Griechenland-Krise
Tsipras und das große Aber

Der griechische Premier will mit den Gläubigern weiter verhandeln. Doch zu bieten hat er ihnen nichts mehr. Keine neue Reformliste, keine weiteren Zugeständnisse. Er sagt: Griechenland hat genug vom harten Sparkurs.
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Athen/BrüsselGerne wird in diesem Tagen die Fußball-Floskel zitiert: „Der Ball liegt bei den Griechen“. Schließlich müsste sich die Regierung in Athen endlich auf die Gläubiger zubewegen und ihren Reformwillen bekräftigen. Doch was macht der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras? Er spielt den Ball einfach zurück ins Feld der Geldgeber von Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU.

Anders sind seine Ausführungen vor den Abgeordneten seiner Partei kaum zu verstehen. Ihnen sagt Tsipras, dass er den Forderungen der internationalen Geldgebern nach weiteren Sparmaßnahmen nicht nachgeben will. „Wir haben vom griechischen Volk den Auftrag erhalten, die Sparpolitik zu beenden“, so Tsipras am Dienstag in Athen. „Um das zu erreichen, müssen wir eine Vereinbarung erzielen, die die Last gleich verteilt und nicht Arbeitnehmer und Rentner belastet.“

Den Geldgebern warf er vor, Griechenland demütigen zu wollen. Die Euro-Partner, die EU-Kommission, und der IWF wollten in den Verhandlungen ihre Macht demonstrieren. Das Land habe nichts mehr zu geben. Es habe die Grenzen dessen erreicht, was es ertragen könne, sagte der Regierungschef vor seiner Parlamentsfraktion. „Wir sind bereit, mit unseren Partnern ... für eine Lösung zu arbeiten“, sagte er. Die Lösung könne aber nicht die Fortsetzung der Sparpolitik sein. „Ich glaube, wir sind auf der Zielgeraden“, meinte Tsipras. Europa müsse aber „aufhören, sich selbst ins Bein zu schießen“.

Das Abkommen dürfe die Rentner nicht weiter belasten. Zudem müsse es das Thema des griechischen Schuldenberges regeln. Die Debatte um einen Austritt Griechenlands aus dem Euroland sollte ein für alle Mal beendet werden, forderte Tsipras.

Zuvor hatten griechische Medien berichtet, dass Tsipras sich auch nicht mehr auf eine Rückzahlung der Tilgungsrate an den Internationalen Währungsfonds (IWF) festlegen will. Das habe er bei einem Treffen mit den Chefs pro-europäischer Oppositionsparteien gesagt.

Tsipras behalte sich als eine Option vor, die am 30. Juni fällige, gebündelte Tilgungsrate an den IWF in Höhe von knapp 1,6 Milliarden Euro nicht zu bezahlen, falls es bis Ende des Monats zu keiner Einigung mit den Gläubigern kommen sollte. Laut „Bild“-Zeitung soll die Zahlung um sechs Monate verschoben werden.

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  • Respekt Herr Huber!

  • „Tsipras und das große Aber“, die Griechen wollen den Schuldenerlass und neue Milliarden ohne einen Finger zu bewegen.

    Der Alexis Tsipras führt die Euro-Länder mit einem Nasenring derart durch die Manege, dass die Welt sieht wie mit der EU umgegangen werden kann. Dieser Schaden ist viel größer als alles Geld auf der Welt.

    Disziplin, Verlässlichkeit, Vertrauen all diese Attribute wurden über Bord geworfen. Was aus Griechenland wird, wird die Zukunft zeigen. Ein großer Staatsmann verhält sich anders, Ein Rumpelstilzchen ist eben kein Staatsmann.

    Der Premier Tsipras veralbert IWF-Chefin Lagarde, Jean-Claude Juncker, Angela Merkel und Co. Wenn Tsipras wollte, wären die nötigsten Reformen schon vor Monaten erledigt gewesen.

    Rente mit 58 in Griechenland, kein funktionierendes Katasteramt in Griechenland, keine Auswertung der Steuer-CD der über 2000 Steuerhinterzieher von Griechenland, Reiche Griechen bezahlen keine Steuern usw. Dafür gibt es in Deutschland die Rente erst mit 67. Wohlgemerkt, die Deutschen arbeiten bis 67 damit die Rentner in Griechenland ihre Rente mit 58 beziehen können. So kann die Einheitswährung niemals ein Friedensprojekt in Europa sein.

    Die Sparbücher in Deutschland bringen keine Zinsen und die Lebensversicherungen können mit Mühe und Not gerade einmal das eingezahlte Kapital ausbezahlen, wenn überhaupt. Und das jetzige Urteil von dem EuGH wird die gesamte Situation in Europa noch verschärfen, in dem die EZB Papiere von kriselnden Euro-Staaten aufkaufen darf. Am Ende steht ein Europäischer-Finanzausgleich (Bundesländerfinanzausgleich).

    Erst sollten die politischen Reformen umgesetzt sein bevor eine Gemeinschaftswährung realisiert werden kann. Doch Griechenland will keine unpopulären Reformen gegen Reiche durchsetzen. Bei der unendlichen großen Gier sollte die Ernüchterung folgen.

  • Bisher haben sich nur höchst unqualifizierte und teilweise sehr plumpe Kommentare hier angesammelt.
    Was Herr Tsipras macht: Er hält Wahlversprechen ein. Eine sehr große Ausnahme unter den Politikern. Weiterhin beweist er einfach, dass er standhaft ist. Sowas brauchen wir in DE auch.

    @A. Liades und C.Falk: Die Behauptung an sich, man steuere einen Grexit an, ist totaler Irrsinn weil das die schlimmsten Folgen für das Volk mit sich bringen würde. Wer will schon sein *Unternehmen" bewusst bankrott gehen lassen.
    @G. Gantz: Ich glaube Sie sind hier komplett falsch. Wollten sie nicht die Bild lesen?

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