Griechenland-Folgen
„In drei Jahren könnte uns der Euro um die Ohren fliegen“

Was ist der Wahlsieg der Euro-Befürworter in Griechenland wert? Die Euphorie an den Märkten ist bereits verpufft. Die EU-Partner setzen aber große Hoffnung in eine neue Regierung in Athen. Zurecht?
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BerlinWas nun Griechenland? Nach dem Wahlerfolg der pro-europäischen Kräfte in Griechenland muss die Regierung in Athen die eingeleiteten Reformen nach dem Willen der Europäischen Union rasch umsetzen. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Der voraussichtliche neue Regierungschef Antonis Samaras will die Reformschraube lockern. Es müsse Anpassungen an dem Hilfsprogramm geben, um das Volk von der quälend hohen Arbeitslosigkeit und anderen Härten zu entlasten, erklärte der Vorsitzende der konservativen Partei Neue Demokratie am Montag in Athen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wies die Forderung nach Aufweichungen zurück, verwies aber auf eine mögliche Teilhabe des Landes an Impulsen aus dem geplanten europäischen Wachstumsprogramm. Anders als Merkel zeigte sich Außenminister Guido Westerwelle gesprächsbereit. Zwar sei die Substanz der Reformen nicht verhandelbar. Im Deutschlandfunk fügte er aber hinzu: „Wir sind bereit, darüber zu reden, was den Zeitplan angeht, denn die verlorenen Wochen, die kann man nicht ignorieren, und wir wollen ja nicht, dass die Menschen darunter leiden, die jetzt auch natürlich ein ganz schwieriges Leben haben, weil viele Reformen in der Vergangenheit unterlassen worden sind.“

Westerwelles Vorstoß ist nicht unumstritten. Der Fondsmanager und Wirtschaftsprofessor Max Otte reagierte allerdings wenig überrascht, zumal er nicht davon ausgegangen war, dass die Griechen sich an der Wahlurne gegen den Euro entscheiden würden. Zudem sei er sich gewesen, dass die europäische Politelite Griechenland „auf jeden Fall“ in der Euro-Zone werde wollen, selbst wenn die Kommunisten die Nase vorn gehabt hätten. „Jedes kleinste Zugeständnis seitens der Griechen wird genutzt werden, um weitere Mittel zu mobilisieren“, sagte Otte Handelsblatt Online. Nun werde das Festhalten am Euro leichter. „Herr Westerwelle liegt damit genau in meinem Prognosekorridor. Sein Verhalten war absolut absehbar.“

Auf komplettes Unverständnis stößt Westerwelle mit seinem Vorstoß beim Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. „Die Staatengemeinschaft ist Griechenland bereits weit entgegen gekommen, sie hat sogar ein zweites Hilfspaket geschnürt, obwohl sich Griechenland nicht an die Auflagen des ersten Pakets gehalten hat“, gab Krämer im Gespräch mit Handelsblatt Online zu bedenken. „Um den Rest ihrer Glaubwürdigkeit zu erhalten, sollte die Staatengemeinschaft keine weiteren Konzessionen machen.“ Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro würde überdies die Existenz der Währungsunion wohl nicht gefährden.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bekräftigte am Montagabend seine Forderung, das Griechenland verordnete Reformprogramm zeitlich zu strecken. Man müsse sich „darüber unterhalten können, ob wir Griechenland nicht einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellen können, um dieses Anpassungsprogramm, das substanziell und inhaltlich nicht verändert werden kann, zum Erfolg zu führen“, sagte er im ZDF.

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Kommentare zu " Griechenland-Folgen: „In drei Jahren könnte uns der Euro um die Ohren fliegen“"

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  • Das dauert nicht mehr bis zum Ende des Jahrzehnts, der Supergau kommt früher

  • Herr Otte hat völlig Recht.
    Aber wo nur Dilettanten in der Politik sind, kann man nicht werwarten, dass diese auf Fachletue hören.
    Unsere Politiker umgeben sich leiber mit willfährigen selbsternannten "Experten"

  • „In drei Jahren könnte uns der Euro um die Ohren fliegen“

    Warum erst in drei Jahren? Er fliegt doch jetzt schon.
    Ja, viele der Zeitgenossen in Vollnarkose merken"s vielleicht erst in drei Jahren, falls sie dann gerade aus ihren Träumen erwachen.

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