Griechenland-Anleihen
So hilft der Fiskus beim Schuldenschnitt

Der griechische Schuldenschnitt hat viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt. Nun gilt es, den Schaden zu begrenzen. Dabei hilft das Finanzamt. Es beteiligt sich an den Verlusten der Privatanleger.
  • 3

DüsseldorfWer griechische Staatsanleihen gekauft hat, muss mit herben Verlusten rechnen. Ein am 20. März fälliger Bond notierte gestern bei 26 Prozent. Wer also vor knapp drei Jahren die Anleihe bei ihrer Emission für 1 000 Euro erwarb, hätte gestern noch 260 Euro dafür bekommen. An seinem Verlust von 740 Euro beteiligt sich der deutsche Fiskus zu einem Viertel, weil dieser mit Zinsen oder Gewinnen aus sonstigen Börsengeschäften verrechnet werden kann. Seit Einführung der Abgeltungsteuer sind Veräußerungsgewinne unabhängig von der Haltedauer steuerpflichtig, Veräußerungsverluste können mit Gewinnen aus anderen Geschäften verrechnet werden. Der Steuersatz beträgt 25 Prozent. Wer seine Bonds vor 2009 gekauft hat, kann seine Verluste steuerlich nicht nutzen.

Nun hat die Regierung in Athen Anlegern jedoch angeboten, die jetzt eigentlich fällige Anleihe gegen neue Papiere umzutauschen. Vorausgesetzt, ein Investor nimmt das Angebot an, erhält er je 1 000-Euro-Anleihe einen neuen, bis zu 30 Jahre laufenden Griechen-Bond über 315 Euro, eine ein- bis zweijährige Anleihe des Euro-Rettungsschirms über 150 Euro sowie ein getrennt handelbares Papier, dessen Wert vom griechischen Wirtschaftswachstum abhängt. Nach offizieller Lesart ist das ein Schuldenschnitt von 53,5 Prozent.

Doch wie rechnet der Fiskus? Das ist noch nicht ganz klar. Für kommende Woche seien dazu Gespräche im Bundesfinanzministerium geplant, hieß es beim Bankenverband. Das Ministerium äußerte sich auf Anfrage nicht.

Relativ einfach wäre es, wenn die alten Anschaffungskosten einfach auf die neuen Anleihen übertragen würden. Abgerechnet würde zu dem Zeitpunkt, zu dem der Anleger die neuen Anleihen verkauft bzw. der Emittent sie bedient. Hat der Anleger also für 1 000 Euro gekauft und bekommt er irgendwann 465 Euro zurück, würde sein Verlust dann 535 Euro betragen; zwischenzeitliche Zinszahlungen wären steuerpflichtig.

Seite 1:

So hilft der Fiskus beim Schuldenschnitt

Seite 2:

Wie das Finanzamt wirklich rechnet

Kommentare zu " Griechenland-Anleihen: So hilft der Fiskus beim Schuldenschnitt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Man darf die Frage stellen, ob dieses Steuerrecht nicht grundsätzlich grundrechtswidrig ist. Banken schreiben die Verluste steuerwirksam ab. Wo bleibt die Gleichbehandlung und die Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit. Der Staat kassiert jahrelang Steuern aus Zinsen von den Kleinanlegern und verabschiedet sich dann wenn es Verluste gibt.

  • "Doch wie rechnet der Fiskus? Das ist noch nicht ganz klar. "

    Die griechischen Schulden ist das eine. Die Tatsache, dass Griechenland auch ohne Schulden selbständig nicht lebensfähig ist, ist das andere.

    Folgt man dieser Logik kann nach herrschender Meinung der Finanzbehörden hinter einem Investment in Griechenland-Anleihen keine Gewinnerzielungsabsicht stecken. Verluste aus dem Abschlag auf den Nennwert können daher steuerlich nicht gelten gemacht werden. Sollte man dieses Verständnis verlassen wollen, hat dies auch steuerliche Auswirkungen auf zahlreiche andere Geschäfte (beispielsweise auf die Besteuerung von fiktiven Zinsen, auch wenn diese nicht gezahlt werden).

  • Es gibt etwas Neues:

    http://ddpberlin.wordpress.com/

    Gegen den ESM - mitmachen und weiterleiten!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%