Griechenland-Task-Force
„Atmosphäre der Erleichterung“

Der Chef der Task-Force für Griechenland, Horst Reichenbach, hat gute Nachrichten aus Griechenland. Im Interview lobt er erste Fortschritte - warnt aber auch vor neuen Risiken, die am Horizont aufziehen.
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Handelsblatt: Herr Reichenbach, die gereizte Lage in Griechenland verlockt nicht dazu, Urlaub dort zu machen. Leidet der Tourismus?

Reichenbach: Für dieses Jahr sieht es weniger gut aus als in 2011.

Handelsblatt: Antideutsche Kampagnen zeigen offenbar Wirkung.

Reichenbach: Die Zahl deutscher Touristen ist in der Tat rückläufig. Da mag die Stimmung im Land eine Rolle spielen. Sicher hat das aber auch etwas damit zu tun, dass sich die Lage in Nordafrika stabilisiert und die Menschen die dortigen Tourismusziele wieder ins Auge fassen.

Handelsblatt: Den Griechen ist es in den vergangenen Monaten gelungen, mehr Steuern einzutreiben als gedacht. Und auch der Abruf von EU-Geldern für den Aufbau beschleunigt sich. Stabilisiert sich das Land?

Reichenbach: Es gibt eine Atmosphäre der Erleichterung. Über Monate stand der Bankrott im Raum. Niemand wusste, ob der Schuldenschnitt mit dem Privatsektor gelingt. Die Skepsis, ob die Regierung die Sparmaßnahmen umsetzt, war enorm. All das ist vorbei. Das Fundament für Fortschritte ist gelegt.

Handelsblatt: Im Mai wählen die Griechen ein neues Parlament. Droht mit einem Umbruch in der Parteienlandschaft neues Chaos?

Reichenbach: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die politischen Kräfte, die die Vereinbarungen mit der EU und dem IWF getroffen haben, auch künftig die Geschicke des Landes mitbestimmen. Die zwei großen Parteien Pasok und Nea Demokratia haben akzeptiert, dass an der Umsetzung des Sparpakets kein Weg vorbeiführt. Und auch manch andere Partei hat solche Signale ausgesandt.

Handelsblatt: Neue Einschnitte gelten als sicher. Was verträgt das Land noch?

Reichenbach: Griechenland hat Einzigartiges geleistet. Man ist an die Grenzen dessen gegangen, was die Menschen zu tragen bereit sind. Das wird man im Auge behalten.

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„Atmosphäre der Erleichterung“

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„Export wird 2012 nicht die Dynamik haben wie 2011“

Kommentare zu " Griechenland-Task-Force: „Atmosphäre der Erleichterung“"

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  • Hallo, ich lebe in Deutschland seit über 25 Jahren, die letzten 5 Jahre, die Sommer in Griechenland arbeiten in der Tourismusbranche. Versichern, dass die griechischen Nationalisten wie wir wissen, nicht zugenommen haben, noch haben sie bewaffnete Angriffe. Nicht gutes paradeigma ist das Böse von Toulouse gestern.
    AberAber ich gestehe Athen ist eine gefährliche Stadt, nicht nur für Touristen sondern auch für die friedliche Griechen Athen ist eine gefährliche Stadt, nicht nur für Touristen sondern auch für die friedliche Griechen.
    Es ist meine Meinung und Santorini vor allem deutsche Touristen, immer liefern die besten Business-Preise und freundliche Behandlung.
    Ich wünsche allen einen schönen Urlaub.
    Maria P.
    karlsruhe/santorini

  • Reichenbach sieht „Atmosphäre der Erleichterung“, der IWF „Ein neues Finanzloch in Griechenland“.
    Die EU betreibt Zweckoptimismus.

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