Griechenland-Krise
„Heute ist ein schöner Tag“

Tiefenentspannt starten Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis in Griechenlands Schicksalswoche. Das lässt die Unsicherheit bei den Geldgebern wachsen. Immerhin gibt Athen bei einer Forderung der Gläubiger nach.
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BrüsselIm Terminkalender steht keine Verhandlungsrunde in Brüssel und auch kein Krisengipfel in Berlin. Dazu 32 Grad und Sonnenschein. Tiefenentspannt – so geben sich die politisch Verantwortlichen am Montag in Athen. Als wäre nicht die Schicksalswoche angebrochen, an deren Ende der Austritt des Landes aus dem Euro-Raum stehen könnte.

Geduld will Regierungschef Alexis Tsipras mit den Gläubigern haben, damit die Geldgeber von EU, IWF und EZB auch reichlich Zeit finden, über die griechischen Vorschläge zur Lösung der Schuldenkrise nachzudenken. Und sein Finanzminister Yanis Varoufakis sagte dem Sender der regierenden Linkspartei Syriza „Sto Kokkino“: „Heute ist ein schöner Tag. Die Sache ist kristallklar: Endlich sind wir an den Punkt gelangt, wo die Partner Entscheidungen treffen müssen.“

Immerhin signalisierte die griechische Regierung nach dem Scheitern der jüngsten Verhandlungsrunde und dem Absturz der Börse auch ihrerseits neue Einigungsbereitschaft. „Einziges Ziel der Regierung ist ein Abkommen“ mit den Geldgebern, und er hoffe auf eine rasche neue Kontaktaufnahme, sagte Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis.

Eine EU-Kommissionssprecherin sagte in Brüssel, Athen habe nach langem Widerstand ein Primärüberschuss-Ziel von einem Prozent für 2015 akzeptiert, allerdings noch nicht die dafür notwendigen Maßnahmen. Bislang hatte Athen auf einem Primärüberschuss-Ziel von 0,75 Prozent beharrt, was dem Land geringere Einsparungen abverlangen würde.

Nach dem Scheitern der jüngsten Brüsseler Verhandlungsrunde am Wochenende sagte EU-Kommissionssprecherin Annika Breidthardt, es gebe „bedeutende Meinungsverschiedenheiten“. Griechenland habe sich nicht bewegt, während die Kreditgeber substanzielle Zugeständnisse gemacht hätten. „Das ist keine Einbahnstraße“, sagte sie.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras stellte die Lage anders da und machte die Kreditgeber verantwortlich. Die Eurogruppe und der IWF hätten neue Rentenkürzungen gefordert, was Athen abgelehnt habe. Nach Angaben aus Regierungskreisen gibt es zudem Streit über eine geforderte Mehrwertsteuererhöhung und die Höhe des Haushaltsüberschusses nach Abzug des Schuldendiensts.

„Es geht hier nicht um ideologischen Starrsinn“, schrieb Tsipras in der Zeitung „Efimerida Ton Syntakton“. „Es geht um Demokratie. Wir werden geduldig darauf warten, dass die Institutionen Realismus zeigen.“ EU-Kommissionssprecherin Breidthardt legte Wert auf die Feststellung, dass nicht einzelne Renten gekürzt werden sollen, das sei eine falsche Darstellung. Vielmehr gehe es um eine Reform des sehr teuren Rentensystems insgesamt.

Kommentare zu " Griechenland-Krise: „Heute ist ein schöner Tag“"

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  • Ich frage mich, ob sich jemand im Brüsseler Durcheinander nationaler Egoismen Gedanken macht, was für ein jämmerliches Bild die EU bei ihren Bürgern gerade abgibt. Erpressbar, schwach, handlungsunfähig, weil immer irgendein Mitglied gegen irgendetwas ist.
    Das kommt von dieser Scheckbuch-Politik, immer alle mit Geld beschwichtigen zu wollen.
    Die EU hat keine Prinzipien und wenn sie welche verkündet, werden sie bei nächster Gelegenheit wieder aufgeweicht, weil irgendein Mitglied ein Problem hat. Das einzige, was die Europäer anscheinend zusammen hält, ist das Geld, das es zu verteilen gibt. Das scheint auch die besondere Attraktivität für die zu sein, die gerne Mitglieder wären.
    Island will nicht mehr in die EU, Großbritannien muss darüber abstimmen, ob es Mitglied bleibt, aber die bankrotte Ukraine wäre sehr gerne Mitglied.
    Muss einem das nicht zu denken geben?
    Was für eine Identität haben wir als Europäer? Ganz abgesehen vom Scheckbuch?
    Die neue griechische Regierung wollte ein neues Europa der Gerechtigkeit, wobei man sich selbst natürlich auf der Nehmerseite sieht. Als Geber, z.B. gegenüber den noch ärmeren osteuropäischen Staaten oder den Flüchtlingen, steht das Thema Gerechtigkeit nicht auf der griechischen Tagesordnung.
    Da sind wir wieder beim Europa der nationalen Egoismen, ein schwaches Gebilde, auf das ihre Bürger alles andere als stolz sein können.
    Prinzipienlos, eben.

  • Wenn die Quallen Merkel und Juncker wenigstens nur die Hälfte des Rückgrates dieser zwei griechischen Politiker besäßen....! Und die Dummschwätzerei eines Schutz bei Günter Jauch haben den Griechen doch die letzte Gewißheit verschafft, daß besonders die Deutschen am Ende den Preis zu bezahlen haben. Gut gepokert!

  • Kein Schurke(nstaat) ist groß genug, um nicht anschließend und wieder und immer wieder von seinen gutmenschlichen Opfern aufgehoben und gehätschelt zu werden. (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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