Griechische Hängepartie
Zweites Hilfspaket wird wahrscheinlicher

Athen darf auf neue Hilfsgelder hoffen. Die Bedingungen der Euro-Gläubiger kann die Papademos-Regierung laut Medienberichten wahrscheinlich erfüllen. Auch das umstrittene Sperrkonto hat das Kabinett offenbar geschluckt.
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Berlin/AthenGriechenland ist in den Verhandlungen über ein zweites Rettungspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) trotz teils scharfer Rhetorik offenbar zu weitgehenden Zugeständnissen bereit. Athen akzeptiere ein Sperrkonto, auf das Zins und Tilgung für die neuen Kredite fließen sollen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstagausgabe) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Der Ökonom Hans-Werner Sinn hat trotzdem keine Hoffnung auf eine Erholung der griechischen Wirtschaft, solange das Land im Euro verbleibt.

Der zur Bewilligung weiterer Hilfen notwendige Prüfbericht der Troika-Beobachtermission aus IWF, EU und Europäischer Zentralbank (EZB) solle zwar erst nächste Woche vorgelegt werden, hieß es in der „Welt“. Bis dahin werde Athen aber die meisten Bedingungen erfüllt haben. „Der Schuldenstand wird mit den neuen Maßnahmen und nach dem Schuldenschnitt bei den privaten Gläubigern Athens unter 125 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 liegen“, zitierte das Blatt einen Gewährsmann. Die Schuldenquote liege damit nahe an den 120 Prozent, die die Troika als Maßstab für die Schuldentragfähigkeit des Landes gewählt hat.

Mit dem Sperrkonto würde Athen einen Teil seiner Haushaltssouveränität abgeben. Dies hatte Griechenland zuletzt zu vermeiden versucht und sich mit zunehmender Schärfe gegen Einmischungen der europäischen Partner gewehrt. Zielscheibe waren dabei vor allem die Bundesrepublik und deutsche Politiker.

Vor der möglicherweise entscheidenden Sitzung der Euro-Finanzminister am Montag arbeitet Athen derweil weiter an der verlangten Umsetzung der Sparbeschlüsse. Ministerpräsident Lucas Papademos berief sein Kabinett am Samstag zu einer Sondersitzung ein, auf der ein Anwendungsgesetz für die jüngsten Sparvorhaben verabschiedet werden sollte.

Athen will die Partner in der Eurozone auf diese Weise von seinem Sparwillen überzeugen und erreichen, dass die Minister am Montag den Weg zu weiteren Milliarden-Hilfen für Griechenland freimachen. Die griechische Regierung wollte auf ihrer Kabinettssitzung laut Medienberichten darüber entscheiden, auf welche Weise das Sparpaket in die Tat umgesetzt werden soll, das im Parlament vor knapp einer Woche gebilligt worden war. Es sieht Einsparungen von über drei Milliarden Euro für dieses Jahr vor.

Kommentare zu " Griechische Hängepartie: Zweites Hilfspaket wird wahrscheinlicher"

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  • Sie müssen nur zuhören, was die Kanzlerin sagt: der Euro ist alternativlos, Griechenland muss im Euro bleiben. Dann wissen Sie auch wies weitergeht.

  • das war zu erwarten. Die Kanzlerin und ihr Finanzminister werden trotz der katastrophalen Meldungen aus Athen nicht zögern, die neuen Milliarden nach Griechenland zu pumpen. Nach uns die Sintflut.

  • @ Karstenwanger
    Recht haben Sie, aber es bringt wenig, sich nur in Kommentarfunktionen zu echauffieren. Man sollte sich der Aktion BÜNDNIS BÜRGERWILLE anschließen, um diesem unseligen Treiben unserer Politiker endlich ein Ende zu bereiten. Googeln !

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