Griechenland
Ex-SoFFin-Mitglied für Schuldenschnitt

Gerhard Stratthaus rechnet nicht damit, dass Griechenland seine Schulden bedienen kann. Das frühere SoFFin-Mitglied plädiert für offene Karten bei der Bewältigung der Krise und für einen Schuldenschnitt.
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FrankfurtDas frühere Mitglied des Bankenrettungsfonds SoFFin, Gerhard Stratthaus, hat für einen Schuldenschnitt Griechenlands plädiert. „Es ist höchste Zeit, das endlich mal ein klarer Schnitt gemacht wird“, sagte Stratthaus am Mittwoch in einem Radio-Interview mit WDR 5. Es wisse inzwischen jeder, dass Griechenland nicht in der Lage sein werde, seine Schulden zu bedienen und zurückzuzahlen. „Deshalb sollte man da mal mit ganz offenen Karten spielen“.

Der ehemalige baden-württembergische Finanzminister verwies auf den Vorschlag von Commerzbank-Chef Martin Blessing, den dieser am Dienstag gemacht hatte. „Man müsste ganz klar einen Abschlag machen - Herr Blessing hat 30 Prozent vorgeschlagen - das heißt, Griechenland hätte 30 Prozent weniger Schulden, auf der anderen Seite hätten natürlich alle Inhaber der Staatspapiere 30 Prozent verloren.“ Die restlichen Schulden Griechenlands müssten dann wahrscheinlich über eine sehr lange Zeit niedrig verzinst und von den europäischen Staaten garantiert werden.

„Das Problem ist dann aber, Griechenland muss seine Wirtschaft in Ordnung bringen. Aber die haben dann eine sehr lange Zeit“, sagte Stratthaus. Weniger Sorgen als Griechenland bereitet dem CDU-Politiker Italien. „Ich bin der Meinung, Italien kann seine Probleme in den Griff bekommen“.

Sorgen um eine Ausweitung der Schuldenkrise auf die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hatten in den vergangenen Tagen die Finanzmärkte durchgerüttelt und die Renditen der italienischen Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 14 Jahren getrieben. Italien sei mit Griechenland nicht zu vergleichen, sagte Stratthaus. Der Staat habe hohe Schulden, die Privatleute und die Wirtschaft seien aber nur ungefähr so hoch verschuldet wie in Deutschland. Italien habe objektiv nicht zu viele Schulden. „Dazu kommt, dass die Schulden in Italien über einen sehr langen Zeitraum laufen“. Daher habe das Land Zeit, seine Wirtschaft in Ordnung zu bringen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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