Griechenland und der Euro
Austritt: Eine teure Option

Im Austritt von Griechenland sehen Befürworter vor allem Chancen. Das Land könnte die tiefe Rezession überwinden und die Euro-Zone wäre vom insolventen Staat befreit. Doch viele Ökonomen fürchten unbeherrschbare Folgen.
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Ob Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) oder Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Die Befürworter eines Austritts Griechenlands aus dem Euro sehen in dem harten Schnitt vor allem Chancen: Das Land könnte mit einer stark abgewerteten Drachme seine Produkte sofort billig auf dem Weltmarkt anbieten und damit schneller die tiefe Rezession überwinden.

Die übrige Euro-Zone wäre befreit von einem insolventen Staat, und auch gegenüber den Finanzmärkten wäre klar: Die Haushaltsregeln der Euro-Zone gelten. Wer sie bricht, muss die Konsequenzen tragen. Die Gegner eines „Grexit“ sind dagegen überzeugt, dass die Kettenreaktionen im Weltfinanzsystem nicht beherrschbar wären und aus dem angestrebten Ende mit Schrecken ein Schrecken ohne Ende wird.

Die Europäische Zentralbank und die EU-Kommission wollen den Austritt vermeiden. Die deutschen Wirtschaftsweisen etwa fürchten einen zweiten Lehman-Schock, wenn nur ein einziges Land aus dem Euro austritt: Der Kollaps griechischer Banken könnte französische und südeuropäische Banken treffen. Und wer garantiert den Finanzmärkten, dass nicht weitere Austritte - Spanien, Italien, vielleicht sogar Frankreich - folgen?

Teuer wäre der Austritt sogar, wenn die große Kettenreaktion ausbliebe. Die übrigen Euro-Länder müssten die bisher gewährten Kreditbürgschaften über 73 Milliarden Euro über ihre Haushalte finanzieren, Deutschland wäre mit 16,5 Milliarden Euro dabei. Hinzu kämen die Verbindlichkeiten Griechenlands gegenüber der EZB von 210 Milliarden Euro - von denen Deutschland entsprechend seines 27-Prozent-Anteils an der EZB ein gutes Viertel zahlen müsste.

Bei diesen Milliarden wird es im Austrittsszenario nicht bleiben. Die griechische Wirtschaft dürfte infolge des Bankenzusammenbruchs kollabieren. Die EU müsste ein Wiederaufbauprogramm starten und womöglich eine Hungersnot bekämpfen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Griechenland und der Euro: Austritt: Eine teure Option"

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  • Solange griechische Steuerfahnder von Einheimischen bei der Durchführung ihrer Kontrollen mit Steinen beworfen werden, solange wird Griechenland auch auf keinen grünen Zweig kommen. Und der Rest Europas wird nicht nur die für die nächsten zwei Jahre Zugeständnisse für Griechenland machen müssen, sondern für die nächsten zwanzig Jahre.

  • 'Pandora0611' sagt
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    Grexit
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    "Die Europäische Zentralbank (Europas größte Bad Bank) und die EU-Kommission (Das ZK der EUdSSR) wollen den Austritt vermeiden. Die deutschen Wirtschaftsweisen (Bofinger) etwa fürchten einen zweiten Lehman-Schock, wenn nur ein einziges Land aus dem Euro austritt: Der Kollaps griechischer Banken könnte französische und südeuropäische Banken treffen. Und wer garantiert den Finanzmärkten, dass nicht weitere Austritte - Spanien, Italien, vielleicht sogar Frankreich - folgen?"

    Wenn also ein Land, welches gerade einmal mit 2% zur Wirtschaft der EU beiträgt, aus dem Euro austritt, ist das eine Katastrophe?
    Der Euro war von Anfang an eine Fehlgeburt!
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    Das ist ein Fehlschluß.

    Die hohe gegenseitige Abhängigkeit der Banken untereinander liegt in erster Linie an zu geringem Eigenkapital.

    Denn wenn ich mit einer Eigenkapotalqiote von 3% arbeite und 3% meiner Forderungen ausfallen, dann bin ich auch pleite. Egal, ob meine Forderung auf Euro, Dollar oder jap. Yen lautet.

    Ließ sich bei "Lehmann" doch schön beobachten - über Währungsgrenzen hinweg.

    Mit dem Euro hat das nichts zu tun, und würde sich auch bein einem gr, "Austritt" (Hinauswurf) nicht ändern.

    ++++

    Allerdings halte ich die Katastrophenvorhersagen von Bofinger & Co.für stark übertrieben. Sicher müßten die zypriotischen Banken mit ein paar Milliarden gerettet werden (vom EFSF), und die französischen (von Monsieur Hollande (15 Mrd?)). Aber das dürfte es gewesen sein. Das exposure andrer Banken kann im Eigenkapital nebst Rücklagen aufgefangen werden.

    Der Unterschied zu "Lehman" ist vor allem der: Es ist alles schon längst bekannt. Nur das "wann" ist noch die Frage. Während "Lehman" doch ziemlich überraschend kam.

  • Noch teurer wäre es, dem schlechten Geld weiterhin gutes nachzuwerfen.

    Denn die "Kosten" einer Griechenlandpleite sind ja tatsächlich schon längst vorhanden - man gaukelt sich nur vor daß man davon noch einmal etwas wiedersieht.

    Kameralistisch mag das teuer aus sehen, denn die Schulden des EFSF sind ja nicht im Bundeshaushalt konsolidiert - tatsächlich wird es aber jeden Monat teurer den man die Kleptokraten weiter füttert.

    ++++

    Das ganze Gerede von "Contagion" ist Unsinn - eine Bilanzbereinigung wirkt sich normalerweise positiv aus.

    An dem Tag, an dem Griechenland die ELA gesperrt wird, werde ich meine Europosition aufstocken.

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