Griechenland-Hilfen
Ein dreifaches Nein nach Athen

Griechenland soll neue Kredite aus Europa bekommen. Es gibt drei naheliegende Gründe, warum diese Entscheidung in dieser Phase der Verhandlungen mit Brüssel falsch ist. Ein Kommentar.
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DüsseldorfNeues Geld für Griechenland? Eine breite Mehrheit im Bundestag wird dafür stimmen, nachdem Athen nun den Brief mit Einzelheiten zu geplanten Reformen vorgelegt hat. Aber ich frage mich, wo eigentlich meine Meinung vertreten wird. Denn ich sage nein, dreimal nein.

Das erste Nein liegt darin begründet, dass ich nicht mehr durchsteige. Wir haben bei Handelsblatt Online in der vergangenen Woche nachgeforscht, wie viel Geld aus Deutschland in Athen gelandet ist, wie hoch die Zinszahlungen dafür ausfallen, und bis wann die Kredite getilgt werden sollen. Das sind Fragen, die jeder Bauherr aus dem Effeff beantworten kann, wenn er sich Geld von der Bank leiht. Jeder Unternehmer, der eine Finanzierung zusammenstellt, hat Antworten auf diese Fragen im Schlaf parat.

Griechenland hat sie nicht. Auch Deutschland, die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) als Vertreter der Gläubiger haben sie nicht. Schon unsere Frage danach, wie viel Geld denn bislang überhaupt im Feuer ist, brachte unsere Ansprechpartner in Deutschland ins Schwitzen. Meiner Vorstellung vom Umgang unter Kaufleuten entspricht dieser Zustand nicht. Wo so wenig Durchsicht herrscht, möchte ich nicht mehr Geld für diesen Zweck aus meinen Steuern bereitstellen.

Das zweite Nein liegt daran, dass ich kein Vertrauen in die griechische Reformfähigkeit habe. Die Regierung von Ministerpräsident Tsipras ist mit dem Versprechen an die Macht gekommen, dass sie spürbare Reformen zurücknimmt. Tsipras selbst spricht seit den Verhandlungen der vergangenen Tage von einer „Schlacht“, die er gewonnen hat. Das können wir nur so interpretieren, dass er sich seinen Zielen näher sieht als vorher.

Über das Reformpapier seiner Regierung war lange nur bekannt, wo sie die Einnahmen erhöhen will, bei den Steuern für Reiche zum Beispiel  oder bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung. Das sind wohlfeile Vorhaben – aber nur die eine Seite der Medaille.

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Kein schlechtes Geld gutem hinterherwerfen

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  • Der Wirtschaftsweise Lars Feld erwartet ein 3. "Hilfspaket" für Athen.
    In einem Interview mit "Bild" (26.02.14) erklärte Feld: "Griechenland benötigt allein von Juli bis Oktober mehr als 10 Milliarden Euro. Da das Land an den Kapitalmärkten keine Kredite bekommt, führt an einem 3. Hilfspaket kein Weg vorbei."

    Die griechische Regierung benötigt diese "Hilfspaket" von mehr als 10 Milliarden Euro um weiter ihre Zinsen an die Gläubiger (internationale Bankster) zahlen zu können!

    Schäuble die Bankstermarionette hat nie den Euro oder die Menschen in Griechenland gerettet!

    Gerettet (mit unseren Steuern) werden nur die reichen Gläubiger der Staaten, internationale Bankster und die Finanzeliten, auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger. (Steuer- bzw. Zinssklaven)

    Die eigentliche Ursache der Krise wird in den Lügenmedien nie debattiert.
    Die Anpassung an das Schuldgeldsystem der Bankenmafia, wird als "alternativlos" hingestellt.

    Die wenigen Damen und Herren der Welt, die sich als "Master of Univers" verstehen, kennen nur die öffentliche Verschuldung, verdammen Griechenland und diktieren den Gesellschaften ein kaltes Einspar- und Kürzungsprogramm, das die betroffenen Menschen demütigt und hoffnungslos macht. Zum Kern wollen sie nicht vorstoßen.

    Was wir brauchen, ist eine Bewegung, die gegen die Uninformiertheit der Bürger und gegen das Schuldgeldsystem bzw. Geldmonopol der Bankenmafia ankämpft.
    Gegen die Entleerung der Demokratie durch die globalen Bankster und ihre Konzerne für mehr soziale Demokratie und eine starke Zivilgesellschaft.

    Warum erfahren wir in den Lügenmedien nichts über das Geldmonopol bzw. Schuldgeldsystem der Bankenmafia?

    Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien AGs?

    Jeder der das nicht versteht, sollte im Internet nach "Schuldgeldsystem", "Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Krise" oder "Goldschmied Fabian" suchen.

  • Ich glaube, Herr Stock hat Angst davor, dass die erst wenige Wochen (!) im Amt befindliche Regierung mit ihrer Politik (gerechte Besteuerung der Reichen, Verfolgung der Steuerhinterzieher, mehr Geld für die Armen etc.) erfolgreich sein könnte und beispielhaft für andere Länder sein könnte.

  • Das war eine Chance, auch wenn Tsipras seinen Wählern das "Blaue vom Himmel" versprochen haben mag.
    Es war eine Chance, die tiefgreifenden Probleme eines EU-Mitglieds als mit hausgemacht zu verhandeln.
    Statt darüber innezuhalten, wohin der Kahn gesteuert wird, wurde ein ruinöser Kurs gehalten, der sich darin zu gefallen scheint Probleme weiterzuvertagen.

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