Griechenland-Krise
Ratingagenturen erteilen „sanfter Umschuldung“ eine Abfuhr

Egal ob "freiwillige" oder erzwungene Griechen-Umschuldung - pleite ist pleite, meinen die Ratingagenturen. Dass Banken beim Rettungspaket 2.0 wie der Steuerzahler mitbluten, wird immer unwahrscheinlicher.
  • 27

SingapurIn der verfahrenen griechischen Schuldenkrise setzen Europas Politiker, allen voran der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, auf einen vermeintlichen Rettungsanker: Banken sollen sich "freiwillig" an den Kosten eines zweiten Rettungspakets für Griechenland beteiligen, indem sie ihre Anleihen in neue Papiere mit längerer Laufzeit umtauschen.

Der Finanzminister will dem Steuerzahler damit neue Milliardenzahlungen an Athen schmackhaft machen. Denn nicht zuletzt dient die Rettung Griechenlands mit deutschem Steuergeld der Rettung von Europas Banken und Versicherungen - sie sind der größte Gläubiger griechischer Staatsschulden.

Ein Zahlungsausfall in Athen könnte verheerende Folgen für die Geldhäuser und damit das globale Finanzsystem haben - möglicherweise noch verheerender als der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, der die Finanzkrise auslöste.

Schäuble muss deshalb die Quadratur des Kreises versuchen: Er will, dass nicht nur der Steuerzahler, sondern auch die Banken einen Teil der Griechenland-Verluste schlucken, allerdings ohne dass sie daran zugrunde gehen. Um das zu erreichen, winden sich Europas Finanzminister seit Wochen um das Reizwort Zahlungsausfall, wenn sie von einem Schuldenschnitt in Griechenland reden. Stattdessen sprechen sie von einer "sanften Umschuldung".

Doch es wird immer klarer, dass diese Idee zum Scheitern verurteilt ist: Die Ratingagenturen senken den Daumen über der Idee einer "freiwilligen" Umschuldung der Banken. Egal ob harte oder weiche Landung - pleite ist pleite, bekräftigte jetzt auch die Ratingagentur Fitch.

Ein freiwilliger Tausch von griechischen Staatsanleihen würde von Fitch als Zahlungsunfähigkeit eingestuft, erklärte der Chef der Ratingagentur für die Region Asien-Pazifik, Andrew Colquhoun, am Dienstag bei einer Konferenz in Singapur. Selbst wenn ein solcher Beitrag privater Gläubiger nach dem Modell eines sogenannten „Rollover“ organisiert werde, ändere dies nichts an der Einschätzung.

Auch die Ratingagentur Standard & Poor's (S & P) bekräftigte am Dienstag ihre Haltung, im Falle einer freiwilligen Umschuldung Griechenlands griechische Staatsanleihen wahrscheinlich als Zahlungsausfall zu bewerten. Zwar könnte S&P nicht von vornherein sagen, dass jede Form der Umschuldung einen Zahlungsausfall bedeute.

Aber: „Die Vergangenheit zeigt, dass es bei einem Land, dessen Kreditwürdigkeit wie Griechenland aktuell mit CCC bewertet wurde, in der Regel nicht zu einer freiwilligen Umschuldung gekommen ist und Investoren Verluste hinnehmen mussten“, sagte der Leiter des Länderbereichs Europa bei S&P, Moritz Krämer der „Welt“ laut Vorabbericht.

Bei einer Laufzeitverlängerung einer Anleihe würden Investoren schlechter gestellt, das würde einen Zahlungsausfall bedeuten und eine entsprechende Herabstufung S&Ps nach sich ziehen, sagte Krämer. Ob die Umschuldung freiwillig erfolge, spiele eine untergeordnete Rolle.

„Entscheidend ist: Wie steht der Investor im Vergleich zu dem da, was ihm versprochen wurde, als er sein Geld investiert hat“, sagte Krämer. Der Länderanalyst warnte außerdem die Politik vor einem Aufschieben des griechischen Rettungspakets. „Wenn die nächste Tranche der Hilfsgelder an Griechenland nicht ausgezahlt wird, würde das die Gefahr eines Zahlungsausfalls im Juli erheblich erhöhen.“

Seite 1:

Ratingagenturen erteilen „sanfter Umschuldung“ eine Abfuhr

Seite 2:

Ein Banken-Beitrag zum Rettungspaket wird immer unwahrscheinlicher

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Ratingagenturen erteilen „sanfter Umschuldung“ eine Abfuhr"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist ein Versagen des Bürgers nicht gegen die

    Schuldenpolitik der Merkel Regierung zu demonstrieren !

    Wo sind denn die Organisatoren ,absolut Fehlanzeige !

    Keine Großdemo bundesweit !

    Aber gegen S21,AKW da wurde gekämft bis zum Umfallen !

    Hat Deutschland diese Versager- Bürger verdient !

  • Ich sehe das prinzipiell ähnlich. Allerdings ist die Realität wohl noch komplexer.

    Die Lehman-Pleite war sicherlich sehr wichtig als ein Zeichen, dass es mit der Verschuldung so nicht weiter geht. Leider hat das die Märkte aber auch nachhaltig verunsichert und die Ratingagenturen unter Druck gesetzt. Diese reagieren jetzt in Einzelfällen wie GR über, während sie sich in anderen Fällen (z.B. USA) immer noch weitgehend blind stellen.

    Das ist auch der Grund, warum ich die Ablösung der Altschulden GRs durch Kredite Europas befürworte: Das nimmt den Druck und die Unruhe aus dem Markt. Es muss aber für Schuldenländer abschreckend sein und darf nicht zu edinem Zurück zur sorglosen Schuldenpolitik vor 2008 führen.

  • Sicher ist Griechenland überschuldet, aber welches westliche Industrieland ist das nicht? Wurde die USA abgewertet oder Japan oder Deutschland? Nein !

    Stattdessen wird Griechenland wie eine Sau über den Marktplatz geprügelt, obwohl alle bemüht sind, eine Lösung für deren Schuldenberg zu finden.

    Nur mal so zum Vergleich: Griechenland mit einem BIP von 20.400 $ pro Einwohner und einem Anteil Staatsunternehmen von 50% (von denen nun einige privatisiert werden sollen und ca. 50 Mrd. EUR wert sein sollen) hat ein Rating CCC, während Burkina Faso mit einem BIP von 449$ pro Einwohner ein Rating von B hat?

    Also was sollen die Ratingagenturen tun? Genau dass, was sie auch schon vor der US-Finanzkrise getan haben und was sie bis vor einem Jahr im Falle Griechenland getan haben: NICHTS!

    Sie haben es Griechenland mit ihren jahrelang erstklassigen Benotungen erst ermöglicht, zu günstigen Zinsen unbegrenzt Kredite aufzunehmen. Jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist und man versucht, eine Lösung (die immer schmerzhaft sein wird) zu finden, brauchen diese "Experten" nicht pausenlos ihren Senf dazu zu geben und weiter Panik zu machen.

    Denn hier geht es nicht nur um Fakten, sondern auch um Emotionen, wie man an ihrem Kommentar sehr gut sehen kann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%