Griechenland-Krise
Experten rechnen mit Umschuldung schon im Juni

Schon in wenigen Wochen wird Griechenland um eine Schuldenstreckung bitten - und um einen neuen Scheck aus Brüssel, warnt eine Studie der Commerzbank. Kann ein härteres Sparprogramm Athen noch retten?
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DüsseldorfUnd täglich grüßt die Schuldenkrise: Ein Jahr nachdem die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) Griechenland mit 110 Milliarden Euro vor dem Bankrott gerettet haben, werden eine Umschuldung und neue Finanzhilfen an das marode Land immer wahrscheinlicher. Schon in den nächsten Wochen würden die Euro-Staaten Griechenland ein neues Hilfspaket in Höhe von 50 bis 60 Milliarden Euro schnüren, um das Land bis 2013 durchzufinanzieren, analysiert die Commerzbank in einer neuen Studie. Dieses neue Paket werde mit einer sanften Umschuldung garniert: Gläubiger müssten sich auf längere Laufzeiten für ihre Anleihen einstellen, schreibt die Bank.

Der Grund für diese düstere Prophezeiung ist einfach: Den Griechen geht schlicht das Geld aus. Auch wenn die bisher vereinbarten Hilfskredite fließen könne Griechenland noch in der zweiten Jahreshälfte pleite gehen, sollte es nicht weiter die Staatsausgaben senken oder sich neue Einnahmen verschaffen, sagt die Commerzbank voraus. Denn der IWF und die EU haben wegen der akuten Finanzlage eigentlich für 2011 geplante Hilfszahlungen schon 2010 ausgezahlt. Schon im letzten Jahr hat Griechenland deshalb 13,2 Milliarden Euro mehr bekommen, als eigentlich geplant - dieses Geld fehlt nun.

Und auch beim Sparen hinkt Griechenland hinterher: Eigentlich sollte das Haushaltsdefizit 2011 auf 7,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken - nur dann reichen die bewilligten Kredite, um den Finanzbedarf zu decken. Um die Lücke zu schließen, will Griechenland bis 2015 Privatisierungen in Höhe von 50 Milliarden Euro vornehmen. Doch die Haushaltslücke ist in den ersten Monaten des Jahres nicht geschrumpft, sondern gewachsen: In den ersten vier Monaten des Jahres fehlten bereits 1,2 Milliarden Euro Steuereinnahmen in der Staatskasse.

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  • Immer mehr Details der kommenden Umschuldung sickern durch. Entsprechend deutlich fällt der Eurokurs. Die geplante sanfte Umschuldung ist dabei erneut ein Betrug am Bürger, denn sie verschiebt Risiken und vergrößert langfristig Schuldenprobleme. Sie ist eine Lost-Lost-Situation sowohl für die Geberländer wie Deutschland als auch für das Nehmerland Griechenland. Wir können nur hoffen, dass die Bürger in Griechenland diese schleichende zerstörung ihres Landes und seiner Bürger nicht mehr tatenlos hinnehmen. Viel zu lange wurde ihnen bereits eingeredet, dass sie durch Sparanstrengungen etwas retten können. Das können sie nicht. Sie bedienen nur die immer monströsere Finanhydra, die ihnen die Luft abschnürt. Griechenland muss endlich trotzig sein NEIN zu jeglichen weiteren Kürzungen aussprechen, damit dieses Unglückssystem Euro endlich als Ganzes auseinanderbricht und den Weg freimacht für einen europäischen Neubeginn. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass auch für Deutschland die Transferlast erdrückend wird.

  • Diesem Gerücht braucht man nicht nachzugehen, es ist wahr. Schäuble hat die deutschen Banken im Glauben an europäische Solidaritätsprinzipien zum Halten der Anleihen verpflichtet. Frankreich, das erst für die unseglichen Rettungsschirme durch Erpressung und Täuschung der Bundesregierung sorgte, hat das Gegenteil getan: französische Banken haben sich im großen Stil von ihren Risikoanleihe getrennt und sind nun wie ihre geretteten irischen Istitute fit, deutsche Banken in der nun anlaufenden Krisenphase mit Kreditausfällen zu übernehmen. Vielen Dank Frau Merkel & Co. für ihre weitsichtige und wie immer solidarische Politik.

  • Eine Interessante Meinung und sichtweiße der Dinge:
    Die Währung ist für den Bürger da
    Die Währung ist nicht dazu da, überschuldete Staaten oder von Insolvenz bedrohte Banken zu retten.
    Und wenn letztere an den Kosten des von ihnen mit verschuldeten Debakels beteiligt werden sollen (was sogar ein Muss ist), dann bitte, Frau Merkel, sofort handeln und nicht auf Termin.
    Denn diese Ankündigung treibt die Kosten der Sanierung nur noch weiter in die Höhe.
    Die Währung ist für den Bürger da. Sie ist das Instrument seiner Freiheit, der Sicherung seiner wirtschaftlichen Existenz und der Zukunft seiner Kinder.
    Ohne stabiles Geld gedeihen weder Rechts- noch Sozialstaat, weder unsere Marktwirtschaft noch überhaupt eine intakte Bürgergesellschaft.
    An diesen Werten versündigen sich diejenigen, die einem Euro das Wort reden, der durch Milliarden neu und inflatorisch gedruckten Geldes und die Steuergroschen der Bürger gerettet werden soll.
    Glaubt denn eine Zentralbank wie die Europäische ernstlich, sie könne die ihr anvertraute Währung stabilisieren und die Finanzmärkte beruhigen, indem sie immer neues Öl in ein glimmendes Inflationsfeuer gießt?
    Glaubt denn der deutsche Finanzminister wirklich, er könne zu Hause sparen und zugleich Europa immer neue Steuerkredite zur Stützung des Euro bewilligen?
    Ist man ein “erbitterter DM-Nationalist” – so der parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium zum Verfasser – wenn man für das Ende dieses unsäglichen Abenteuers plädiert?
    Der Euro ruiniert nicht nur Deutschland, sondern Europa – und das muss aufhören.
    Alternativlos.
    Danke

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