presseförderung als erstes gestrichen wird – für mehr Meinungsfreiheit!

  • Spätestens seit dem ersten Irak-Krieg durch Bush-Senior sollte doch jedem bewusst sein, wir wissen gar nichts. Es handelt sich doch nur noch um eine mediale Schlacht, auch dabei geht es ums liebe Geld. Welche Bilder, welche Geschichte stimmt denn nun? Verblüffend für mich immer, wie gut doch einige Leute in ihren Beiträgen über Details Bescheid wissen?????

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%