Griechenland
Papandreou setzt harte Schnitte an

Um die EU-Auflagen zu erfüllen muss der Premier seinem Volk weitere harte Sparmaßnahmen erklären. Finanzminister Venizelos intoniert die Begleitmusik: Es gehe nicht um den Euro, sondern um das Schicksal Griechenlands.
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DüsseldorfDie griechische Regierung will am Mittwochnachmittag neue Sparmaßnahmen bekannt geben - die offenbar weit über alle bisherigen Kürzungen hinausgehen und den leidgeprüften Griechen harte Einschnitte abverlangen. Die Gewerkschaften protestieren bereits, eine neue Protestwelle läuft an.

Allerdings hat die Regierung in Griechenland gar keine andere Wahl, als weiter zu sparen. Die neuen Schritte stünden im Zusammenhang mit den laufenden Verhandlungen mit der Troika aus EU, IWF und EZB, erklärte ein Regierungssprecher. Vertreter der Troika sollen kommende Woche nach Athen zurückreisen. Falls sie Griechenland ausreichenden Fortschritt beim Sparprogramm attestieren, kann das hochverschuldete Land auf die Auszahlung der nächsten Hilfstranche hoffen.

Vor dem Hintergrund der Troika-Entscheidung hat Regierungschef Giorgos Papandreou für Mittwoch eine Sondersitzung des Kabinetts in Athen einberufen. Griechische Zeitungen berichten, dabei sollten „noch nie dagewesene“ Sparmaßnahmen beschlossen werden.

Trotz der großen Probleme glaubt Finanzminister Evangelos Venizelos an eine Zukunft seines Landes mit dem Euro. "Griechenland ist und wird immer Mitglied der Eurozone bleiben", sagte er im Parlament. Die Regierung werde alles unternehmen, um "das Schicksal unseres Landes und seinen Platz in der Eurozone nicht aufs Spiel zu setzen", ergänzte er.

„Ja, wir brauchen neue Sparmaßnahmen“, sagte Venizelos im Vorfeld der entscheidenden Kabinettssitzung. Details nannte er nicht. Ohne die Kontrolle der Experten wäre Griechenland vom eingeschlagenen Kurs zu mehr Haushaltsdisziplin wieder abgekommen, erklärte er und räumte ein, dass es beschämend für Griechenland sei, um Kredite bitten zu müssen und unter internationaler Aufsicht zu stehen. Zu den Sparmaßnahmen gebe es jedoch keine Alternative.

„Die Entscheidungen, die wir treffen, sind leider unbedingt notwendig“, sagte Venizelos. Es gebe zwar Verhandlungen. Das letzte Wort hätten aber nun einmal die Geldgeber und nicht die Empfänger der Kredite. Besonders der aufgeblähte Beamtenapparat ist den Kontrolleuren ein Dorn im Auge. Neben Renten- und Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst hat Athen auch eine Reihe von Steuererhöhungen vorgenommen: Lebensmittel, Benzin, Vermögen und Einkommen werden künftig stärker besteuert. Doch dem IWF und der EU gehen die Reformbemühungen nicht schnell und nicht weit genug.

Zugleich lobte Venizelos die Arbeit der Troika aus Vertretern von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, die vor der Freigabe einer weiteren Tranche von Hilfsgeldern die Fortschritte der griechischen Spar- und Reformmaßnahmen beurteilen muss. Athen stehe unter der Kontrolle seiner Gläubiger, behalte aber Souveränität und könne sich so retten, sagte der Minister. Die Krise sei nicht absichtlich herbeigeführt worden, sondern mangelnden Strukturen und anderen Gewohnheiten geschuldet.

Kommentare zu " Griechenland: Papandreou setzt harte Schnitte an"

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  • Reich im Pleitestaat:
    Wie schlecht es den Mogelgriechen geht, sehen Sie hier!
    Ein Bericht von Report Mainz:

    http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=8621480/1womeua/index.html

    Danke!

  • Griechenland muß/will sparen

    Zitat:
    Die beiden größten griechischen Gewerkschaften haben für Oktober zu Streiks aufgerufen, um gegen die Sparpläne der Regierung zu demonstrieren. Am 5. und am 19. Oktober solle die Arbeit für jeweils 24 Stunden niedergelegt werden, sagte der Sprecher der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes Adedy. „Wir werden bis zum Ende kämpfen, um diese Politik zu beenden“, sagte er. „Die Troika und die Regierung müssen weg.“
    Zitat Ende:

    Das muß natürlich mit deutschen Steuergeldern belohnt werden!
    Es kann doch nicht angehen, daß griechische Beamte/Staatsangestellte auf ihr 16. - 18. Gehalt und andere Privilegien verzichten müssen/sollen. (Und vielleicht auch noch bis 55 "arbeiten"). Das ist gegen die Menschenwürde!!!

    Reich im Pleitestaat:
    Wie schlecht es den Mogelgriechen geht, sehen Sie hier!
    Ein Bericht von Report Mainz:

    http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=8621480/1womeua/index.html

  • @ IHR ist erschreckend was Sie hier für Kommentare ablassen. Die aktuell an Griechenland anstehenden Kredite gehen nicht an Banken, sondern dienen der Bezahlung der Beamten und des öffentlichen Dienstes bis Ende des Jahres, wer lesen kann ist klar im Vorteil... und übrigens werden die meisten Unternehmer nicht als solche geboren sondern haben sich Ihr Unternhmen mit leistung und Ideen aufgebaut, das geht auch heute noch, nur könen Sie sich das nicht vorstellen... Neid ist übrigens kein guter Ratgeber...

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