Griechenland vor der Wahl
Tsipras droht die große Pleite

Von wegen problemloser Durchmarsch: Die vorgezogene Parlamentswahl in Griechenland ist völlig offen. Sollten die Wähler Ex-Premier Tsipras auf die Oppositionsbank schicken, könnte das ein politisches Fiasko bedeuten.
  • 14

AthenDer Mann, der Alexis Tsipras den Sieg kosten könnte, hat die rhetorische Peitsche herausgeholt. Der Ex-Premier und Syriza-Chef Tsipras habe bei der letzten Wahl im Januar die Stimme des Volkes mit falschen Versprechungen „entwendet“ und das Land dann mit falschen Entscheidungen in eine Katastrophe geführt, sagte Oppositionsführer Evangelos Meimarakis am späten Donnerstagabend in Athen. Der Ende August zurückgetretene linke Regierungschef sei ein Verkäufer von leeren Versprechen.

Der Parteichef der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND) warf Tsipras vor, dass er entgegen seiner Wahlversprechen die Renten gekürzt, die Steuern erhöht und Kapitalverkehrskontrollen eingeführt habe. Zwei Tage vor der vorgezogenen Parlamentswahl an diesem Sonntag liefern sich die Konservativen laut Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der linken Syriza. Der Wahlkampf geht am Freitagabend mit einer Rede von Tsipras in Athen zu Ende.

Doch Meimarakis, der 61 Jahre alte Berufspolitiker alter Schule, konnte im Wahlkampf gegenüber Tsipras nicht nur Peitsche, sondern auch Zuckerbrot: Neulich zum Beispiel, am Flughafen von Heraklion auf Kreta. Man plauderte angeregt, scherzte, die Fotografen dokumentierten sogar die Andeutung einer Umarmung, und dann zogen sich beide Männer auch noch in ein Hinterzimmer zurück. Sofort schossen in den Medien Spekulationen über eine große Koalition ins Kraut. Meimarakis bestätigte: „Ich bin zur Zusammenarbeit bereit.“

Das trifft sich mit dem Wunsch der meisten Griechen: Sieben von zehn Befragten, so melden Demoskopen, wollen eine breit aufgestellte „Regierung der nationalen Einheit“, um die Probleme des Landes zu lösen.

Meimarakis kommt mit seiner schnörkellosen, volksnahen und leicht schnoddrigen Sprache bei vielen Griechen gut an. Er gibt sich jovial, wirkt offenherzig. In der persönlichen Popularitätswertung liegt er in manchen Umfragen sogar knapp vor Tsipras. Während dessen Lieblingsgeste im Wahlkampf die geballte Faust ist, sieht man Meimarakis häufig mit ausgebreiteten Armen. Rhetorisch kommt der konservative Herausforderer aber an den charismatischen Tsipras nicht heran.

Meimarakis wirkt mit Halbglatze und grauem Schnauzbart im direkten Vergleich zu Tsipras nicht nur viel älter, sondern auch ziemlich bieder. Seit 41 Jahren ist Meimarakis Parteimitglied, seit 26 Jahren im Parlament. Das mag ihn in den Augen der ND-Kernwähler adeln. Zugleich ist Meimarakis aber ein Repräsentant jener alten politischen Kaste, die Griechenland vor die Wand gefahren hat.

Das stellt auch Tsipras im Wahlkampf immer wieder heraus. Am liebsten möchte er die Zusammenarbeit mit den ultrarechten Unabhängigen Griechen fortsetzen, erklärt Tsipras. Die haben sich als willfährige Vasallen erwiesen. Aber sie scheitern am Sonntag womöglich an der Dreiprozenthürde. Im Fall seines Wahlsieges hätte Tsipras dann nicht viele Optionen. Er könnte versuchen, die sozialdemokratische Pasok und die Mitte-links-Partei Potami als Partner zu gewinnen – wenn die Mandats-Arithmetik aufgeht. Am Ende könnte ein Bündnis mit den Konservativen die einzige Lösung sein. Noch lehnt Tsipras eine griechische Großkoalition strikt ab. Ein solches Bündnis sei „unnatürlich“, sagt er. Aber das muss nicht das letzte Wort gewesen sein – zumal der Syriza-Chef nicht eben bekannt dafür ist, Wahlversprechen eins zu eins umzusetzen.

Kommentare zu " Griechenland vor der Wahl: Tsipras droht die große Pleite"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer in diesem Land, das längst zum Dauerkostgänger Europas geworden ist und stolz darauf sein darf, die Transferunion eingeleitet zu haben, regiert, ist doch letztlich unerheblich.
    Wer griechischen Politikern traut, kann seine Ersparnisse auch gleich bei " Hütchenspielern " anlegen. Griechenland befindet sich seit langem sowohl im Dauerwahlmodus als auch im dauerhaften Alimentantionsmodus auf Kosten der europäischen Steuerzahler.
    Als kleines Dankeschön für das letzte Hilfspaket werden auch die Migranten weitestgehend ohne Registrierung in die anderen EU Staaten mit dem Endziel Deutschland durchgeleitet !

  • Was Sie da schreiben, ist Kennzeichen eines manisch-depressiven Krankheitsbildes.
    Jetzt ist die akute manische Phase voll ausgeprägt. Das kann sich gefährlich ausweiten, wenn es keine Hilfe für den Betroffenen gibt. Und meist ist diese Person in dieser Phase alles andere als krankheitseinsichtig.

  • Lange nichts mehr von der GR-Krise gehört. Ich gehe davon aus, daß die auferlegten Reformbemühungen mit Elan und großem Eifer eins zu eins umgesetzt werden. Sonst gibt es ja kein Geld mehr. (Spaß muss sein.)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%