Griechenland-Drama
Die Angst vor dem Crash

G7, EZB, Bankenaufsicht: In den Politik- und Finanzmetropolen laufen die Telefone heiß. Was passiert, wenn morgen die Börsen öffnen? Nach dem Scheitern der Griechenland-Verhandlungen rechnen Börsianer mit Turbulenzen.
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DüsseldorfEin bisschen Humor darf auch in der schwärzesten Stunde der kurzen Geschichte der Währungsunion Platz haben. „Jetzt können wir die Institutionen endlich wieder Troika nennen“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, bei der Sitzung der 18 Euro-Finanzminister am Samstagabend in Brüssel. Der griechische Kollege Yanis Varoufakis war da schon abgereist, vorzeitig. Seine Regierung hatte darauf bestanden, dass das in Athen verhasste Trio aus EZB, Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission nicht mehr Troika genannt wird, sondern „Institutionen“.

Solche Wortklaubereien wirken harmlos gegen das, was der Euro-Zone und der EU nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Griechenland nun bevorstehen könnte. Griechenlands Hilfsprogramm läuft am Dienstag aus, am gleichen Tag muss Athen rund 1,5 Milliarden Euro Tilgung an den IWF zahlen - hat dafür aber kein Geld. 

Damit droht die Staatspleite und der Austritt Griechenlands aus dem Euro („Grexit“) - und unvorhergesehene Erschütterungen für die Gemeinschaftswährung und die Märkte. Die Finanzminister bereiten sich darauf vor: „Die Mitgliedsstaaten der Euro-Zone beabsichtigen, alle vorhandenen Instrumente zu nutzen, um die Integrität und Stabilität des Euro-Gebiets zu wahren“, heißt es in einer Erklärung nach den Beratungen. Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte: „Unsere Entschlossenheit wird den Euro stabil halten“.

An diesem Sonntag laufen eine Reihe von Krisengesprächen. Die wichtigsten Industriestaaten (G7) wollten im Laufe des Tages in einer Telefonkonferenz beraten, sagte ein Vertreter der Eurozone dem Handelsblatt. Das Gespräch solle auf Deputy-Ebene, also zwischen den Staatssekretären, stattfinden. Es diene vor allem dazu, die nicht-europäischen Regierungen über die Entwicklungen in der Griechenland-Krise zu informieren.

Zudem sei für Sonntag auch eine Telefonkonferenz der Europäischen Bankenaufsicht (SSM) geplant, erfuhr das Handelsblatt. Dort sitzen Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) und der nationalen Aufsichtsbehörden. In der Telefonschalte solle über die Lage der griechischen Banken und mögliche Auswirkungen auf das europäische Finanzsystem beraten werden, hieß es.

Auch der EZB-Rat befasst sich mit der Lage in Griechenland befassen. Am Abend sei zudem noch eine Telefonkonferenz der Euro-Arbeitsgruppe (Euro Working Group) geplant, erfuhr das Handelsblatt. Ihr gehören die Finanzstaatssekretäre der Euro-Staaten an.

Börsianer fürchten zu Wochenbeginn ein Beben an den Finanzmärkten. Ein Indiz dafür ist die Handelsplattform eines Anbieters für Differenzkontrakte (CFD) – Wetten auf die Kursänderungen von zugrunde liegenden Wertpapieren. Die Daten eines größeren CFD-Anbieters deuten am Sonntag an, dass der Dax am Montag mit einem Minus von bis zu vier Prozent in den Handel starten könnte. Die tatsächliche Kursentwicklung kann aber von diesen Werten abweichen.

„Der Dax wird am Montag mindestens 300 bis 400 Punkte tiefer eröffnen“, erwartet auch NordLB-Aktienstratege Tobias Basse. „Alles weitere hängt dann von der Nachrichtenlage ab.“ Die Verluste der griechischen Aktienmarkts würden voraussichtlich noch wesentlich deutlicher ausfallen. Dem Finanzexperten zufolge kam das Scheitern der Gespräche am Samstag überraschend. „Mit dieser Entwicklung hatte der Markt nicht gerechnet“, sagte Basse. „Sie erwischt die Anleger auf dem falschen Fuß.“

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