Griechenland-Folgen
Ackermann warnt vor Italien-Pleite

Vielen Politikern dürften die jüngsten Drohungen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bitter aufstoßen. Ein Hilfestopp für Griechenland würde harte Folgen nach sich ziehen – für andere Krisenländer, warnte er.
  • 83

ZürichDie Aufstockung des Euro-Rettungsfonds EFSF hat grünes Licht vom deutschen Parlament. Die Debatte, ob es Sinn macht, das hochverschuldete Griechenland zu retten, geht weiter. Bei einem Vortrag in Zürich vertrat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann eine Meinung, die vielen deutschen Politikern und Ökonomen nicht gefallen dürfte.

Denn Ackermann plädierte dafür, Griechenland noch lange Jahre finanziellen Beistand zu leisten. "Wir haben nur eine Wahl", sagte Ackermann vor der Schweizerischen-Amerikanischen Handelskammer in Zürich, "wir müssen Griechenland bei der Deckung seiner finanziellen Bedürfnisse helfen." Die Schulden müssten "Schritt für Schritt" abgebaut werden. Ackermann warnte davor, mit einem brutalen Schuldenschnitt die schnelle Lösung herbei führen zu wollen, wie es zahlreiche Ökonomen in Deutschland predigen.

Denn dann sei es nötig, ein Übergreifen der Krise auf andere Eurostaaten wie Italien oder Spanien zu vermeiden. "Und das wird sehr, sehr schwer und viel teurer werden", so der Deutsche Bank Chef. Um den Eurorettungsfonds EFSF auf solch einen Fall vorzubereiten, müsste die Finanzkraft des Fonds "dramatisch erhöht werden", sagte er.

Die Sorge vor einer Pleite Griechenlands treibt die Finanzszene weiter um. Das Problem ist dabei nicht Griechenland selbst, sondern die Eindämmung der Folgen auf andere Euro-Mitglieder. So dürften Großinvestoren in den USA und Asien sich fragen: Wenn die Eurozone Griechenland fallen lässt, wer wird der nächste sein? Dann dürften hoch verschuldete Staaten wie Italien große Probleme haben, für neue Staatsanleihen noch Käufer zu finden oder Italien müsste so hohe Zinsen zahlen, dass das Land in die Zahlungsunfähigkeit getrieben wird. Angesichts eines Schuldenberges von 1900 Milliarden Euro wäre eine Pleite Italiens eine Katastrophe, die die Welt in eine tiefe Rezession zu reißen droht.

Seite 1:

Ackermann warnt vor Italien-Pleite

Seite 2:

Griechenland vor langer Durststrecke

Kommentare zu " Griechenland-Folgen: Ackermann warnt vor Italien-Pleite"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Thomas-Melber-Stuttgart:
    Kann man die italienischen Staatsschulden nicht in ein "Bad Italy" - beginnend südlich von Rom - auslagern?

    Ackermann hat sicher einen besseren Vorschlag: Stilecht in Ackermanns Luxushotel Cosmopolitan im Zockerparadies Las Vegas auslagern !

    BadZ 19.10.2011 berichtet aus LAS VEGAS:
    Im Zockerparadies verzockt

    Die Deutsche Bank macht in Las Vegas neue Erfahrungen mit dem sogenannten Kasinokapitalismus.

    Deutschlands größtes Geldhaus macht derzeit seine eigenen Negativerfahrungen mit dem Kasinokapitalismus. In Las Vegas versenkte die Deutsche Bank ungefähr so viel Geld wie sie in Anleihen der Schuldenländer Europas zusammengenommen steckte.

    Zur Eröffnung des Cosmopolitan im Dezember spielten Beyoncé, Coldplay und Jay-Z. Zwölf Millionen Dollar ließ sich der Bauherr des Luxushotels im neuen Citycenter von Las Vegas die Glitterparty kosten. Dies war eine Kleinigkeit gemessen an dem Gesamtpreis des futuristischen Hochhauspalasts aus Glas, Stahl und Beton.

    4,8 Milliarden Dollar investierte die Deutsche Bank. Vergleichbar ist diese Summe mit den Anleihen, die das Finanzinstitut aus Griechenland, Spanien, Italien, Irland und Portugal zusammen hält. PIIGS-Staaten.


  • @ holbeinpferdchen:"Der Strippenzieher Ackermann erklärt, es werde 10 Jahre dauern, bis die Griechen ihre Schulden auf 100 % ihres BSP zurückgeführt haben werden.

    Was Ackermann nicht sagt, ist wieviele -zig Milliarden dies den deutschen Steuerzahler bis 2020 kosten wird. Darüberhinaus ist sein Optimismus, die griechische Staatsschuldenkrise in 10 Jahren lösen zu können, durch nichts begründbar."

    (1) Es ist keine StaatsSCHULDENkrise, sondern eine Staats-GLÄUBIGERkrise. Die französischen GLÄUBIGER-Großbanken crashen bald zu handlichen schnuckeligen Einheiten. Das haben sie verdient, weil sie die bairische Gewerbeordnung für Geldleiher nicht beachtet haben. Dafür werden sie jetzt von den Ratingagenturen bestraft. Griechenland bleibt aber auf der Landkarte erhalten.
    (2) Wenn es jetzt die Deutsche Regierung endlich richtig anpackt, dann brauchen wir ab 1.1.2012 nichts mehr zu bezahlen. Dann zahlen die Griechen ihre Schulden selbst. Denn die Griechen haben das größte Pro-Kopf-Vermögen aller Euroländer, allerdings nicht zuhause, sondern weltweit gebunkert, allein in der Schweiz über 200 Milliarden Euro, da lägen sie heute schon weit unter 100 % BIP.
    BILD hat heute aufgedeckt, dass die Griechen betrügerischen Bankrott zu unseren Lasten betreiben.
    Dabei wurden sie bekanntlich schon von GoldmanSachs zu Mario Draghis Zeiten unterstützt, und jetzt hat IIF-Ackermann ein Interesse daran, dass dieser betrügerische Bankrott weitergeht, solange wir Deutsche bezahlen.
    (3) Kürzlich hat die Allianz eine Studie veröffentlicht,
    dass die Italiener und Iren reicher als die Deutschen sind, und so ihre Schulden selbst tilgen können !

  • @ schnullman: "Alles nur Wunschdenken und Verschleppung der Realität !
    Wie soll Griechenland auch mit schärfsten Sparbemühungen die Schulden abbauen, wenn so "starke Nationen wie wir" dieses unter normalen Bedingungen nicht schaffen ??? "

    Hallo Schnullerman, Sie haben wohl noch nicht geschnullt, was Sache ist? Schauen Sie ausnahmsweise mal in die heutige BILD:

    Auf Konten in der Schweiz
    GRIECHEN BUNKERN 200 MILLIARDEN EURO !

    Die Griechen sind so reich, dass sie sich die "schärfsten Sparbemühungen" echt sparen können. Sie brauchen nur eine Rücküberweisung auf ihre Heimatbank veranlassen, Steuern und Strafe wg. Steuerhinterziehung nachbezahlen und von dem Verbleibenden solidarisch Griechische Staatsanleihen von unseren deutschen Staats- und Landesbanken zurückkaufen!

    Übrigens: Dann brauchen wir auch keine EFSF, ESM und all diese luxemburgischen Faxen-Faxilitäten!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%