Griechenland
Soziale Unruhen mit schweren Folgen

Die innenpolitischen Turbulenzen in Griechenland verunsichern zunehmend die Finanzmärkte. Steigende Renditen griechischer Staatsanleihen signalisieren: Die Kosten der Aufstände für die Volkswirtschaft sind enorm.

ATHEN. Die innenpolitischen Turbulenzen in Griechenland verunsichern zunehmend die Finanzmärkte. Die Rendite der zehnjährigen griechischen Bonds stieg zum Wochenbeginn zeitweilig auf 221 Basispunkte über die Effektivverzinsung der vergleichbaren Bundesanleihe. Die horrenden Risikozuschläge verteuern für den Athener Finanzminister Jorgos Alogoskoufis die Refinanzierung fälliger Staatsanleihen und lassen die Verschuldung des Landes von derzeit rund 95 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) weiter wachsen.

Der hohe Schuldenstand belastet die Bonität Griechenlands ohnehin. Jetzt kommen die inneren Unruhen als weiterer Risikofaktor hinzu. Analysten in Athen fragen sich, ob der griechische Finanzminister im Januar überhaupt noch Abnehmer für die dann zu begebenden Bonds finden wird, und zu welchen Konditionen - oder ob das Land womöglich beim Internationalen Währungsfonds (IWF) anklopfen muss. Die Finanzmärkte sind jetzt zusätzlich alarmiert, weil die jüngsten Ausschreitungen eine tiefgehende soziale Krise signalisieren, noch bevor der globale wirtschaftliche Abschwung das Land überhaupt richtig erreicht hat. Besorgt fragt man sich, welche gesellschaftlichen Spannungen Griechenland noch bevorstehen, wenn sich die Rezession im kommenden Jahr mit Gehaltseinbußen und Entlassungen bemerkbar machen sollte.

Die schweren Unruhen in Athen und anderen griechischen Städten, die vor zehn Tagen durch den tödlichen Schuss eines Polizisten auf einen 15-Jährigen ausgelöst wurden, dürften die drohende Wirtschaftskrise noch verschärfen. Viele Händler stehen vor dem Ruin. Im ganzen Land wurden bisher nahezu 600 Geschäfte verwüstet, rund 450 allein in Athen. Die Zerstörungswut der Randalierer richtete sich vor allem gegen die Banken: 180 Filialen wurden demoliert, teils auch niedergebrannt. Die Regierung beziffert die Schäden auf 200 Mio. Euro und verspricht unbürokratische Hilfe. Der griechische Einzelhandelsverband dagegen veranschlagt die Verluste einschließlich Umsatzeinbußen auf 1,5 Mrd. Euro. Die Folgekosten für die griechische Volkswirtschaft dürften aber weitaus höher sein, wie an den steigenden Renditen der Staatsanleihen bereits abzulesen ist. Bleibt es bei den hohen Spreads, muss der Athener Finanzminister nach Analystenschätzungen im kommenden Jahr mindestens fünf Mrd. Euro mehr für die Refinanzierung fälliger Schulden bezahlen als im Etat angesetzt.

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