Griechenland droht Chaos-Woche
„Es wird knallen“

Zum Wochenstart bleiben Griechenlands Banken geschlossen, Tausende Griechen leerten am Sonntag die EC-Automaten. Viele schimpfen, dass Premier Tsipras sie mit einem Referendum vor die Wahl stellt – denn sie sind ratlos.
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AthenAls der Bankautomat an diesem frühen Sonntagabend anfängt zu rattern, ist Grigoris Erleichterung nicht zu übersehen. Der Endvierziger steht an einer Seitenstraße des zentral gelegenen Omonia-Platzes in Athen und greift am Ausgabeschacht zu seinem Geld.

„Das dient nur der Sicherheit“, behauptet der großgewachsene Mann, der heute erneut sein Tageslimit von einigen hundert Euro abgehoben hat. Eigentlich könne er sich ja immer noch nicht vorstellen, dass Griechenland nach der Volkbefragung am kommenden Wochenende tatsächlich die europäische Gemeinschaftswährung aufgeben wird – und es eine Rückkehr zur Drachme gibt. „Ich rechne aber damit, dass es zumindest vorübergehend trotzdem knallen wird – und es ab Montag Probleme bei der Versorgung mit Bargeld geben dürfte“, prognostiziert Grigoris.

Seine Hoffnung: „Nach einem Erdbeben zum Wochenstart an den Finanzmärkten werden die Politiker auf beiden Seiten schon wieder reumütig an den Verhandlungstisch zurückkehren.“ „Und selbst wenn es zum Referendum kommt“, ergänzt er. „werden wir für den Verbleib unserer Heimat in Europa und in der Eurozone stimmen!“

Eine aktuelle Umfrage scheint dem Ingenieur zumindest was die Tendenz des Abstimmungsergebnisses angeht, recht zu geben: Demnach spricht sich derzeit eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent der Griechen für eine Verhandlungslösung des Konfliktes mit den internationalen Geldgebern aus – selbst wenn dies weitere finanzielle Einschnitte für Hellas bedeuten würde.

Nur 29 Prozent lehnen weitere Zugeständnisse ab. Das zeigt eine heute Nachmittag veröffentlichte Erhebung, die im Auftrag der Zeitung „Proto thema“ (Erstes Thema) am Freitagabend durchgeführt worden ist – kurz bevor der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras überraschend die am kommenden Sonntag anstehende Volksbefragung ankündigte.

Auf dieses Manöver reagierten die Griechen mit Überraschung, Ratlosigkeit und Sorge. Nicht nur Grigoris hat den an diesem Tag ein Bank-Terminal angesteuert. In Thessaloniki spuckten einige Automaten kein Geld mehr aus, dafür wurde die Schlange vor der Nationalbank immer länger. „Ich habe einen Laden. Ich brauche das Geld, um ihn am Laufen zu halten“, sagt die 42-jährige Maria Kalpakidou. „Wenn wir bis 4. Juli kein Abkommen haben, wird unser Bankensystem zusammenbrechen“, glaubt sie.

Der 52-jährige Nikos stimmt ihr zu: „Es gibt eine Menge Angst vor dem, was passieren wird.“ Er habe beim letzten Mal Syriza gewählt, sagt er: „Aber wir haben für sie gestimmt, damit sie entscheiden, und nicht, damit sie die Verantwortung uns übertragen.“

Giannis Monogios, ein junger Händler, ist genervt: Die Regierung sei „unverantwortlich und heuchlerisch“, schimpft er. „Was bedeutet schon ein Ja oder Nein zu Maßnahmen, wenn wir die Konsequenzen nicht kennen?“ Auch Amalia Notara hält die Regierung für feige: Das Referendum sei eine „indirekte Form, Nein zu sagen, ohne die Verantwortung zu übernehmen“.

Die Schlangen vor den Geldautomaten sind verständlich, denn wie am Abend bekannt wurde bleiben die griechischen Banken vorerst geschlossen. Das bestätigte Ministerpräsident Alexis Tsipras in Athen. Gleichzeitig beteuerte der Regierungschef, die Ersparnisse, Löhne und Renten der Bürger seien „garantiert“.

Zuvor hatten die Europäische Zentralbank (EZB) und die Euro-Staaten die griechische Regierung gedrängt, Kapitalverkehrskontrollen zuzustimmen und eine vorübergehende Schließung der Banken zu prüfen. Die Entscheidung der EZB, die so genannten Ela-Notkredite bei rund 90 Milliarden Euro einzufrieren, soll den nötigen Druck erzeugen, erfuhr das Handelsblatt aus Notenbankkreisen. Denn dieser Rahmen sei bereits ausgeschöpft. Die Banken wären also nur „begrenzt auszahlungsfähig“, sollten sie am Montag öffnen, hieß es.

Ohne eine Erhöhung des Ela-Rahmens sollten die Banken nicht eröffnen, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter eines Euro-Staates. „Sie sollten am besten für eine Woche geschlossen bleiben.“

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„Die wollen uns nur reinlegen“

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  • Hier wird es auch noch knallen. Heute Abend . Bei diesen Temperaturen von um die 40 Grad . Ajijaijai.....

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