Griechenlands Finanzminister
„Wir sind nicht das nächste Island“

Die griechische Regierung ist optimistisch, dass der Staat die durch die Herabstufung im Bonitätsrating verursachten Probleme aus eigener Kraft meistern wird. Es bestünde nicht die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit, bekräftigte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am Mittwoch. Ein Schuldiger scheint bereits ausgemacht: die Vorgängerrergierung.
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ATHEN. Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou sieht keine Gefahr, dass sein Land zahlungsunfähig werden könnte. "Es gibt absolut kein solches Risiko - wir sind nicht das nächste Island", versicherte Papakonstantinou am Mittwoch vor ausländischen Korrespondenten und Diplomaten in Athen. Die seit Anfang Oktober amtierende sozialistische Regierung habe die Verantwortung allerdings "in einer außerordentlich schwierigen Zeit" übernommen. "Wir bezahlen jetzt für das Vertrauensdefizit, das unsere konservative Vorgängerregierung hinterlassen ist", sagte der Minister. Das erschütterte Vertrauen werde man "nicht von einem Tag auf den anderen zurückgewinnen", meinte Papakonstantinou. Er rechne deshalb in den kommenden Wochen mit weiteren Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Wachsende Sorgen wegen der Kreditwürdigkeit des Schuldners Griechenland belasteten bereits seit Mitte November die Kurse griechischer Staatsanleihen. Befürchtungen weckt vor allem das Haushaltsdefizit, das in diesem Jahr mit voraussichtlich 12,7 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) doppelt so hoch ausfallen wird wie noch im September von der damaligen Regierung veranschlagt.

Am Montag stufte die Ratingagentur Fitch die Bonität des Landes auf "BBB+" herab. Griechenland stieg damit in die zweite Liga der Schuldner ab und hat das schlechteste Rating aller Euro-Staaten. Als Folge der Herabstufung gingen die Kurse der griechischen Staatsanleihen auf Talfahrt. Am Mittwoch setzte sich der Trend fort. Auch die beiden anderen Ratingagenturen, Standard & Poor's und Moody's, prüfen Griechenlands Bonität, was eine bevorstehende Herabstufung erwarten lässt.

2010 werde ein "schwieriges Jahr, aber es muss kein unmögliches Jahr werden", meinte der Minister. Nachdem Griechenland in diesem Jahr Anleihen für rund 60 Mrd. Euro begeben hat, werde die Kreditaufnahme im kommenden Jahr zurückgehen, prognostizierte Papakonstantinou. Überdies habe das Land derzeit keinen unmittelbaren Finanzbedarf.

Die Regierung habe "ein klares Verständnis für die Schwierigkeit der Situation" und werde "sofort alle nötigen Maßnahmen treffen", um die Krise zu bewältigen. Griechenland warte nicht auf einen Retter; das Land stehe zwar unter dem Schutzschirm der Euro-Zone, werde aber seine Probleme aus eigener Kraft meistern. Im Januar will Papakonstantinou der EU-Kommission ein überarbeitetes Stabilitätsprogramm vorlegen, das "sehr konkrete Schritte zur mittelfristigen Konsolidierung" der öffentlichen Finanzen enthalten werde.

Auch Regierungschef Giorgos Papandreou warb um Vertrauen: Er sei entschlossen, die Finanzprobleme anzugehen, denn die "gefährden die Souveränität unseres Landes", sagte Papandreou in einer Kabinettssitzung. Das hörte sich ganz danach an, als wolle Papandreou seine Landsleute auf schmerzliche Einschnitte einstimmen.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

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