Grüne und Greenpeace kritisieren die Entscheidung
Genverändertes Saatgut in EU zugelassen

Die EU-Kommission hat gegen den Protest von Umweltschützern erstmals genverändertes Saatgut für den kommerziellen Anbau in allen EU-Staaten zugelassen. Eine Entscheidung über Grenzwerte für die Verunreinigung von Saatgut mit gentechnisch veränderten Samen wurde dagegen in die Amtszeit der nächsten Kommission verschoben.

HB BRÜSSEL. Die Kommission entschied am Mittwoch in Brüssel, der US-Biotechnologiekonzern Monsanto dürfe Saatgut der von ihm entwickelten Maislinie MON 810 in allen Staaten der Europäischen Union (EU) anbieten. Verbraucherkommissar David Byrne sagte, die 17 Maissorten seien in Spanien bereits seit mehreren Jahren ohne Probleme angebaut worden. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach von einer Entscheidung gegen die Interessen von Verbrauchern und Landwirten. Bislang konnten nur Landwirte in Frankreich und Spanien die genveränderten Samen nutzen, weil diese Länder bereits nationale Genehmigungen ausgestellt hatten. Byrne betonte, der Mais werde deutlich als genverändert gekennzeichnet, damit die Bauern eine sachkundige Wahl treffen könnten.

Grüne und Greenpeace kritisierten die Entscheidung. Die EU gefährde damit die gentechnikfreie Landwirtschaft. Bislang sei noch nicht geregelt, wie Gentechnik-Felder und herkömmliche Felder nebeneinander bewirtschaftet werden sollen, erklärte Greenpeace. Die Maissorten sollen gegen bestimmte Schädlinge unempfindlich sein. Greenpeace erklärte, der Maiswurzelbohrer trete nur dort auf, wo zu oft Mais auf derselben Fläche angebaut werde.

Auf Zustimmung bei Kritikern der Gentechnik stieß dagegen die Verschiebung eines ursprünglich ebenfalls für Mittwoch geplanten Kommissionsvorschlags, wann herkömmliches Saatgut, das mit gentechnisch modifiziertem Saatgut vermengt ist, gekennzeichnet werden muss. Kommissionspräsident Romano Prodi habe den Vorschlag abgesetzt, nachdem mehrere Kommissare noch Klärungsbedarf gesehen hätten, sagte sein Sprecher. Wahrscheinlich werde sich nun die nächste EU-Kommission mit dem Vorschlag beschäftigen, die am 1. November ihr Amt antritt.

Im Vorschlag war vorgesehen gewesen, dass ab einem Anteil von 0,3 % von genveränderten Mais- und Raps-Samen das Saatgut als genverändert gekennzeichnet werden muss. Umweltorganisationen und Grüne im EU-Parlament fordern dagegen, die Grenze bei 0,1 % festzusetzen. Dies sei derzeit die kleinste nachweisbare Menge. „Gerade noch rechtzeitig hat die Kommission die Notbremse gezogen“, sagte die Grünen-Abgeordnete Hiltrud Breyer. Weil sich Saatgut selbst weiter vermehre und der Rückruf von genverändertem Saatgut praktisch unmöglich sei, hätte ein höherer Grenzwert unkalkulierbare Folgen gehabt.

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